Kommerzialisierung auf der Plattform YouTube

YouTube führte 2007 das so genannte "Partnerprogramm" ein, mit dem die Monetarisierung hochgeladener Videos ermöglicht wurde. Mit der steigenden Popularität der Plattform YouTube wurde auch das Interesse großer Firmen und Unternehmen geweckt. YouTube erkannte sein Potential und entwickelte sich zu einer kommerziellen Plattform, die es den größer werdenden Kanälen ermöglicht, mit den Werbeeinnahmen der monetarisierten Videos Geld zu verdienen.

Infografik zum Thema Monetarisierung bei YouTube von klicksafe

Infografik zu den Verdienstmöglichkeiten von YouTube-Stars

Die klicksafe-Infografik veranschaulicht die Verdienstmöglichkeiten von YouTube-Stars.

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Werbeeinblendungen

Der Begriff Monetarisierung beschreibt Geldeinnahmen durch so genannte Pre-Rolls, Mid-Rolls oder Post-Rolls. Dies sind Werbeanzeigen von Drittanbietern, die vor, während oder nach einem Video eingeblendet werden. (Quelle: 1)

Der YouTuber Phillip Steuer gab in einem Interview bekannt, dass er pro 1000 Klicks seiner Videos ca. 1 Euro erhält. Je mehr Aufrufe ein Video hat, desto mehr Geld wird also verdient. Hierbei bekommt YouTube 45% der Werbeeinnahmen, 55% gehen an den YouTuber selbst. (Quelle: 2)

Die monetarisierten Videos müssen jedoch eine Mindestzahl an Aufrufen erreicht haben, um daran verdienen zu können. Somit werden Einnahmen unter dem Wert von 70 Euro gar nicht erst ausgezahlt. (Quelle: 3)

Product Placement und Produktempfehlungen

Doch neben Werbeeinblendungen spielt auch das Product Placement sowie Produktempfehlungen eine große Rolle, um von dem Beruf "YouTuberin" bzw. "YouTuber" leben zu können. Es werden Verträge mit Drittanbietern eingegangen, deren Produkte die YouTube-Stars während ihres Videos vorstellen, empfehlen, oder in die Thematik des Videos einbeziehen. So kehrte in Deutschland nach dem 3. September 2014 der Longboard Trend zurück, nachdem die vier YouTuber Simon Unge, Cheng Loew, Julian Bam und Dner eine Longboard-Tour quer durch Deutschland machten. In ihren Videos warben sie mit dem Skate-Shop Concrete Wave in Köln. Es sollte eben nicht irgendein Longboard sein, denn die YouTube-Stars sprachen von DEM Laden in Köln-Ehrenfeld. (Quelle: 4)

Auch BibisBeautyPalace und Dagibee (siehe auch: YouTuberinnen) werben durch ihre Haul-Videos (siehe auch: Hauls) beispielsweise für die Drogeriekette DM, deren zur Verfügung gestellte Produkte sie dann ihrem Publikum präsentieren. (Quelle: 5)

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass Beauty-Blogger/-innen Produkte ohne die Kennzeichnung einer Produktplatzierung in ihren Videos präsentieren können, solange die Beistellung nicht den Wert von 1000 Euro übersteigt. (Quelle: 6)

Der Verdienst solcher Product Placements ist je nach Gebot der Unternehmen sehr unterschiedlich. (Quelle: 7)

Beispiel: Product-Placement- Longboard-Tour

Beispiel: Product-Placement- Longboard-Tour
Quelle: Augsburger Allgemeine
Stand: 12.08.2015

Link-Einblendungen

Auch für Link-Einblendungen während des Videos oder in der Videobeschreibung (so genannte Affiliate-Links), die auf die Website eines Drittanbieters führen, erhalten die YouTuber/-innen eine Vergütung.

Verdienst der YouTube-Stars durch Werbeeinnahmen

Auf der Seite Socialblade.com werden geschätzte Monatseinnahmen der YouTube-Stars angegeben, die ein ungefähres Bild von dem Gesamtlohn aus allen Einnahmequellen ermöglichen. So verdient der Let´s Player Gronkh beispielsweise durch alle Einnahmequellen geschätzt und je nach Anzahl oder Größe der Aufträge zwischen 6.200 Euro und 98.600 Euro im Monat. (Quelle: 8)

Neben Einnahmen von Werbeanzeigen und Product Placements der Drittanbieter verkaufen die größeren YouTube-Kanäle Fanartikel, die mit der Unterstützung von YouTube-Partnern hergestellt werden. Fans können Mützen, Taschen, Shirts oder Pullover ihrer Stars kaufen. (Quelle: 9)

Geschätzt kann jedoch gerade einmal knapp 1% aller YouTuber/-innen weltweit von den Einnahmen gut leben. (Quelle: ebd.) Zu dem 1% gehört beispielsweise der schwedische YouTuber PewDiePei, der laut der Zeitung Expressen im Jahr 2014 ca. 6,8 Millionen Euro mit seinen Videos verdient haben soll. Im Internet brach nach der Veröffentlichung eine heftige Diskussion mit Neidern, Hatern und seinen Fans los, die PewDiePei mit einem eigenen Statement per YouTube wieder beruhigte.

Verstecktes Product Placement und Schleichwerbung

Doch nicht immer ist deutlich, wo Werbung und Marketing beginnen und wo sie aufhören. Besonders auf YouTube wird die Problematik der Schleichwerbung ein immer größer werdendes Thema. Firmen bieten den YouTuber/-innen die Chance auf das große Geld – jedoch mit der Voraussetzung, die Werbung nicht als Werbung zu kennzeichnen. (Quelle: 11)

Fans von YouTuber/-innen fühlen meist eine ungewöhnliche Nähe zu ihren Stars. "Und das perfide ist, wenn die Nähe ausgenutzt wird, um Werbebotschaften unterzubringen. " äußerte sich Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Medienanstalten. Sind die Fans der YouTube-Stars sowieso schon leicht zu beeinflussen, macht es Schleichwerbung noch einfacher, den Umsatz der Firmen und somit den eigenen Umsatz der YouTuber/-innen zu steigern. (Quelle: ebd.)

Die Landesmedienanstalten, deren Aufgaben unter anderem die Regulierung und Kontrolle von Telemedien sind, wollen in Bezug auf das Internet und besonders die Plattform YouTube ihre Kontrollen verschärfen und neue Vorschläge entwickeln, um das Problem der Schleichwerbung nicht weiter ausufern zu lassen. Bestärkt wurde dieses Vorhaben nun nach dem Aufdecken von Schleichwerbung in den Videos des Comedy- Trios Y-Titty und der der Lifestyle-YouTuberin Daaruum. (Quelle: ebd.)

Transparenter zeigt u.a. LeFloid seine Verdienstmöglichkeiten mit den Affiliate Links an. So schreibt er unter seine Videos, wo diese Links zu finden sind und was sie genau zu bedeuten haben. „Bei den mmoga Links handelt es sich um Affiliate Links. Das heißt, wenn ihr bei mmoga etwas bestellen solltet, unterstützt ein Teil der Einnahmen Frodo & mich, ohne, dass ihr dafür mehr bezahlen müsst.“ (Quelle: 12)

Screenshot: Hinweise auf Produkte in Online-Videos: „Darf ich das? Wie darf ich das?“

FAQ: Hinweise auf Produkte in Online-Videos: „Darf ich das? Wie darf ich das?“

Hier geht es zum Leitfaden.

"Exkurs": YouTube muss umdenken

Auch wenn YouTube momentan laut Studien beliebter als jede andere Soziale Plattform ist, entwickeln sich nach und nach zukunftsbezogene Schwierigkeiten. Bertram Gugel, Medienwissenschaftler und Internetblogger hielt zu diesem Thema auf der Republica 2015 (Konferenz rund um das Thema Medien) einen Vortrag über diese Problematiken, die im Folgenden zusammengetragen wurden:

Zusammengefasst kann YouTube laut Gugel mit seiner momentanen Strategie zukünftig nicht auf dem Markt mithalten. Seiten wie Twitter oder Facebook laufen YouTube den Rang ab, wenn es um die Reichweite von Videos geht. Wird ein YouTube-Video auf Facebook geteilt, erlangt es momentan  10 mal mehr Reichweite - denn Facebook hat den großen Vorteil einer wesentlich stärkeren Community und somit auch den stärkeren Charakter eines Sozialen Netzwerkes, in dem mehr kommuniziert, geteilt und geliked wird. Die meisten Videos werden laut Gugel über Facebook aufgerufen und lassen YouTube eher als "Mittel zum Zweck" erscheinen.

Erfolgreiche YouTuber/-innen sehen mit wachsender Berühmtheit auch die Möglichkeiten, die sich durch andere Medien für sie ergeben. YouTube wird somit mehr als Sprungbrett für Musik, Filme, TV oder Bücher betrachtet und kann die Stars mit einer wesentlich schlechteren Bezahlung gegenüber bspw. Film und Fernsehen auf Dauer nicht halten. YouTube entwickelt sich zu einer Marketingplattform, die ihre Notwendigkeit zur Monetarisierung der Videos verliert, wenn die Stars auf anderen Plattformen oder durch andere Medien besser verdienen.

YouTube ist zwar momentan die beliebteste Plattform der Deutschen, doch wie schnell sich dies ändern kann zeigen Seiten wie MySpace, SchülerVZ oder StudiVZ. YouTube muss sich neu aufstellen und Trends erkennen um auf Dauer auf dem Markt mithalten zu können.

Den Vortrag finden Sie noch einmal unter folgendem Link: Flüchtige Macht? YouTube im Kreuzfeuer – Facebook & Co greifen an (Quelle: 13)