Was fasziniert besonders Jugendliche an Sozialen Netzwerken?

Entwicklungsförderndes Medium

Lange Jahre war die Furcht vor dem „gläsernen Menschen“ groß, doch davon scheinbar unbeeindruckt wächst die Freude der Jugendlichen, sich im Internet ausführlich und ganz selbstverständlich darzustellen. Was übt einen solchen Reiz auf die Jugendlichen aus, dass sie auch vor der Preisgabe persönlichster Angaben (und den Folgen) nicht zurückschrecken?

Soziale Netzwerke kommen zuerst einmal den Interessen von Jugendlichen entgegen und unterstützen beim Bewältigen von Entwicklungsaufgaben:

  • Jugendliche brennen darauf, sich selbst darstellen zu können. Interessen und soziales Umfeld repräsentieren schließlich die Persönlichkeit und das wiederum verschafft Anerkennung durch andere.

  • Soziale Netzwerke nur für Jugendliche sind von ihrer Grundidee erwachsenenfreie Räume, in denen sich die Jugendlichen ausprobieren können- ohne bspw. elterliche Bewertung oder Sanktionen befürchten zu müssen.

  • Es ist sehr einfach, andere mit gleichen Interessen zu treffen und sich darüber auszutauschen. Der Jugendliche ist also nicht mehr von den lokalen Gegebenheiten in seinem Wohnort oder von seinem direkten Umfeld abhängig.

  • Ein Social Network ist wie ein virtuelles Adressbuch, hat aber darüber hinaus den Vorteil, dass es sich ständig von selbst aktualisiert.

  • Fast alle Social Networks bieten vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten, z.B. per E-Mail, Gruppen, Blogs oder Foren. Jugendliche stärken damit ihre Identität und erhalten im Gegenzug die Selbstbestätigung durch Gleichaltrige.

  • Das Social Network ist multi-funktionell und spricht durch die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten nahezu jede Stimmungslage an. Bei „Null Bock“–Laune kann man einfach durch Profile klicken und in Blogs oder Gruppen lesen, Applikationen nutzen. Bei Tatendrang kann man kommunizieren und sich verabreden.

  • Letztlich gibt es in Social Networks wie im realen Leben auch einen „Gruppenzwang“, dem sich Jugendliche gerne beugen, um sich in ihrer sozialen Bezugsgruppe zu messen. Sind fast alle Freunde in einem Social Network angemeldet, so muss der Jugendliche dieses natürlich ebenfalls ausprobieren, um mitreden zu können. Ansonsten liefe er Gefahr, nicht mehr „up to date“ zu sein über die Aktivitäten des Freundeskreises.

  • „Mit vielen bekannt sein“ ist zu einer Art neuem Wert avanciert. Die Anzahl der „Freunde“ – mögen sie auch nur einmalige Bekanntschaften gewesen sein, zeigt, wie beliebt ein Nutzer ist.


Die Internetangebote werden also einerseits im Hinblick auf Prozesse des Identitätsmanagements genutzt - in kürzester Zeit und ohne großen Aufwand kann ein junger Mensch Identitätsmodelle ausprobieren und bekommt sogleich Rückmeldung von der Internetgemeinschaft: Fotos, auf denen das neue Ausgeh-Outfit präsentiert wird, werden anhand der Kommentar-Funktion bewertet. Den meisten Jugendlichen ist es dabei wichtig, möglichst authentisch zu sein und gleichzeitig möglichst „cool“ , sexy, seriös oder lustig „rüberzukommen“.
Andererseits dienen Social Networks dem Beziehungsmanagement. Das Freundesnetzwerk anhand einer Freundesliste abzubilden, die Positionierung im Gefüge einer Clique oder der Schulklasse und den Kontakt zu Gleichaltrigen zu halten, all das ist in Sozialen Netzwerken möglich.

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