Interview zur Videoreihe TRUTH BE TOLD

Schwieriges Casting: „Wollt ihr online über Eure Erfahrungen mit Pornografie sprechen?“

Fragen an Dilek Atalay (klicksafe, Landesanstalt für Medien NRW) und den TRUTH BE TOLD-Produzenten Bastian Asdonk (Hyperbole.TV)

Was wollen Sie mit der Videoreihe TRUTH BE TOLD erreichen?

Dilek Atalay: Für uns lautet die Frage vor allem: Wen wollen wir erreichen? In erster Linie richten wir uns mit der Reihe an Jugendliche. Das Thema Internetsicherheit steht oft nicht ganz oben auf ihrer Favoritenliste, obwohl es gerade auch für sie meistens von großer Bedeutung ist. Fast alle Jugendlichen kommen im Netz mit Inhalten in Berührung, die nicht für sie geeignet sind. Und viele trauen sich nicht, mit anderen darüber zu sprechen, dass sie mit den Pornos, Gewaltvideos und der Hetze, die sie im Netz erleben, gar nicht gut klar kommen. Dass sie damit nicht allein sind, zeigen ihre Altersgenossen bei TRUTH BE TOLD. Selbstbewusst und reflektiert. 

Wie haben Sie die Jugendliche gefunden, die bei TRUTH BE TOLD öffentlich über ihre sehr persönlichen Erlebnisse im Netz erzählen?
Bastian Asdonk: Das war tatsächlich schwieriger, als wir es uns vorgestellt haben – vor allem weil wir auch Minderjährige ansprechen wollten. Der klassische Casting-Weg auch über Schulen zu gehen fiel schnell weg. Ein Lehrer, der einen Schüler fragt, ob dieser nicht Lust habe, bei einer neuen Online-Videoreihe über seine Erfahrung mit Pornografie zu sprechen, schloss sich natürlich fast aus. Dank unserer anderen Onlinevideo-Formate wie „Frag ein Klischee“ haben wir allerding bereits eine relativ große und in ganz Deutschland verteilte Community. Das hat geholfen. Am Ende kamen rund 30 geeignete Kandidaten zusammen, aus denen wir letztendlich fünf Jugendliche ausgewählt haben.

Wurden die Themen im Vorfeld vorgegeben?
Bastian Asdonk: Die Themenfelder waren nur ganz grob abgesteckt. Wir haben sie dann einfach vor der Kamera über ihre Interneterfahrungen sprechen lassen, ohne dies in die eine oder andere Richtung zu „pushen“. Denn unser oberstes Gebot war ja, dass die Jugendlichen bei TRUTH BE TOLD wahr und ganz authentisch erzählen. 

klicksafe warnt Internetnutzer davor, zu offen mit ihren persönlichen Daten umzugehen, doch bei TRUTH BE TOLD geben die jungen Protagonisten viel Persönliches preis. Wie passt das zusammen?
Dilek Atalay: Die Jugendlichen, die hier vor die Kamera treten, tun das in vollem Bewusstsein. Sie zeigen mit ihren Videos Persönlichkeit und haben das Anliegen, etwas zu sagen. Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen, die im Netz vollkommen unreflektiert private Fotos ins Netz stellen, die ihnen später vielleicht peinlich sind. klicksafe appelliert an alle User, sich vorher Gedanken zu machen, was sie posten, denn was einmal online steht, ist meist wieder schwer aus dem Netz herauszubekommen. Darüber haben wir natürlich vor der Produktion intensiv mit den jungen TRUTH BE TOLD-Protagonisten gesprochen und bei den minderjährigen Jugendlichen auch ihre Eltern mit einbezogen. Uns hat sehr beeindruckt, wie reflektiert viele der so jungen Leute mit dem, was sie im Netz erleben, umgehen. Wir hoffen, das kommt bei diesem Format auch rüber.

Wie geht es weiter mit TRUTH BE TOLD?
Dilek Atalay: Das müssen wir sehen. Wir bekommen auf TRUTH TO BE TOLD sehr viel positives Feedback. Es wird auch bereits an einer Untertitelung gearbeitet, weil auch die Kollegen in unseren europäischen Nachbarländern auf das Format aufmerksam geworden sind. Und auch viele Lehrer setzen die kurzen Clips bereits im Unterricht ein, um eine Diskussion unter den Jugendlichen in Gang zu bringen.

Bastian Asdonk: Ein Thema wie illegale Downloads polarisiert natürlich. Doch wir wissen, dass viele sich in unseren jungen Protagonisten wiederentdecken, weil sie Dinge ansprechen, die sie selbst nicht mal mit ihren Freunden oder Eltern thematisieren würden. Ganz generell stellt sich aber natürlich auch die Frage, inwieweit Plattformen wie YouTube überhaupt geeignet sind, um einen fair und offen geführten Diskurs unter Jugendlichen auf den Weg zu bringen.

Dilek Atalay: TRUTH BE TOLD lässt sich als Reihe sicher nicht endlos fortführen. Doch der eingeschlagene Weg, dass wir mit klicksafe künftig auch online viel mehr junge Leute zu Wort kommen lassen, ist auf jeden Fall richtig. Dabei muss es ja nicht immer nur um Probleme mit dem Netz gehen. Oft gehen sie ja auch viel kompetenter mit Medien um als ihre Eltern, die selbst permanent im Netz oder am Handy hängen.

Die TRUTH BE TOLD-Clips sind auf den Youtube-Kanälen von klicksafe und HyperboleTV anzusehen sowie auf klicksafe.de kostenlos downloadbar.