Grundschullehrer brauchen Medienbildung. Studie über Medienkompetenz und Mediennutzung in der Grundschule

26.06.2013 | Während vor zehn Jahren noch 70 Prozent der Lehrkräfte den Computer und sogar 98 Prozent das Internet gar nicht genutzt haben, sind es heute nur noch 10 bzw. 25 Prozent. Allerdings wird das Thema Medienkompetenz - besonders in der Grundschule - eher stiefmütterlich behandelt.

Welchen Stellenwert haben Medien heute im Unterricht der Grundschule, wie findet die Förderung der Medienkompetenz statt, was sind förderliche und hinderliche Bedingungen? Diesen Fragen ist eine repräsentative Untersuchung an Schulen in NRW mit dem Titel "Medienintegration in der Grundschule" nachgegangen. Die Studie wurde vom Institut für Informationsmanagement Bremen GmbH (ifib) an der Universität Bremen mit der AG Medienpädagogik der Universität Mainz (Professor Stefan Aufenanger) im Auftrag der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen durchgeführt.

Die Ergebnisse sind deutlich: Die Medienvielfalt im Unterricht wird zunehmend durch digitale Medien geprägt und die Lehrkräfte nutzen das Potenzial auch. Nur noch wenige verzichten ganz auf die Neuen Medien. Über die Hälfte der Lehrkräfte nutzt den Computer regelmäßig oder wenigstens gelegentlich  und ein Drittel das Internet. Obwohl aber das Wissen über Medieneinflüsse, die eigene Gestaltungskompetenz von Medien und der kritisch-reflektierte Umgang mit Medien als wichtig erachtet wird, wird all dies in der Grundschule selten thematisiert.

"Oftmals findet hier eine Verschiebung der Verantwortung zwischen Schule und Elternhaus statt", so der Leiter der Studie, Professor Andreas Breiter von der Universität Bremen. "Lehrkräfte fühlen sich überfordert, ihnen fehlt das didaktische Know-how und sie bewerten die Medienerfahrungen der Kinder im privaten Umfeld häufig als negativ."

In ihren Empfehlungen sprechen sich die Autorinnen und Autoren daher für eine verbindliche Einbindung von Medienbildung in die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften aus, die bisher in den meisten Bundesländern fehle. Außerdem sei eine höhere Verbindlichkeit im Sinne eines Orientierungsrahmens erforderlich, der Lehrkräften, Schülerinnen und Schüler und Eltern verdeutliche, was Medienkompetenz bedeute. Ein gutes Beispiel hierfür sei der Medienpass NRW.

Die Lehrkräfte haben allerdings eine weitere große Sorge: Die teilweise veralteten Ausstattung entspricht nicht den Anforderungen an eine sinnvolle Nutzung im Unterricht. Hier seien die kommunalen Schulträger gemeinsam mit den Ländern gefragt. "Der Druck geht zunehmend vom Markt und von den Eltern aus - Kinder bringen bereits in der Grundschule ihre eigenen Geräte mit und erwarten eine Einbindung", so Breiter. Hieraus ergäben sich neue Herausforderungen an die Bereitstellung einer sicheren Basisinfrastruktur. Darüber hinaus müssten dann aber auch entsprechende medien- und fachdidaktische Unterstützungsangebote vorhanden sein und es brauche Profis, um die steigende Komplexität der IT-Infrastruktur zu beherrschen. Lehrkräfte seien dafür weder qualifiziert, noch sei der technische Support durch Lehrkräfte ökonomisch vertretbar. Lern- und Unterrichtsmaterialien würden zunehmend digital vorliegen und hierfür brauche es entsprechende Strategien. Die Studie "Medienintegration in der Grundschule" ist in der Schriftenreihe der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen erschienen.

Weitere Informationen: http://www.lfm-nrw.de/forschung/schriftenreihe-medienforschung/band-73.html