Experteninterview zum CCC - Projekt „Chaos macht Schule“

Ziel der Bildungsinitiative „Chaos macht Schule“ ist es, Schüler, Eltern und Lehrer in den Bereichen Medienkompetenz und Technikverständnis zu stärken. Hierzu wurde ein eigenständiges Workshop- und Vortragsangebot für Schulen entwickelt. Im Interview informiert Steffen Haschler über die Angebote der Initiative und gibt Tipps.

Steffen Haschler ist Lehrer am Englischen Institut in Heidelberg und unterrichtet dort die Fächer Mathe, Physik und Informatik. Seit 2014 ist er im Chaos Computer Club - Projekt „Chaos macht Schule“ in Mannheim aktiv. Im Rahmen des Chaos macht Schule-Projekts hält er Vorträge, gibt Workshops und kommuniziert mit Interessenten und anderen Institutionen.

Was ist "Chaos macht Schule"?

Steffen Haschler: „Chaos macht Schule“ (kurz CMS) ist eine Bildungsinitiative des Chaos Computer Clubs (kurz CCC). Wir fördern Medienkompetenz und Technikverständnis und ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen der digitalen Welt, vor allem bei jungen Menschen. Ziel ist, diese zu befähigen, eigene Entscheidungen bewusst treffen zu können. Leider fehlt vielen Eltern und Lehrenden das technische Wissen, um die Heranwachsenden beim Umgang mit der neuen Technik zu beraten und ihre Fragen beantworten zu können.

Durch ehrenamtliche Arbeit bieten dazu zahlreiche regionale Ortsgruppen des CCC seit 2007 ein eigenständiges Workshop- und Vortragsangebot für Schulen an.

Um im digitalen Raum mündige Entscheidungen treffen zu können, halten wir vom Chaos Computer Club ein korrektes Verständnis der technischen Abläufe für grundlegend.

Welche Angebote können Bildungsinstitutionen im Rahmen von „Chaos macht Schule“ nutzen?

Steffen Haschler: Das Angebot von CMS kann man weit fassen. Letzlich freuen wir uns, wenn man an uns herantritt. Dann ist vieles möglich, ob ein Vortrag vor Eltern, Lehrern oder Schülern oder richtige Workshops in Kleingruppen. Auch arbeiten wir mit TV-Sendern und Zeitungen zusammen, wenn es um Themen wie Datenschutz, Datensicherheit oder Netzpolitik geht. Und dann gibt es noch Veranstaltungen der Stadt Mannheim wie den Medienelternabend oder den Maustag des WDR, bei denen wir immer wieder gerne mitmachen.

Warum sollten Schulen, Referendare oder Eltern mitmachen?

Steffen Haschler: Wir leben in spannenden Zeiten. Ähnlich wie die Einführung des Buchdrucks oder der Elektrizität ist die Digitalisierung aller Lebensbereiche eine Revolution, die tiefgreifende gesellschaftliche Änderungen bringt. In Deutschland wird schon von der „Industrie 4.0“ gesprochen. Jede/r sollte sich ein eigenes Bild davon machen, was hinter solchen Begriffen steht und kritisch hinterfragen, was das für unsere Gesellschaft bedeutet.

Für den CCC ist die digitale Welt kein Neuland. 1981 gegründet, steht er für einen neugierigen, aber kritischen Umgang mit Technik. Diese Perspektive ist sicherlich hilfreich für die eigene Meinungsbildung und daher lohnt es sich aus unserer Sicht, mit uns zu reden.

Was sind aktuell relevante Themen der Workshops?

Steffen Haschler: Es geht meistens um den Umgang mit den eigenen Daten und den Daten Dritter. Wir zeigen den Teilnehmern auf, wie schnell Daten in Netzwerken verloren gehen bzw. dass es viele Datenkraken gibt, die ständig analysieren, was man online tut. Google weiß über viele Bürger mehr Bescheid als diese über sich selbst. Und dass man als Werbeanbieter Frauen, die im 3. Monat schwanger sind, auswählen kann, spricht für sich.

Neben dem Schutz der eigenen Daten geht es noch um Datensicherheit, also um Verschlüsselung, sichere Passwörter und dass man nicht in jedem offenen WLAN so agieren sollte wie im Heimnetzwerk.

Was sind Ihre wichtigsten Tipps?

Steffen Haschler: Ich finde es wichtig, dass man die Digitalisierung nicht als eine Naturgewalt ansieht, die über uns alle hereinbricht. Letztlich sind alle dafür verantwortlich, wohin die Reise geht. Wobei das ja in allen Lebensbereichen so ist! Man sollte seine Komfortzone verlassen und das eigene Verhalten kritisch hinterfragen.

Wie so oft... „jeder Anfang ist schwer“... mehr aber auch nicht. Die Hürde dieser Komfortzone ist das eigentliche Problem. Es gibt fast immer lokale Ansprechpartner, die einem schnell weiter helfen können. Als einen solchen sehen wir uns. Im CCC sind technikinteressierte Menschen, die in manchen Bereichen mehr Erfahrungen haben als andere und die meisten teilen ihr Wissen sehr gerne mit anderen, wenn echtes Interesse besteht.

Also beginnen Sie, sich mit den digitalen Themen auseinander zu setzen. Lesen Sie auch mal den Technikteil Ihrer Zeitung oder Ihres Nachrichtenportals. Gehen Sie mal auf eine Cryptoparty und blicken Sie hinter die Kulissen der digitalen Welt.

Weiterführende Links zum Thema:
https://ccc.de/schule
https://www.ccc-mannheim.de/wiki/Chaos_macht_Schule
https://www.ccc-mannheim.de/wiki/Cryptoparty