Bedeutung rollenstereotyper Darstellungen

Illustration aus "Ethik mach klick", Februar 2015. Zeichnung Tim Gaedke www.doppeltim.de Herausgeber: EU Initiative klicksafe. Diese Abbildung steht unter der Creative Commons Lizenz CC BY NC ND
Illustration aus "Ethik mach klick", Februar 2015

Massenmediale Geschichten mit ihrer emotionalen und bildorientierten Erzählstruktur sind für Jugendliche eine wichtige Quelle zur eigenen Wertebildung. Insbesondere populäre TV-Sendungen – ob als Stream im Internet oder klassisch im TV – bleiben häufig in Erinnerung und können die Realitätsvorstellungen beeinflussen. Die Medienfiguren liefern dabei Anschauungsmaterial für vermeintlich „typisch“ männliche und weibliche Eigenschaften, mit denen man sich selbst vergleichen kann. Über soziale Medien wie Facebook oder WhatsApp tauschen sich die Jugendlichen zudem über beliebte Sendungen aus: Auf diese Weise gewinnen diese auch für das eigene Rollen- und Werteverständnis an Bedeutung. Insbesondere realitätsnahe Darstellungen können den Eindruck verstärken, die dargestellten Stereotype entsprächen tatsächlich der „Wirklichkeit“. Stereotype sind generalisierende Vorstellungen, die jemand über eine bestimmte Gruppe von Menschen hat.

Diese weiblichen und männlichen Stereotype werden so dargestellt, als ob bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen abhängig von der Geschlechtszugehörigkeit wären. Dabei wird so getan, als seien diese Merkmale natürlich und entsprächen dem Wesenskern des jeweiligen Geschlechts. Stereotype spielen eine entscheidende Rolle bei der Rechtfertigung von Ungleichbehandlungen und verstärken vorhandene Vorurteile, indem sie diese im medialen Alltag ständig widerspiegeln.

Nachahmung in Sozialen Netzwerken

Illustration aus "Ethik mach klick", Februar 2015. Zeichnung Tim Gaedke www.doppeltim.de Herausgeber: EU Initiative klicksafe. Diese Abbildung steht unter der Creative Commons Lizenz CC BY NC ND
Illustration aus "Ethik mach klick", Februar 2015

Soziale Online-Netzwerke wie Facebook gehören zur alltäglichen Lebenswelt von Jugendlichen. Sie dienen der Kommunikation und Orientierung. Vor allem werden sie aber auch zur Selbstdarstellung und zum Abgleichen des Selbst- und Fremdbildes genutzt: Wie sehe ich mich selbst? Entspricht das dem Bild, das andere von mir haben?

Analysen zeigen dabei, dass sich Jugendliche bei ihrer Selbstinszenierung in Sozialen Netzwerken an den Geschlechterstereotypen der Massenmedien orientieren und diese zum Vorbild nehmen. So dominieren bei den – vor allem visuellen – Selbstdarstellungen wie dem Profilbild der männlichen Jugendlichen die Eigenschaften Stärke, Dominanz, Macht und Distanziertheit. Diese sind versinnbildlicht durch teilweise nackte Oberkörper oder angespannte Arm-, Brust- oder Bauchmuskeln. Durch raumgreifende Posen sowie direkte, fokussierte Blicke kommt Überlegenheit zum Ausdruck. Damit entsprechen die männlichen Jugendlichen in hohem Maße den massenmedial vermittelten Männlichkeitsbildern. In Teilen wenden sich die Jungen auf den Fotos auch ab. Sie sind dann in sich versunken, verstecken und vermummen sich oder provozieren mit entsprechenden Gesten (Stinkefinger, geballte Faust, Gangzeichen). Durch diese Darstellungsform machen sie sich ein Stück weit unabhängig vom Betrachter: Sie erscheinen als autonome Personen, die über den Dingen stehen. Ihren Körper setzen sie dabei als deutliches Männlichkeitszeichen ein. Aber auch das Zeigen der „weiblichen“ Seite ist möglich. So ist die Darstellung des metrosexuellen „Emo-Mannes“ nicht nur in Mode- oder Streetstyle-Blogs allgegenwärtig, sondern auch in Sozialen Netzwerken zu finden.

Mädchen arbeiten dagegen stark mit den Eigenschaften Gefühlsbetontheit und Schutzbedürftigkeit, die sie durch entsprechende Körperhaltungen und wenig raumgreifende Posen ausdrücken. Zum Teil setzen sie sich attraktiv in Szene, indem sie sich in offenherzigen und erotisierenden Gesten und Posen darstellen und so die Anerkennung des anderen Geschlechts suchen.

Das Problem der Kultivierung- eine verzerrte Wahrnehmung der Geschlechterverhältnisse

Der Einfluss der Geschlechterrollenbilder reicht über das Individuum hinaus bis in die Gesellschaftsordnung hinein. Die Wirkungsforschung spricht hierbei von „Kultivierung“. Wenn Frauen kaum Expertenstatus zugeschrieben wird oder diese in Führungspositionen nicht über fachliche Kompetenz, sondern über familiäre Kontexte oder Äußerlichkeiten beschrieben werden, so kann das – im Sinne einer Kultivierung – zu einer verzerrten Wahrnehmung der tatsächlichen Geschlechterverhältnisse führen. Gleiches gilt für die Darstellungen von Männern als stark und dominant sowie von Frauen als ausschließlich emotional und fürsorglich – die Reduktion auf das traditionelle Bild „Haus – Herd – Mutter“.