Leben in der Pubertät

Auf der Suche nach sexueller Identität

Vor dem Hintergrund der biologischen, sozialen und psychischen Unsicherheiten während der Pubertät beginnt für die Jugendlichen in dieser Zeit auch die Suche nach der sexuellen Identität (die allerdings nicht nach der Pubertät enden muss, sondern ein ganzes Leben lang andauern kann). Ob Liebesbeziehungen, die Auseinandersetzung mit gleichgeschlechtlichen Orientierungen oder die Unsicherheiten rund um die ersten sexuellen Erfahrungen – Jugendliche erleben in dieser Zeit viele „erste Male“.

Lovemaps prägen früh

Die Struktur individuellen sexuellen Begehrens wird bereits ab der frühen Kindheit geprägt. Sexualität in der frühkindlichen Entwicklungsphase ist lediglich noch nicht auf das festgelegt, was wir Erwachsenen unter Sexualität verstehen, nämlich die „genitale“ Sexualität. Das kindliche Erleben von Bindungen, Beziehungen, Körper und Bedürfnissen verdichtet sich zu so genannten „intrapsychischen Skripten“, im Zusammenhang mit Sexualität spricht man von „Lovemaps“. Diese werden erst ab der Pubertät sexualisiert, also im Zusammenhang von Partnerschaft, Geschlechtsverkehr und Ansprüche an Beziehungs- und Sexualpartner wirksam. Sie werden durch neue körperlich-sexuelle und emotionale Erfahrungen fort- und umgeschrieben.

Reden- aber mit wem?

Das persönliche Gespräch ist nach wie vor eine wichtige Quelle für Sexualaufklärung. Zentrale Gesprächspartner sind dabei Mütter und Freunde, aber auch Lehrpersonen.

BZgA-Studie: Jugendsexualität 2010

Heikle Fragen werden jedoch von den erwachsenen Gesprächspartnern nur selten angesprochen, und Jugendliche sprechen sie auch nur selten von sich aus an. So scheint es fast zwangsläufig, dass sexualisierte Inhalte in den Medien, v. a. im Internet und im Fernsehen, bei Jugendlichen eine wichtige ergänzende Informationsfunktion einnehmen.

Bei Mädchen stehen dabei Printmedien (Bücher, Aufklärungsbroschüren oder Jugendzeitschriften) etwas höher im Kurs, Jungen sind empfänglicher für Bildschirmmedien.

Neue Medien als Aufklärungshelfer

Unabhängig davon, dass das Internet eine reichhaltige Quelle für Pornografie ist, können internetbasierte Angebote eine positive und ergänzende Rolle bei der Sexualerziehung einnehmen. Die hohe Affinität der Jugendlichen zum Internet ist dabei durchaus hilfreich. Ohne Hemmschwellen kann man hier Informationen zu brisanten Themen erhalten (siehe Linktipps). Eine ungerichtete Suche über populäre Suchmaschinen führt allerdings in den meisten Fällen nicht zu einer seriösen Antwort. Wahrscheinlicher ist, dass Jugendliche auf Inhalte stoßen, die sie noch mehr verunsichern und Sexualität im pornografischen Licht bloßer Technikanwendung erscheinen lässt.

Die Schere zwischen Wissen und Handeln

Trotz umfangreicher Kenntnisse über praktische Aspekte von Sexualität hat das Wissen über den eigenen Körper ebenso wenig zugenommen wie die sexuellen Aktivitäten heutiger Jugendlicher. Jugendliche haben heute im Vergleich zum Jahr 2000 den ersten Geschlechtsverkehr eher später.

Die Befürchtung einer zunehmenden Sexualisierung der Jugend im Sinne einer deutlichen Vorverlagerung und Zunahme sexueller Erfahrungen - ausgelöst durch das Internet - bestätigt sich also nicht. Die beschriebene Diskrepanz scheint aber den Effekt zu haben, dass sich Jugendlicheschon sehr früh in der Pubertät dem Druck ausgesetzt sehen, medialen Vorbildern bezüglich Sexualität und Körperbildern zu entsprechen.

Falsche und verunsichernde Vorstellungen werden weder in der Peergroup noch in den Medien korrigiert bzw. relativiert. Dazu bedarf es Erwachsener, die einen konstruktiven Zugang zur Sexualität schaffen können.

Eltern und Pädagogen/Pädagoginnen können..

  • Gesprächsräume schaffen, in denen Jugendliche reden können 
  • Jugendliche unterstützen, ein positives Selbstkonzept aufzubauen 
  • Informationen geben, Quellen der Aufklärung nennen 
  • Grenzen aufzeigen
  • helfen, Tabuisierungen aufzubrechen.

Der Einfluss der veröffentlichten Schönheits- und Schlankheitsbilder ist fatal und das Bemühen um einen Körper, der der Norm entspricht, ist meist aussichtslos. Dabei wollen Jugendliche und auch Erwachsene in erster Linie nur „normal“ sein und sich in ihrem Körper sicher fühlen. Mediale Inszenierungen dienen dabei als Orientierung. Damit Verhaltensweisen und Darstellungen in Medien nicht unreflektiert übernommen werden, sollte Jugendlichen die Möglichkeit zur Reflexion über eigene und inszenierte Körperbilder geboten werden. Der Wunsch nach körperlicher Attraktivität („Bin ich schön?“) ist eng eingebunden in die Suche nach sozialer Anerkennung („Bin ich beliebt?“). Jugendliche erproben ihre Wirkung und Beliebtheit häufig über Selbstdarstellungen in Online-Communitys, v. a. über Profilbilder und selbst angelegte Fotoalben. Sie können dabei jedoch nicht immer einschätzen, welche Reaktionen diese Darstellungen beim Betrachter auslösen, gerade wenn sie sich besonders „sexy“ präsentieren.