Soziale Netzwerke, Messenger & Co.

Das Internet hat sich in den letzten Jahren fortlaufend zum Mitmach-Netz entwickelt. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sind die Möglichkeiten, eigene Inhalte ins Netz zu stellen oder sich von anderen eingestellte Inhalte anzuschauen, besonders beliebt. Neudeutsch spricht man hier von „User generated Content“ (auf Deutsch „Von Nutzern erstellte Inhalte“). Nahezu alle Anwendungen gibt es inzwischen auch als App, für die mobile Nutzung über Smartphone und Tablet. So rufen immer neue Webseiten und Apps zum digitalen Mitmachen und Vernetzen auf.

Bei den Apps, mit denen Nachrichten, Bilder und kleine Filme über das Internet an Freunde und Bekannte geschickt werden können, liegt WhatsApp aktuell bei den Jugendlichen vorne.

Neben Videoportalen wie YouTube kann man sich in Foren austauschen, Blogs („virtuelle Tagebücher“) erstellen oder lesen, sich Nachrichten, Bilder und kleine Filme schicken usw. Ein aktueller Trend sind auch Anwendungen und Portale, mit denen Videos live und in „Echtzeit“ über das Internet gesendet werden können (siehe zum Beispiel YouNow).

Facebook, WhatsApp und Instagram sind heute somit ständige Begleiter von Jugendlichen. Diese Dienste kommen vor allem dem Bedürfnis von Heranwachsenden nach Kommunikation, Selbstdarstellung, Anerkennung und Verbundenheit mit Gleichaltrigen entgegen.

Auch wenn Jugendliche die Bedienung der Dienste scheinbar mühelos beherrschen, können sie oftmals die Folgen nicht einschätzen, die eine unbekümmerte und unkritische Nutzung mit sich bringen kann. Schauen Sie sich deshalb die von Ihrem Kind favorisierten Online-Netzwerke und die dazugehörigen Apps gemeinsam an und besprechen Sie mögliche Risiken schon vor der Nutzung. Die folgenden Tipps sind dem klicksafe-Flyer „Sicherer in Sozialen Netzwerken: Tipps für Eltern“ entnommen, der im Juli 2015 in vollständig aktualisierter Version erschienen ist.

Tipps für die Nutzung von Sozialen Netzwerken und Messengern

Tipp 1: Beachten Sie Altersbeschränkungen von Messengern und Sozialen Netzwerken

Die Nutzung beliebter Dienste wie Facebook oder WhatsApp sind mit Altersbeschränkungen durch die Anbieter verbunden, die in den AGB nachzulesen sind (zum Beispiel YouNow und Facebook ab 13 Jahren, WhatsApp ab 16 Jahren). Für jüngere Nutzer sind in diesen Diensten keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen vorhanden. Daher sind sie in erhöhtem Maße Risiken ausgesetzt. Dazu gehören zum Beispiel ungewollte Kontaktaufnahmen durch Fremde, wie bei WhatsApp über die Telefonnummer oder Gruppeneinladungen. Auch wenn eine Überprüfung des tatsächlichen Alters nicht stattfindet, sollten Sie als Eltern diese Altershinweise ernst nehmen und mit Ihrem Kind darüber sprechen, dass die Nutzung bestimmter Dienste vielleicht (noch) nicht geeignet ist, da sie sich nicht ausreichend schützen können.

Themenbereich „Kommunizieren“ 
Handysektor-Erklärvideos

Tipp 2: Prüfen Sie gemeinsam Schutz- und Meldefunktionen

Ihr Kind sollte darüber Bescheid wissen, wie man sich beim jeweiligen Angebot vor unerwünschten Kontakten oder Kommentaren schützen kann. Viele Dienste kann man über Webbrowser und App nutzen. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind im App- und Webangebot die Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen gesondert vornimmt, da sich die Einstellungen nicht immer automatisch übertragen oder unterschiedlich sind. Machen Sie sich gemeinsam mit den entsprechenden Schutzeinstellungen vertraut und stellen Sie sicher, dass Ihr Kind diese Funktionen kompetent nutzen kann. Dazu gehört:

  • Integrierte Meldesysteme kennen, über die problematische Inhalte dem Betreiber gemeldet werden können.
  • Die Ignorieren/Blockieren-Funktion anwenden können. Diese ermöglicht es, Kontakten den Zugriff auf das eigene Profil zu verweigern.
  • Die richtigen Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre vornehmen können: Wer darf meine Profilangaben, meinen Status sehen, wer darf mich verlinken etc.?

Tipp 3: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Datenschutz und den Wert persönlicher Daten

Soziale Netzwerke sind Orte, an denen besonders viele Daten und Informationen über Ihr Kind gesammelt werden. Auch wenn man heute noch nicht genau sagen kann, was mit der massenhaften Sammlung von Daten (Big Data) in Zukunft passieren wird, ist Vorsicht geboten. So gehören die bei Jugendlichen sehr beliebten Dienste Instagram, Facebook und WhatsApp einer einzigen Firma, nämlich Facebook Inc. Grundsätzlich gilt: Je weniger persönliche Angaben Ihr Kind macht, desto besser, denn das Netz vergisst nichts.

Onlinequiz für Jugendliche zum Thema „Datenschutz“
Themenbereich Datenschutz
„Broschüre „Datenschutz im (mobilen) Internet“

Tipp 4: Werden Sie aktiv, wenn peinliche Fotos Ihres Kindes verbreitet werden

Jeder Mensch hat das „Recht am eigenen Bild“, das bedeutet, wenn Ihr Kind ohne seine Einwilligung auf Bildern zu sehen ist, gibt es in den meisten Diensten folgende Möglichkeiten:

  • Die Verlinkung auf dem Bild zum eigenen Profil löschen, damit das Bild nicht mehr mit dem eigenen Profil verbunden ist.
  • Die Person, die dieses Bild veröffentlicht hat, kontaktieren und um Löschung bitten.
  • Das Foto melden und den Anbieter um Löschung bitten.
  • Die Person melden (falls vorherige Schritte nicht erfolgreich waren).
  • Voreinstellungen für das Verlinken von Fotos überprüfen.

Hinweis: Bilder, die über Apps, z. B. WhatsApp versendet wurden, werden direkt auf den Geräten der Empfänger gespeichert. Zudem können sie leicht weiterverbreitet werden. Auch Instant Messenger wie Snapchat, die das sofortige Löschen nach dem Versenden einer Nachricht versprechen, sind nicht sicher. Ein nachträgliches Löschen über den Anbieter ist so nicht möglich. Deshalb gilt hier besondere Vorsicht beim Versenden von Bild- oder Videomaterial.

Weitere Informationen zum „Recht am eigenen Bild“
Weitere Informationen zu Snapchat

Tipp 5: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Selbstdarstellung im Netz und seien Sie Vorbild

Soziale Netzwerke und Video-Plattformen bieten eine interessante Bühne für das Bedürfnis nach Selbstdarstellung. Und dies gilt nicht nur für Heranwachsende. Anerkennung durch andere Teilnehmer gibt es hier in Form von Likes, Kommentaren oder digitalen Geschenken. Solche Dienste können auch dazu verleiten, unüberlegt zu viel von sich preiszugeben. Vielen ist nicht bewusst, wie schnell diese Informationen für jedermann sichtbar sind und wie verletzlich man sich gerade durch Bilder und Videos machen kann. Beleidigungen, Mobbing oder sexuelle Provokationen sind mögliche Folgen. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind feste Regeln für die Selbstdarstellung:

  • Private Informationen wie Telefonnummer, Adresse, Kontaktmöglichkeiten im Internet etc. sollten nicht preisgegeben werden.
  • Keine erotischen oder freizügigen Fotos und Videos versenden (Stichwort „Sexting“).
  • Übergriffige oder beleidigende Personen sollten ohne zu zögern blockiert und dem Anbieter gemeldet werden.
  • Die eigene Selbstdarstellung  regelmäßig überprüfen. Facebook bietet bspw. die Funktion „Meine Seite für Andere“ an, mit der man sein Profil aus der Perspektive eines anderen Nutzers anschauen kann.

Wenn Sie selbst Soziale Netzwerke nutzen, prüfen Sie regelmäßig, welche Informationen und Inhalte Sie als Eltern online verbreiten. Auch hier haben Sie als Eltern eine wichtige Vorbildfunktion.

Weitere Informationen zum Thema Sexting

Tipp 6: Gehen Sie gegen Beleidigungen, Belästigungen und Cyber-Mobbing vor

Cyber-Mobbing ist ein ernstes Problem in der digitalen Welt (siehe Broschüre links). Die scheinbare Anonymität und ständige Verfügbarkeit des Internets senkt die Hemmschwelle für Beleidigungen, Hass und Mobbing. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind beleidigt oder belästigt wird oder selbst andere beleidigt und respektlos behandelt, sollten Sie so schnell wie möglich reagieren, jedoch nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Kind.

So können Sofortmaßnahmen aussehen, wenn Ihr Kind gemobbt wird:

  • Machen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Bildschirmfotos von den betreffenden Äußerungen oder Bildern.
  • Nutzen Sie vorhandene Ignorieren- und Meldefunktionen. Bilder können z. B. bei Facebook direkt gemeldet werden (unter dem Bild > Optionen > Foto melden).
  • Holen Sie sich Unterstützung bei anderen Eltern und Experten.
  • Oft stecken Streitigkeiten im Freundeskreis oder eine problematische Klassensituation hinter Mobbingattacken. Informieren Sie ggf. gemeinsam die Lehrperson.

Weitere Informationen zum Thema Cyber-Mobbing
Umgangsformen in der neuen Medienwelt – medien-knigge.de

Tipp 7: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über problematische Internetbekanntschaften

Auch im Internet sollten Sie die „Orte“ kennen, an denen sich Ihr Kind bewegt. Machen Sie es darauf aufmerksam, dass ein gesundes Misstrauen in der digitalen Welt sinnvoll ist: Der Chat-Partner ist nicht immer der, für den er sich ausgibt. Ob nun im Chat oder in Sozialen Netzwerken: Sexuelle Belästigung über das Internet ist leider nie auszuschließen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, mit welchen Personen es im Internet in Kontakt treten darf. Kontaktanfragen von Unbekannten im Instant Messenger oder Sozialen Netzwerk sollten generell nicht bestätigt werden.

Bei Dating-Apps, die vor allem für ältere Jugendliche interessant sind, ist Vorsicht geboten. Unter anderem kann hier der aktuelle Aufenthaltsort über die Umkreissuche gefunden bzw. eingegrenzt werden. 

Generell sollte Ihr Kind den Kontakt sofort abbrechen, wenn die Fragen unangenehm werden oder es sich bedrängt fühlt. Weisen Sie Ihr Kind frühzeitig darauf hin, sich niemals alleine mit einer Online-Bekanntschaft zu treffen.

Weitere Informationen gibt es unter chatten-ohne-risiko.net

Tipp 8: Löschen Sie nicht mehr benötigte Profile

Die Mitgliedschaft in einem Sozialen Netzwerk kann jederzeit beendet werden. Dabei sollten Profile nicht nur deaktiviert, sondern tatsächlich gekündigt werden: Damit werden nach Auskunft der Anbieter alle veröffentlichten Daten gelöscht. Wenn Ihr Kind eine neue Telefonnummer bekommt, sollten entsprechende Einstellungen im WhatsApp-Messenger gemacht werden (unter „Nummer ändern“), sonst kann es passieren, dass ein Fremder, der die Nummer Ihres Kindes vom Telefonanbieter bekommt und ebenfalls WhatsApp nutzt, mit den Freunden Ihres Kindes kommunizieren und Chatverläufe einsehen kann.

Facebook: Konto deaktivieren oder löschen

Tipp 9: Sensibilisieren Sie Ihr Kind für die Rechte Anderer

Bei der Nutzung „Sozialer Anwendungen“ sind neben dem Themenfeld „Datenschutz und sensibler Umgang mit persönlichen Informationen“ auch immer wieder rechtliche Aspekte rund um Urheber- und Persönlichkeitsrechte zu beachten.

Themenbereich iRights

Linktipps: Kommunizieren im (mobilen) Internet – Soziale Netzwerke, Messenger und Co.

Chatten: Chats und Instant Messenger bieten zweifellos viele Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, Kontakte zu knüpfen und sich mit Gleichaltrigen auszutauschen.

chatten-ohne-risiko.net: Ausführliche Sicherheitstipps und Infos zu Chats, Messenger und Soziale Netzwerke. Das Angebot verfügt auch über einen Erwachsenenbereich.

Facebook: Auch wenn Jugendliche immer häufiger über Messenger wie WhatsApp kommunizieren, ist Facebook aktuell immer noch das beliebteste Soziale Netzwerk. Unter diesem Link wird das Phänomen Facebook im Detail vorgestellt.

WhatsApp ist der beliebteste Messenger. Hier finden sich alle notwendigen Informationen.

Instagram ist eine bei Jugendlichen weit verbreitete Anwendung (App) für mobile Endgeräte, mit der Nutzer Bild-  und Videonachrichten erstellen und über das Netzwerk verbreiten können.

YouNow ist eine kostenlose Live-Videostreaming-Plattform, die als App oder Desktop-Anwendung verfügbar ist. YouNow hat in der letzten Zeit immer wieder ein großes Medienecho erfahren. Unter diesem Link stellt klicksafe YouNow vor, erläutert mögliche Probleme und gibt Tipps, wie Dienste wie YouNow möglichst sicher genutzt werden können.

Datenschutz im Internet wird immer wichtiger. Viele Kinder und Jugendliche – aber auch viele Erwachsene – unterschätzen die Reichweite, Dynamik und Nachhaltigkeit von im Internet veröffentlichten Informationen. In diesem Bereich werden Tipps gegeben, persönliche Daten zu schützen.

Cybermobbing: Hier finden sich detaillierte Informationen zum Thema „Cyber-Mobbing“.

Youtube: Videos haben bei Kindern und Jugendlichen einen hohen Stellenwert. Entsprechend gehört das Video-Portal YouTube zu den beliebtesten Angeboten im Internet. Hier wird der Videodienst im Detail vorgestellt.

medien-knigge.de: Das Angebot über „Digitale Umgangsformen“ ist eine gute Möglichkeit mit Ihrem Kind über „digitale Umgangsformen“ ins Gespräch zu kommen.