Was sind Multi-Channel-Netzwerke?

Nachdem die YouTube-Szene in den letzten drei Jahren einen rasanten Zuwachs an YouTube-Stars verzeichnet und das Fernsehen somit nach und nach in den Schatten stellt, engagieren sich immer mehr große Firmen im Webvideobereich.

Es entwickelten sich sogenannte Multi-Channel-Netzwerke (MCN), bei denen die Unternehmen mehrere YouTube-Kanäle unter Vertrag nehmen. Die Kanäle werden durch die Unternehmen finanziell und konzeptionell unterstützt und erhalten Hilfe bei Vermarktung und Produktentwicklung. Das Zusammenschließen mehrerer Kanäle bietet den YouTuber/innen weiterhin den Vorteil, durch Cross-Promotion mehr Reichweite und Klicks ihrer Videos zu erlangen und somit auch die eigenen Werbeeinnahmen zu steigern.

Logo Mediakraft
Quelle: www.mediakraft.de, Stand: 05.08.15

Mediakraft

Zu den bekanntesten der deutschen Multi-Channel-Netzwerke zählt das Unternehmen Mediakraft, mit der Beteiligung von Capnamic Ventures und Shortcut Ventures, mit ca. 2500 Kanälen. Das Unternehmen unterstützt u.a. die YouTuber Y-Titty, Die Lochis, BullshitTV. (Quelle: 1)

Logo Divimove
Quelle: www.divimove.de, Stand: 05.08.15

Divimove

Mit 1600 Kanälen ist das Unternehmen Divimove, unter anderem gesponsert von Bertelsmann und der RTL-Tochter Fremantle Media, bei YouTube vertreten. (Quelle: ebd.)

Logo Endemol Beyond
Quellen: twitter.com/endemolbeyond; www.jointheallyance.de, Stand: 05.08.15

Endemol Beyond und allyance NETWORK

Mit 350 Kanälen gehört auch Endemol Beyond zu den erfolgreichsten Multi-Channel-Netzwerken, gefolgt von dem Gaming allyance NETWORK, unterstützt durch die IDGPS Media Network GmbH, (Verlag für Fachzeitung über digitale Medien) mit 280 Kanälen. (Quelle: ebd.)

Logo Studio 71
Quelle: www.studio71.com, Stand: 05.08.2015

Studio71

Das Unternehmen ProSiebenSat.1 gründete 2013 das Multi-Channel-Netzwerk Studio71, das ca. 230 Kanäle führt, unter denen der beliebteste Let's Player Deutschlands mit den Namen Gronkh, LeFloid oder die Lifestyle-YouTuberin funnypilgrim fallen. (Quelle: 2)

Logo TubeOne Networks
Quelle: www.tubeone.com, Stand: 05.08.15

TubeOne Networks

Zu dem letzten der hier aufgeführten bekanntesten Multi-Channel-Netzwerke gehört das 2014 gegründete unter der Beteiligung der Stroer Media Group mit ca. 150 Kanälen, worunter die bekannten YouTube-Kanäle Die Aussenseiter und Dagi Bee fallen.(Quelle: 1)

Die Veränderung der Bewegtbildlandschaft

Die Beteiligung von Unternehmen wie RTL, ProSiebenSat. 1 oder Endemol macht deutlich, dass in den letzten Jahren eine Veränderung der Bewegtbildlandschaft eingetreten ist, die das Digitale Fernsehen des Web 2.0 immer weiter in den Vordergrund rückt. Durch die Beteiligung an YouTube-Kanälen versucht das traditionelle Fernsehen auf den digitalen Zug aufzuspringen und die YouTube-Szene mit der Fernsehlandschaft zu verbinden. Die Reichweite, die das Internet bzw. das Portal YouTube bietet, stellt eine große Gefahr für das traditionelle Fernsehen dar und lässt den Unternehmen keine andere Chance, als in die neu entstehende Branche einzusteigen.

Die Versprechen der Multi-Channel-Netzwerke auf mehr Reichweite, mehr Werbeeinahmen und Unterstützung bei der Vermarktung stehen jedoch häufig im Gegensatz zu den Verträgen, die die YouTube-Stars unterschreiben müssen. Am öffentlich ausgetragenen Disput zwischen Unge (#Freiheit) und Mediakraft lassen sich die Konflikte erahnen. Mediakraft musste im letzten Jahr den Verlust von reichweitenstarken YouTubern wie LeFloid, Apecrime sowie Simon Unge erdulden.

Die öffentliche Kritik der YouTuber bezieht sich besonders auf das fehlende Marketing und die fehlende Unterstützung ihrer Kanäle sowie die Einschränkungen der eigenen Kreativität. (siehe dazu auch Golem-Artikel: "Mediakraft will uns komplett zerstören" vom 22.12.2014)

Neben den momentan oft in der Kritik stehenden Multi-Channel-Netzwerken entwickeln sich nun alternative Strömungen, die den YouTubern ihre Kreativität und Eigenständigkeit erhalten sollen.
Vorreiter hierfür ist der Verein 301+, zu den Gründungsmitgliedern zählen u.a. LeFloid, Marie Meimberg und Daaruum. Ihnen ginge es besonders um den Austausch und die Unterstützung zwischen gleichgesinnten YouTuber/innen der ersten Stunde, bei denen die Motivation nicht durch Geld und Ruhm entstehe, sondern intrinsischer Natur sei. Die Idee „Geilen Scheiß“ mit kreativen Ideen zu machen und das künstlerische Talent stehen für sie im Vordergrund. (Quelle: 3)

Der Verein ist jedoch kein Ausschlusskriterium, weiterhin Teil eines Multi-Channel-Netzwerkes  zu sein. So ist LeFloid weiterhin in dem Multi-Channel-Netzwerk Studio71 vertreten.