Zwischen Lobeshymnen und (Cyber)Mobbing: Bewertungsplattformen im Netz

Screenshot Sarahah-App
Ob mit einem „Gefällt mir“ oder Like, einem Kommentar oder einer ganzen Rezension – im Internet können NutzerInnen ihre Meinung schnell und anonym loswerden. Bewerten kann man so ziemlich alles: den letzten Hotelbesuch, das Lieblings-Restaurant und sogar einzelne Personen. Auf Plattformen wie Tellonym, Sarahah, Ask.fm oder YouTube geben Menschen anonym Kommentare zu anderen ab. Dort finden sich neben Komplimenten aber auch beleidigende Bemerkungen.

Viele Jugendliche nutzen solche Angebote, um Rückmeldung zu bekommen. Jemandem etwas Nettes zu sagen, tut gut und bereitet dem anderen ebenfalls eine Freude. Auf anonymen Plattformen können NutzerInnen anderen Komplimente oder Geständnisse machen, die sie sich im echten Leben nicht trauen würden. Aber es werden dort auch viele NutzerInnen mit Mobbing und Anmache konfrontiert.

Anonymität macht mutig - und oft gemein

Denn die Anonymität hat auch ihre Schattenseiten. Es fällt leichter, Beleidigungen oder Drohungen auszusprechen. Auch anzügliche Kommentare oder sexuelle Belästigung gibt es häufig im (vermeintlichen) Schutze der Anonymität. Das sollten sich die NutzerInnen aber nicht gefallen lassen!

Das Informationsportal Handysektor.de gibt Jugendlichen Tipps, wie sie sich vor Mobbing schützen oder sich dagegen wehren können.

Tipps für Jugendliche von Handysektor.de

  • Wenn du gemobbt, bedroht oder belästigt wirst, blockiere und melde den Nutzer.
  • Melde fiese Nachrichten und lösche sie. Geh am besten gar nicht auf beleidigende oder unpassende Kommentare ein: So wird es den Hatern hoffentlich schnell langweilig!
  • Achte darauf, was du antwortest. Auf manchen Seiten sind deine Antworten nämlich komplett öffentlich. Gib nicht zu viel von dir preis und achte darauf, selbst niemanden zu verletzen oder zu beleidigen! So hast du im Ernstfall am meisten gegen die Täter in der Hand.
  • Im schlimmsten Fall kannst du Anzeige erstatten. Auch wenn die Nutzer vermeintlich anonym sind, kann die Polizei über die IP-Adresse herausfinden, wer die Nachrichten versendet hat. Fertige als Beweise Screenshots von den Beleidigungen/Belästigungen an.
  • Weitere Tipps gegen (Cyber)Mobbing und (Cyber)Grooming auf Handysektor.de.
  • Bei Websorgen kannst du dich an die Nummer gegen Kummer (Tel.: 116111) oder Juuuport wenden.

Anonyme Feedback-Apps "Tellonym" und "Sarahah"

Eine aktuell populäre App ist Tellonym, auf der NutzerInnen anonym Bewertungen posten können. Angemeldete NutzerInnen erhalten einen persönlichen Link, den sie an Freunde verschicken können. Diese geben dann Feedback in Form von sogenannten "Tells". Besonders kritisch: Antwortet man auf diese Tells, dann werden sie öffentlich sichtbar! NutzerInnen von Tellonym sollten daher in den Einstellungen bei "Profil in Suche auffindbar" auf "nein" umstellen. Jugendliche sollten außerdem darauf achten, wem sie den Link schicken bzw. wessen Meinung sie wirklich interessiert.

Sehr ähnlich zu Tellonym ist die App Sarahah, die aktuell in vielen Ländern ganz vorne in den Downloadlisten ist und ebenfalls anonymes "Feedback" und damit auch beleidigende Kommentare im Schutze der Anonymität ermöglicht. Auch bei Sarahah ist die Voreinstellung des Kontos öffentlich, so dass NutzerInnen der App ihr Konto auf "privat" stellen müssen, um ihre Privatssphäre zu schützen.

Dieser Newsartikel wurde in Kooperation mit dem Jugendportal Handysektor.de veröffentlicht.

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