Wie verändert Facebook unsere Sicht der Dinge?

Selbstdarstellung in Sozialen Netzwerken ist kein neues Thema - dennoch aufgrund der kürzlich veröffentlichten Facebook Studie ein aktuelles.

Das Leben von Scott Thompson geht den Bach runter: Freundin weg, Job weg … Den Protagonisten des Youtube-Spot „What’s on your mind?“ erwischt es hart. Er lässt sich aber nicht unterkriegen und verwandelt jede Hiobsbotschaft in einen positiven Facebook-Beitrag. Da wird der Besuch bei einer Prostituierten zu „I´m in an open relationsship“. Sein Lohn: Unmengen sozialer Online-Beachtung durch andere Nutzer in Form von „Likes“. Als Scott, der nun völlig am Ende ist, zum ersten Mal in einem Post seine wahren Gefühle mitteilt: „My life sucks...“ verbirgt einer seiner Onlinefreunde demonstrativ die Beträge von Scott.

Was machen Soziale Netzwerke, wie Facebook mit uns? Blenden wir negative Einträge tatsächlich gerne aus, da sie nicht in den gewünschten Fluss an positiven Eindrücken hineinpassen? Bzw. wie beeinflussen bzw. reagieren wir auf die positiven oder negativen Emotionen, die uns von unseren „Freunden“ im Netzwerk präsentiert werden?

Eine Studie zu diesem Thema wurde bereits im Januar 2012  im Rahmen eines einwöchigen Experiments mit etwa 690.000 Nutzern der englischsprachigen Facebook-Version durchgeführt. Ziel der von Facebook finanzierten Studie war es, herauszufinden, wie sich Emotionen in Netzwerken verbreiten. Mitgliedern wurde entweder eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an positiven Beiträgen oder aber an negativen Beiträgen angezeigt. Dadurch wollte man aufklären, ob sich manipulierte Einträge auf die Gefühle der Nutzer auswirken. (Quelle: www.heise.dewww.zeit.de, Stand: 30.06.2014). 

Die Ergebnisse der Studie wurden vor einigen Wochen veröffentlicht: Nutzer, die mehr positive Beiträge zu sehen bekommen, posten auch mehr Positives. Nach diesem Prinzip posten Nutzer auch mehr Negatives, wenn sie mehr negativ besetzte Einträge angezeigt bekommen. Mit der Veröffentlichung kam aber die Frage auf, ob Facebook aus rechtlicher und aus moralischer Sicht solch eine Studie durchführen darf? Die zufällig ausgewählten Nutzer, deren Newsfeeds manipuliert wurden, wurden über ihre Teilnahme an der Studie nicht informiert. Zum Standardvorgehen bei der Durchführung von wissenschaftlichen Studien gehört es dazu, die Teilnehmer nach Abschluss der Studie über deren Hintergrund zu informieren. Susan Fiske, die für die Studie an der Princeton University zuständig war, argumentierte allerdings, dass für Unternehmen nicht die gleichen Bedingungen verlangt werden können wie für Universitäten und staatliche Stellen. (Quelle: www.zeit.de, Stand: 30.06.2014). 

Dadurch dass Facebook in der Datenverwendungsrichtlinie kennzeichnet, dass Nutzerdaten verwendet werden können und Nutzer dieser bei der Registrierung zustimmen, ist für Facebook die Sachlage geklärt.

Außer der Tatsache, dass Nutzer schnell  - auch unwissend -  zum Studienobjekt werden können, legt die erwähnte Studie und der Youtube-Spot nahe, dass Facebook hauptsächlich dazu verwendet wird, sein Leben interessant zu inszenieren. Mit diesem Wissen, sollten Facebook-Posts durchaus kritisch betrachtet werden, da die Selbstdarstellung auf sozialen Netzwerken schnell den Bezug zum realen Leben verlieren kann. Machen Sie den Selbsttest, wie würden Sie auf einen traurigen Post eines „Freundes“ reagieren?