Welche Risiken gibt es für Kinder und Jugendliche beim Chatten?

Chats und Instant Messenger bieten zweifellos viele Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, Kontakte zu knüpfen und sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. Die moderne Form der Kommunikation hat in vielen Fällen den "Klassiker Telefon" in der kindlichen bzw. jugendlichen Lebenswelt abgelöst.
Leider bergen beide Nutzungsarten auch ernste Gefahren. Problematische, bisweilen sogar gefährliche Kontakte zu Menschen oder Inhalten kommen immer wieder vor. 
Nachfolgend beschreibt klicksafe mögliche Probleme und Gefahren beim Chatten.

Beschimpfungen und Beleidigungen

Verbale Angriffe mit sexistischem oder herabwürdigendem Inhalt verletzen und verunsichern in hohem Maß, wenn sie direkt an das Kind oder den Jugendlichen gerichtet sind. Die scheinbare Anonymität lässt immer wieder Hemmungen schwinden. Dabei kann auch ursprünglich spaßhafte Frotzelei schnell in Dimensionen abgleiten, die als bedrohlich empfunden werden: rüde, rassistische oder sexistische Chat-Beiträge sind dann die Folge.

Problematische Inhalte

Die Möglichkeiten, beim Chatten mit problematischen Inhalten konfrontiert zu werden, sind vielfältig. Der Nickname mancher Benutzer stellt an sich schon ein Problem dar (z.B. "auslaender_raus" o.ä.). Auch Einträge im Benutzerprofil des Chatters können bei Kindern und Jugendlichen Schamgefühle wecken oder sie verunsichern. Hier kommen Einträge mit eindeutig sexuellem Bezug oder rassistischen Aussagen leider immer wieder vor.

Auch Beiträge mit Links zu externen Webseiten mit problematischen oder jugendgefährdenden Inhalten liest man in Chaträumen immer wieder. Die Gefahr ist dann nur noch einen Mausklick weit entfernt, denn Links werden in der Regel vom Chat oder dem Instant Messenger automatisch umgewandelt, sodass ein Klick auf den Link sofort ein Browserfenster mit der entsprechenden Webseite öffnet.

Sexuelle Belästigung

Hierbei handelt es sich um das größte Problem beim Chatten. Insbesondere Kinder- oder Teen-Channels bzw. -räume großer Chat-Portale ziehen Benutzer mit pädokriminellen Neigungen an. Fragen nach bisherigen sexuellen Erfahrungen des Kindes/Jugendlichen oder Beiträge mit Beschreibungen der sexuellen Vorlieben, Praktiken oder Fantasien von meist erwachsenen Teilnehmern kommen immer wieder vor. Auch Aufforderungen zu sexuellen Handlungen sind dabei.

Von sexueller Belästigung sind in den meisten Fällen junge Mädchen betroffen- aber auch Jungen sind nicht vor solchen Übergriffen gefeit.

Anfordern von sexuell stimulierenden Objekten, Bildern oder Tätigkeiten

Sexuelle Belästigung geht oft mit weitergehenden Anfragen an Kinder und Jugendliche einher. Oft wird hartnäckig die Zusendung von getragener Kinderunterwäsche oder (Nackt-)Bildern gefordert. Vielfach werden Kinder und Jugendliche angesprochen, ob sie zu Telefonsex ("TS"), Cybersex ("CS") oder Netmeeting- bzw. Webcam-Chats mit sexuellen Handlungen bereit wären. Diese Anfragen können auch ohne vorhergehende sexuelle Belästigung, nach einem bis dahin eigentlich unverfänglichen Gespräch erfolgen.

Übergriffe per Handy, Telefon oder E-Mail

Laut JIM-Studie 2006 wird beinahe jede/r dritte chattende Jugendliche nach seinem oder ihrem realen Namen, Adresse oder Telefon- bzw. Handynummer gefragt. Leider kommen Kinder und Jugendliche solchen Anfragen oft nach. Die Folgen sind dann unter Umständen: Zusendung von Spam, digitalen Schädlingen oder pornografischen Texten und Bildern. Oft berichten Kinder und Jugendliche von dauerhafter Belästigung per E-Mail oder Telefon.

 

Übergriffe beim privaten Chat

In öffentlichen Chaträumen oder auf Chat-Portalen werden Kinder und Jugendliche häufig gefragt, ob sie einen der gängigen Instant-Messenger auf ihrem Computer installiert haben oder über die "Flüsterfunktion" des Online-Chat angeschrieben. Benutzer mit pädokriminellen Neigungen versuchen so, ihre Opfer in eine private, von anderen Benutzern nicht einzusehende Unterhaltung zu drängen, denn "geflüsterte" Nachrichten unterliegen nicht der direkten Kontrolle von Moderatoren- bei den gängigen Instant Messengern existiert erst gar kein Moderator, da die Verbindung direkt zwischen den Teilnehmern ohne Umweg über einen Online-Chat aufgebaut wird.

Auch lassen sich vor allem über Instant Messenger sehr einfach Bild- und Tondokumente bzw. Fotos an den Gesprächspartner verschicken. Die Übergriffe sind hier meist massiver und ihr Vorgehen agressiver als in öffentlichen, webbasierten Chats. Außerdem erlangt der Pädokriminelle hierdurch Einsicht in das Benutzerprofil des Kindes oder Jugendlichen. Sollte hier ein Wohnort oder gar eine Kontaktadresse samt Telefonnummer gespeichert sein, erleichtert der oder die Betroffene u.U. die erfolgreichen Anbahnung von sexuellem Mißbrauch erheblich.

 

Anbahnung von sexuellem Mißbrauch

Zweifellos gehen Kinder oder Jugendliche mit einem persönlichen Treffen außerhalb des Chats ein großes Risiko ein. Eine herbe Enttäuschung ist dabei die geringste, ein sexueller Übergriff durch einen Pädokriminellen die größte aller Gefahren. Allerdings handelt es sich in der Regel um seltene Einzelfälle. Dabei kann der Täter seine Identität bis zum Treffen verschleiern, teilweise enthüllt er sie aber schon im Vorfeld. Die Anbahnung spielt sich meist in drei Schritten ab:

  1. Der Täter versucht das Vertrauen des potenziellen Opfers zu gewinnen, um es gezielt nach Name und Adresse auszuhorchen.

  2. Durch Kontakt per Telefon oder SMS versucht der Täter sich zu versichern, dass er es auch wirklich mit einem Kind zu tun hat und seine Erfolgsaussichten abzuwägen.

  3. Der Täter vereinbart mit dem Opfer ein Treffen an einem für Kinder attraktiven Ort z.B. einem Zoo, einem Schwimmbad o.ä.

Die vorgestellten Sachverhalte können nicht weniger drastisch beschrieben werden und sind sicher nicht dazu geeignet, die Sorgen von Eltern und Pädagogen um ihre Schützlinge zu mindern. Trotzdem muss an dieser Stelle betont werden, dass ein Kind oder Jugendlicher nicht zwangsläufig mit einer oder gar allen der beschrieben Gefahren konfrontiert werden wird, selbst wenn er oder sie regelmäßig ausgiebig chattet. Kein Erwachsener kann seinem Schützling immer über die Schulter schauen und ein Totalverbot bietet nicht annährend den gleichen Schutz wie vorbeugende Aufklärung. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Kind unbedingt über mögliche Gefahren beim Chatten und erklären Sie ihm das richtige Verhalten im Fall der Fälle. Seien Sie Ansprechpartner und Vertrauensperson.

Weiterempfehlen:

Info zur E-Mail-Angabe

Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an, wenn Sie bei künftigen Antworten zu diesem Beitrag informiert werden möchten.