Interview: klicksafe setzt auf Engagement der Internetnutzer
Warum rückt klicksafe dieses Jahr zum Safer Internet Day das Thema „Verantwortung“ in den Fokus?
Jürgen Brautmeier: Das Internet ist in unserem Leben überall präsent. Heute viel mehr als noch vor zwei, drei Jahren. Und fast alle sind sich einig: Bei der rasanten Entwicklung gewinnt auch das Thema Sicherheit im Netz immer mehr an Bedeutung. Doch was können wir konkret tun, um uns und unsere Kinder davor zu schützen, dass die vielen neuen technischen Möglichkeiten unseren Alltag bestimmen? Wir dürfen danicht wegschauen und anderen das Feld überlassen. Deshalb ruft klicksafe alle Internetnutzer auf, selbst aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen, auch damit es „ihr Netz“ bleibt.
Herr Bähr, wie können die Internetnutzer konkret mehr Verantwortung im Netzübernehmen?
Albrecht Bähr: Jeder, der das Netz nutzt, muss sich fragen, ob er seiner persönlichen Verantwortung im Bereich Internetsicherheit gerecht wird. Die Gestaltung von Medienverantwortung kann individuell ganz unterschiedlich ausfallen: Eltern sollten das Gespräch mit ihren Kindern über deren Lieblingsseiten im Internet suchen, Klassenkameraden dürfen Cybermobbing an ihrer Schule nicht zulassen und Lehrer können das Thema Soziale Netzwerke am Elternabend thematisieren. klicksafe gibt auf der Aktionsseite zum Safer Internet Day ganz konkrete Anregung, wie sich mehr Verantwortung im Netz gestalten lässt. Und es gibt dort auch ein Diskussionsforum, bei dem jeder seine Meinung zu dem Thema beitragen kann.
Jürgen Brautmeier: Alle sprechen von Social Media. Doch unsere Aufgabe ist, aus dem Internet ein tatsächlich soziales Medium zu machen, in dem zivilisiert und respektvoll miteinander umgegangen wird. Das geht nur zusammen und mit Vereinbarungen und Regeln im Miteinander von Jung und Alt. Von Menschen, die ständig „ON“ sind und solchen, die das Internet nur selten nutzen.
Stichwort Jung und Alt: Befördert das Internet Ihres Erachtens das Gespräch zwischen den Generationen? Oder trägt es nicht viel mehr zur Individualisierung bei: Zusammen im Netz heißt dann tendenziell, dass man sich nur noch unter Sinnesgenossen in der eigenen Community kurzschließt?
Jürgen Brautmeier: Beides lässt sich beobachten. Durch das Internet haben sich viele Fenster zur Welt geöffnet. Und wir können nun einfach Kontakt zu Menschen aufbauen, mit denen wir sonst so nicht kommunizieren könnten. Und ja, im Netz finden sich Interessengruppen in Communities zusammen. Beim Thema Internetsicherheit haben wir ein gemeinsames Interesse. Und unsere Aufgabe ist, um im Vokabular zu bleiben, eine Safer Internet Community aufzubauen. klicksafe ist so ein Netzwerk. Eine Bewegung, in der aber nicht nur Unternehmen und Initiativen aktiv sind, sondern sich auch jeder Einzelne einbringen kann.
Albrecht Bähr: Keine Internetsicherheit ohne Medienkompetenz. Hier leistet klicksafe wertvolle Arbeit vor allem auch in direktem Kontakt mit der jungen Zielgruppe. Das klicksafe-Unterrichtsmaterial zu wichtigen Themen wie Cybermobbing und Datenschutz ist bundesweit im Einsatz. Darüber hinaus arbeitet klicksafe auf nationaler Ebene eng mit seinen Partnern im Verbund Safer Internet DE zusammen, der Nummer gegen Kummer, den Hotlines zum Melden illegaler Inhalte, jugendschutz.net und internetbeschwerdestelle.de. Doch wie wir wissen kennt das Internet keine Ländergrenzen. Umso wichtiger ist der enge Kontakt und Austausch, den die EU-Initiative klicksafe auf europäischer bzw. internationaler Ebene pflegt.
Geht mit der technischen Entwicklung der digitalen Medien auch ein Wertewandel einher?
Albrecht Bähr: In der modernen Mediengesellschaft wird zunehmend ein Mangel an Miteinander, an Mitmenschlichkeit und Zivilcourage beklagt. Doch sind gerade die medialen Quotengewinner geeignet, Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche auszuüben? Dschungelcamp, Bloßstellungsfernsehen, Dating- und Casting-Shows, Internetmobbing – vielfach sind die medialen Bilder und Abläufe wenig geeignet, eine Orientierung in einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft zu bieten. Der Safer Internet Day bietet das richtige Forum sowohl an den einzelnen User wie an die professionelle Medieninstitution zu appellieren, sich dem Thema Vertrauen und Verantwortung im Netz zu stellen. Nicht Verbote, sondern eine zunehmende, gemeinsame Haltung für ein faires und verantwortungsvolles Miteinander im Netz können den großartigen, globalen Kommunikationsort Internet ein Stück ‚lebenswerter‘ machen.

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