Digitales Lernen in der Schule: Große Unterschiede in Ausstattung und Einsatz

18.04.2013 | Wie sieht es 17 Jahre nach dem Start von Schulen ans Netz mit dem digitalen Lernen in den Schulen in Deutschland aus? Das wollte die Deutsche Telekom Stiftung wissen und beauftragte Allensbach mit einer Umfrage. Das Ergebnis: durchwachsen.

Zwar gehören Computer und Internet In weiterführenden Schulen  inzwischen fast zum Alltag, aber  immerhin 12 Prozent der befragten Lehrer bekennen, Medien spielten in ihrem Unterricht gar keine Rolle. Und nur  jede zweite Grundschul-Lehrkraft nutzt im Unterricht digitale Medien - gelegentlich.

"Auffällig ist, dass die Gymnasien klar die Nase vorn haben. Die Haupt- und Realschulen haben in punkto Ausstattung, aber auch was die Bedeutung der Medien für den Unterricht angeht, deutlich Nachholbedarf. Dies ist bedauerlich, da diese Schulen in der Regel auf Ausbildungsberufe vorbereiten, in denen PC und Internet ständig in Gebrauch sind", betont Dr. Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung.

In der Umfrage wurden erstmals Lehrkräfte und Schüler parallel zum Thema Mediennutzung befragt. Beide sehen überwiegend Vorteile: Der Unterricht werde abwechslungsreicher, bestätigen 62 Prozent der Lehrer und sogar 73 Prozent der Schüler. Dass neben Inhalten auch Computerkenntnisse vermittelt werden, glauben 74 Prozent der Lehrer und 67 Prozent der Schüler. Als Nachteile empfinden beide Gruppen die Abhängigkeit von der Technik und die mögliche Überforderung einzelner Schüler.

Viele Lehrer fühlen sich kompetent
68 Prozent der befragten Lehrer schätzen die eigene Computer- und Internetkompetenz als gut bis sehr gut ein. Aber nur 23 Prozent der befragten Schüler geben an, den Umgang mit Medien von Lehrkräften gelernt zu haben; 64 Prozent haben sich den Umgang selbst angeeignet, von Freunden (45 Prozent) oder den Eltern gelernt (36 Prozent).

PC wird selten für eigenes Produzieren genutzt
75 Prozent der Lehrer nutzen das Internet für die Unterrichtsvorbereitung. Die Hälfte aller befragten Lehrer hat bereits Fortbildungen zu digitalen Medien gemacht. Das Einsatzspektrum der Medien im Unterricht hat aber Optimierungspotenzial: Die Lehrkräfte geben an, Medien zu nutzen, um Filme bzw. Präsentationen zu zeigen (65 bzw. 61 Prozent), 57 Prozent gehen im Unterricht ins Internet, um Seiten aufzurufen. Lediglich neun Prozent der Lehrer lassen die Schüler mit Medien Hörspiele, Podcasts oder Filme erstellen, nur zwei Prozent lassen Anwendungsprogramme entwickeln. 18 Prozent aller Lehrer sehen positive Auswirkungen des Medieneinsatzes auf den Lernerfolg; von den Lehrern, die Medien häufig im Unterricht nutzen, meint das aber bereits fast die Hälfte.

Problem Cybermobbing
Die Mehrheit der befragten Schüler (59 Prozent) hat mit dem Internet schon schlechte Erfahrungen gemacht. Bei Problemen wie Cybermobbing würden 59 Prozent der Schüler am ehesten bei den Eltern Hilfe suchen, nur drei Prozent würden ihre Lehrer ansprechen. Demgegenüber berichtet mehr als jede vierte Lehrkraft, von Schülern schon einmal wegen solcher Probleme angesprochen worden zu sein.

Große Unterschiede in der Ausstattung
Die Ausstattung der einzelnen Schularten unterscheidet sich allerdings stark: Das gilt nicht nur im Vergleich der Grundschulen zu den weiterführenden Schulen – die Grundschulen sind bei der Ausstattung weit abgeschlagen. Unterschiede bestehen auch zwischen den Sekundarschulen. So ist die Ausstattung der Haupt- und Realschulen in vielen Bereichen schlechter als an den Gymnasien. Lediglich 29 Prozent der Haupt- und Realschulen verfügen z.B. über frei zugängliche PC-Arbeitsplätze für die Schüler, dagegen 65 Prozent der Gymnasien. Nur 34 Prozent der Lehrkräfte an Haupt- und Realschulen, aber 46 Prozent der Gymnasiallehrkräfte berichten, dass ihre Schule interaktive Whiteboards einsetzt.

Für die Studie befragte das Institut für Demoskopie Allensbach im Februar und März 2013 in Direktinterviews bundesweit 507 Lehrkräfte allgemeinbildender Schulen und 614 Schüler ab Klasse 5.

Die Ergebnisse der Studie (pdf): http://www.telekom-stiftung.de/dtag/cms/contentblob/Telekom-Stiftung/de/2332730/blobBinary/Allensbach-Studie+Web-PDF.pdf