Cyber-Mobbing in der Schule

Das Problem

Cyber-Mobbing ist keinesfalls ein Problem, welches sich auf das Privatleben beschränkt. Meistens ist auch die Schule Schauplatz von Cyber-Mobbing. Kommt es in der Schule zu einem Mobbing-Vorfall, sollte man von eindimensionalen, kurzfristigen Disziplinarmaßnahmen absehen. Stattdessen sollte das Problem differenzierter angegangen werden. Was sind die Ursachen für das Mobbing? Wie ist das Klima an unserer Schule; in der Klasse? Wird über Probleme in der Klasse offen und auf Augenhöhe mit den Schülern geredet, gibt es einen Klassenrat; eine Kultur der Auseinandersetzung? Welche Umstände haben zu dem Mobbing beigetragen?

Cyber-Mobbing erkennen

Für Lehrende ist es nicht immer einfach, Fälle von Cyber-Mobbing rechtzeitig zu erkennen. Dazu trägt auch bei, dass Lehrende meist erst sehr spät in einen Vorfall eingebunden werden oder erst davon erfahren, wenn der Konflikt bereits eskaliert ist. Im Folgenden sind einige Anhaltspunkte aufgelistet, anhand derer Mobbing frühzeitig erkannt werden kann:

  • Vermehrte gesundheitliche Probleme: Dazu zählen Symptome wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, häufigeres Fehlen, Schlafprobleme oder bedrückte Stimmung.

  • Verhaltensänderungen: Alarmsignale können sein eine plötzliche Verschlossenheit, ein Leistungsabfall in der Schule oder der Rückzug in andere Welten, wie z. B. in Online-Spiele- oder Fantasiewelten.

  • Fehlen persönlicher Gegenstände: Vor allem Eltern kann auffallen, dass besonders geliebte Gegenstände oder Geld plötzlich fehlen.

  • Herunterspielen: Mobbing-Opfer werden bei ersten Gesprächen mit Erwachsenen meist keinen direkten Hinweis auf einen Vorfall geben oder die Situation herunterspielen. Wenn Sie einen konkreten Verdacht haben, sind viel Geduld und erneute Gesprächsangebote notwendig.

  • Verschlechterung des Klassenklimas: Wenn sich das Klima innerhalb der Klassengemeinschaft verschlechtert und die SchülerInnen einander unfreundlicher begegnen, kann diese Entwicklung von Mobbing begleitet sein.

  • Auf Schulveranstaltungen: Gerade bei der Zimmeraufteilung auf Klassenfahrten oder Ausflügen/Sportfesten wird sichtbar, wie gut einzelne SchülerInnen in die Klassengemeinschaft eingebunden sind. In solchen Situationen werden neben AußenseiterInnen auch eventuelle Bruchlinien innerhalb eines Klassenverbands sichtbar.

Eine Möglichkeit, Mobbing früh zu erkennen bietet ein anonymer Briefkasten. Hier können SchülerInnen in Papierform oder per Mail, Mobbing-Vorfälle und andere Probleme anonym zu melden. Es gilt zu beachten: Dieser anonyme Beschwerdekasten kann auch zum „Anschwärzen“ von anderen SchülerInnen missbraucht werden.

Was tun gegen Cyber-Mobbing?

Gegen Cyber-Mobbing gibt es leider kein Patentrezept. Die Arten und Motive sind zu unterschiedlich, um einheitlich dagegen vorgehen zu können. Darum ist es wichtig, dass Lehrer ein Gespür für Mobbing und den Zusammenhang mit Cyber-Mobbing entwickeln. Präventionsarbeit findet sinnvollerweise auf mehreren Ebenen statt, die in einem engen Bezug zueinander stehen: Schulebene, Klassenebene, individuelle Ebene. Bestenfalls greifen Präventionsmaßnahmen, die an den unterschiedlichen Ebenen ansetzen ineinander und verstärken einander.

  • Wissen schaffen: Die ganze Schule braucht eine einheitliche Definition von Cyber-Mobbing. Jeder muss sich über die Bedeutung von Cyber-Mobbing von normalem Mobbing im Klaren sein. Junge Leute und ihre Eltern sollten über die Verantwortung im Internet und auch über die Sanktionen bei Missbrauch aufgeklärt werden. Eltern und Schüler sollten wissen, dass die Schule ihnen Unterstützung anbieten kann, auch wenn das Cyber-Mobbing außerhalb der Schule stattfindet.

  • Verhaltenskodex (Schulordnung) und Kultur des respektvollen Umgangs: Es ist sinnvoll, einen von Schulleitung, Lehrern, Schülern und Eltern gemeinsam erarbeiteten Verhaltenskodex zu erstellen. Dieser beinhaltet den respektvollen Umgang miteinander — online wie offline — und macht klar, welche Konsequenzen auf die Verletzung des Kodex folgen. Der Verhaltenskodex wird von allen Beteiligten zu Schuljahresbeginn unterschrieben und für alle sichtbar im Schulhaus angebracht.

  • Anti-Mobbing-Beauftragter und Streitschlichterkonzept: Es ist sinnvoll, einen Anti-Mobbing-Beauftragten zu berufen oder, falls dieser schon existiert, sein Aufgabengebiet um „Cyber-Mobbing“ zu erweitern. Es sollte sich hierbei um ein Mitglied der Schulleitung oder um einen Lehrer handeln, da diese den Überblick über die Schüler und die Kommunikationswege innerhalb der Schule haben. Das Konzept der Streitschlichter als Möglichkeit, von Schüler zu Schüler Konflikte lösen zu können, sollte auch in diesem Zusammenhang eingesetzt werden.

  • Hilfe von außen suchen: PräventionsbeamtInnen der Polizei können sehr eindringlich über mögliche Konsequenzen des Cyber-Mobbings berichten. Auch Workshops für den sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Internet und Handy helfen bei der Bewusstseinsbildung an Schulen. Außerdem können SchulpsychologInnen, SchulsozialarbeiterInnen und MediatorInnen in Fällen von Cyber-Mobbing rasch und professionell eingreifen und vermitteln. (Quelle: Saferinternet.at) 

  • Integration des Themas in den Unterricht: Integrieren Sie Cyber-Mobbing als Problemthematik in Ihren Unterricht. So wird die Aufmerksamkeit explizit auf das Thema gelenkt und die Schüler merken, dass es sich bei Cyber-Mobbing um ein eigenständiges Problem handelt, welches thematisiert werden muss. Das Zusatzmodul "Was tun bei Cyber-Mobbing?" zu dem klicksafe Lehrerhandbuch bietet eine Fülle von Arbeitsaufträgen für den Unterricht.

  • Weiterbildung für Lehrende zu Konfliktthemen: Um reagieren zu können, bevor ein Konflikt eskaliert, ist Sensibilität erforderlich. Nur wenn Lehrende sich in Konfliktlösungstechniken weiterbilden, ist es ihnen möglich, erste Anzeichen von Spannungen zu erkennen und entsprechend zu handeln. Neben zahlreichen Weiterbildungsangeboten an Pädagogischen Hochschulen sind unter anderem auch Angebote von privaten Anbietern wie zum Beispiel das Kursangebot des Instituts Konflikt-Kultur (www.konflikt-kultur.de und www.konflikt-kultur-freiburg.de) oder Websites wie www.mobbing-schluss-damit.de oder www.juuuport.de zu empfehlen.(Quelle: Saferinternet.at)

  • Die positive Nutzung der „Neuen” Medien fördern: Setzen Sie diese gezielt ein, um das positive und erfolgreiche Lernen zu unterstützen und um das Potenzial des personalisierten Lernens zu realisieren und zu erweitern, indem das Lernen flexibler, kreativer und greifbarer gemacht wird. Erkunden Sie sichere Wege, Medien mit den Schülern zu nutzen, um Selbstachtung, Durchsetzungsvermögen, Mitverantwortlichkeit und das Entwickeln von Freundschaften zu unterstützen. Fördern und diskutieren Sie den respektvollen Umgang im Internet sowie die Themen Internetsicherheit und Datenschutz. Das Zusatzmodul “Ethik macht klick” bietet verschiedene Vorschläge, diese Themen in den Unterricht einzubringen.

Weitere Informationen

  • Blum, Heike & Beck, Detlef (o.J.): Mobbing in der Schule – die drei Schritte des No  Blame Approach (www.no-blame.approach.de)

  • Huber, A.A. (Hrsg.) (2012). Anti-Mobbing-Strategien für die Schule. Praxisratgeber zur erfolgreichen und nachhaltigen Intervention (2. Unveränderte Auflage). Köln: Carl Link.

  • Mustafa, J. (2008). Das Anti-Mobbing Buch, Gewalt an der Schule, Beltz, Weinheim.

  • Olweus, D. (2002). Gewalt in der Schule (3. Auflage). Bern: Hans Huber.

  • Schubarth, W. (2010). Gewalt und Mobbing an Schulen. Möglichkeiten der Prävention und Intervention. Stuttgart: Kohlhammer.