Nutzungszeiten und Regeln

Kinder nutzen Internet und Handy je nach Entwicklungsstand, Alter und Interessenlage sehr unterschiedlich. Auch die Art und Weise, wie Familien mit Medien umgehen, prägt die Nutzungsweise. Deshalb können die folgenden Altersangaben, Zeitangaben und Beschreibungen nur Richtwerte sein, um das Thema „Bildschirmzeiten“ in der Familie zu besprechen. Und wichtiger als die exakte Einhaltung von Minutenangaben ist ein möglichst ausgewogener Tagesablauf. Überlegen Sie dabei, wie viel Mediennutzung Ihrem Kind Spaß macht, in Ihren familiären Alltag passt und Ihrem Kind noch genügend Zeit für andere spannende Aktivitäten lässt. Und natürlich spricht auch nichts dagegen, wenn Ihr Kind darüber hinaus einmal per Video-Anruf mit der Oma spricht. 

Die vorgeschlagenen Zeiten beziehen sich auf die Nutzung des Computers. Kinder und Jugendliche verbringen aber auch beim Fernsehen oder z. B. mit Spielkonsolen, Tablets oder dem Smartphone Zeit vor einem Bildschirm. Daher sollten Eltern immer auch die gesamte Mediennutzung bzw. Bildschirmzeit der Kinder im Blick haben.

Bis 3 Jahre

Für Kinder in diesem Alter ist alles, was angefasst und mit allen Sinnen entdeckt werden kann, spannender und wichtiger als das Internet. Wenn Eltern zu Hause einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone nutzen, können auch kleine Kinder erste Erfahrungen im Umgang damit sammeln: Tippen auf der Tastatur/dem Bildschirm, Fotos oder Bildergeschichten anschauen, per Webcam mit Familienangehörigen plaudern oder Musik hören. Die Aufmerksamkeitsspanne des Kindes sollte dabei nicht überschritten werden, auch (laute) Geräusche ängstigen Kinder schnell. 

  • Nutzungsdauer: 5 Minuten sind in der Regel ausreichend.

4 bis 6 Jahre

Kinder dieser Altersgruppe werden langsam selbstständig und wollen Dinge schon „ganz alleine!“ erkunden, so auch die „Welten“ mit denen sich ihre Eltern oder Geschwister beschäftigen – und die beschäftigen sich oft mit dem Internet. Allerdings muss man für die Nutzung der meisten Webseiten lesen und/oder schreiben können. Interessant für Kinder in diesem Alter sind vor allem einfache Spielangebote oder Seiten mit Bildern und Filmen. Eltern sollten den Zugang ins Internet begleiten und durch Filtermaßnahmen regulieren. Kinder sollten nur auf kindgerechte und vorher ausgewählte Seiten zugreifen können.

  • Nutzungsdauer: ca. 20 Minuten, nicht unbedingt täglich.

7 bis 10 Jahre

Im Grundschulalter steigt bei den meisten Kindern das Interesse für das Internet. Aber auch das Handy ist gerade für die älteren Kinder dieser Altersgruppe zunehmend spannend. Zu den beliebtesten Seiten gehören neben Webseiten von Fernsehsendern (z. B. TOGGO, KI.KA) auch Videoportale (z. B. YouTube). Verstärkt sind auch Soziale Netzwerke von Interesse – auch wenn viele Netzwerke wie z. B. Facebook offiziell erst ab 13 Jahren genutzt werden dürfen. Kinder in diesem Alter sind immer noch sehr vertrauensselig und stellen die Autorität Erwachsener eher selten in Frage – meist auch nicht das, was ihnen im Internet begegnet. Zudem testen Kinder auch online Grenzen aus. So rufen sie auch schon einmal Webseiten auf, von denen sie ahnen, dass sie noch nicht für sie geeignet sind bzw. dass die Eltern etwas dagegen hätten. Eltern sollten dem Nachwuchs immer mal wieder über die Schulter schauen oder zumindest „in Hörweite sein“, um ihrem Kind bei Problemen helfen zu können. Eine technische Regulierung der Internetnutzung ist auch in diesem Alter sinnvoll, damit Kinder vor allem positive Erfahrungen im Umgang mit dem Web sammeln können. Ein Handy mit Internetzugang ist bei den 7 bis 10-Jährigen weniger zu empfehlen, da die aufgerufenen Inhalte und Nutzungszeiten von Elternseite kaum überblickt werden können.

  • Nutzungsdauer: Täglich ca. 30 – 45 Minuten

Täglich festgelegte Zeiten sind allerdings oft schwierig, da Kinder in diesem Alter viele andere Termine haben. Praktisch könnte auch das Einrichten eines wöchentlichen Zeitkontos sein, welches nicht nur für die Internetnutzung zur Verfügung steht, sondern auch für TV und Computerspiele. Wenn z. B. acht Stunden Bildschirmzeit pro Woche vereinbart wurden, können die Kinder über diese Zeit nach bestimmten Regeln selbst verfügen.

Regeln finden – Streit vermeiden

Kennen Sie das? Es gibt Ärger in der Familie, weil Ihr Kind nicht genug von digitalen Spielen bekommt. Vielleicht waren Ihre Kinder aber auch verärgert, weil Sie selbst während des gemeinsamen Essens auf Ihr Handy geschaut haben? Um Streit oder Diskussionen über die Handy-, Computer-, Fernseh- oder Internetnutzung in Familien zu vermeiden, kann ein gemeinsam und frühzeitig erstellter Mediennutzungsvertrag helfen. Denn dann ist klar, was erlaubt ist und was nicht. Da jede Familie unterschiedlich ist, reicht ein allgemeingültiger Standardvertrag oftmals nicht aus. Mit dem Mediennutzungsvertrag von klicksafe und Internet-ABC können Sie den Umgang mit Medien in Ihrer Familie individuell regulieren, und neben Nutzungszeiten die Art der inhaltlichen Nutzung vereinbaren. Auch die Tageszeit der Mediennutzung kann in einer Regel festgehalten werden. Direkt vor den Hausaufgaben oder vor dem Einschlafen können Medien besonders Kinder aufwühlen. Achten Sie bei der Vereinbarung auch auf regelmäßige Bildschirmpausen.

Flyer zum Mediennutzungsvertrag
Zur Website www.mediennutzungsvertrag.de

Mediengutscheine – Mehr Verantwortung fürs Kind

Medien haben eine große Anziehungskraft auf Kinder. Entsprechend häufig werden die Bildschirmzeiten zum Streitthema in Familien. In Ergänzung zu klaren Regeln können Mediengutscheine helfen. Sie sind eine gute Möglichkeit, um besonders für jüngere Kinder Zeit zu veranschaulichen. Mediengutscheine unterstützen Familien aber auch dabei, Zeitabmachungen einzuhalten und helfen Kindern dabei, sich die „erlaubte“ Zeit eigenständig passend einzuteilen. So übernehmen Kinder schrittweise mehr Verantwortung bei der Mediennutzung.

Auf Mediengutscheinen können je nach Alter und Erfahrung des Kindes passende Zeiten für bestimmte Geräte/Medien eingetragen werden. Vorlagen finden sich weiter unten. Jüngere Kinder, die noch nicht lesen und schreiben, können mit Unterstützung der Eltern eine Zeitspanne in der leeren Uhr ausmalen, z. B. 30 Minuten. Diese Gutscheine gibt das Kind bei den Eltern ab, wenn es die entsprechenden Geräte/Medien nutzen möchte. Klingt kompliziert – ist aber einfach.

Ein Beispiel: Peter ist 10 Jahre alt und darf in der Woche 3 Stunden an der Spielkonsole spielen. Seine Eltern geben ihm jede Woche 3 Gutscheine á 1 Stunde. (Natürlich könnten die Eltern auch 6 Gutscheine á 30 Minuten verteilen.) Da er heute ein Spiel spielen möchte, bei dem ein längeres „Zocken“ am Stück notwendig ist, gibt er seinen Eltern 2 Gutscheine für 2 Stunden. Dann kann er an einem Tag länger spielen, hat dann aber für die anderen Tage der Woche entsprechend weniger Zeit zur Verfügung. Die Eltern achten mit darauf, dass er die Zeiten einhält. Hierbei kann auch helfen, eine „Eieruhr“ zu stellen, die klingelt, wenn die Zeit vorbei ist.

Da jüngere Kinder eine ganze Woche in der Regel zeitlich noch nicht gut überblicken, sollten die Gutscheine zunächst nicht wochenweise ausgegeben werden. Sinnvoller ist es hier, jeden Tag ein bis zwei Gutscheine zu verteilen. Der Gutschein kann auch von den Kindern selbst gestaltet werden – z. B. mit dem liebsten Medienhelden.

So lernen Kinder selbst zu entscheiden, wie sie ihre (wertvollen) Gutscheine einsetzen wollen. Eltern sollten allerdings nach wie vor prüfen, ob die gewünschten Spiele/Filme/Videos dem Alter und Entwicklungsstand ihres Kindes entsprechen. Die vereinbarten Medienzeiten sollten regelmäßig geprüft und ggf. angepasst werden.

Zum Schluss möchten wir betonen, dass Mediengutscheine kein Allheilmittel sein können und diese nicht für alle Familien die passende Unterstützung sind. Im Zweifel kann man es ja einfach mal in der Familie ausprobieren.

Download

Hier können Vorlagen für Zeitgutscheine als PDF heruntergeladen werden. Bei der deutschen Version können die Daten (Name des Kindes etc.) direkt im PDF in den farblich hinterlegten Feldern eingetragen und danach ausgedruckt werden. Die Gutscheine können natürlich auch ausgedruckt und handschriftlich ausgefüllt werden. Oder Sie erstellen gemeinsam mit Ihrem Kind und ganz kreativ eigene Gutscheine:

Beispiele für Mediengutscheine in deutscher Sprache (PDF) 

Beispiele für Mediengutscheine in Deutsch, Türkisch, Russisch und Arabisch (PDF)

Mediennutzungsvertrag

Der Mediennutzungsvertrag von klicksafe und dem Internet-ABC hat den Preis "Pädi 2015" in der Kategorie "Sonderpreis für Familien-Angebote" verliehen bekommen. Mit diesem Onlineangebot können Eltern und Kinder individuell festlegen, welche Medien von den Kindern wie und wie lange genutzt werden dürfen.