Probleme mit Sexting

Probleme birgt Sexting einerseits, wenn die Fotos neben der Person, für die sie gedacht waren, noch an weitere Personen verbreitet werden. Das kann versehentlich oder aus böser Absicht geschehen, z. B. dann, wenn eine Freundschaft oder Beziehung im Streit auseinanderbricht und an der/dem ehemaligen FreundIn oder PartnerIn Rache genommen wird. An der Verbreitung der Fotos sind dann meist Jungen und Mädchen gleichermaßen beteiligt. Für den Betroffenen ist es denkbar schrecklich, die intimen Fotos in den Händen von Leuten zu wissen, für die die Fotos/Videos niemals gedacht waren. Er/sie fühlt sich bloßgestellt, hat Angst vor dem Spott der anderen und traut sich meist aus Scham nicht, einen Erwachsenen ins Vertrauen zu ziehen. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Fotos Anlass für Belästigungen oder gar (Cyber-)Mobbing sind.

Probleme birgt Sexting auch dann, wenn die erotischen Fotos auf Druck des Partners oder einer anderen Person entstehen, ganz nach dem Motto „wenn du mich liebst, dann machst du das für mich” oder „wenn du das nicht tust, dann mache ich dich fertig”. In solchen Fällen liegt klar Nötigung bzw. Erpressung vor (s. Was tun, wenn´s passiert ist?).

Problematisch ist Sexting auch dann, wenn Sexting nicht Ausdruck eines ausgeprägten Körper-Selbstbewusstseins ist, sondern sich Mädchen/junge Frauen und Jungen/junge Männer zu Sexting genötigt sehen, weil sie meinen, es werde von ihnen erwartet. Dieser Eindruck kann leicht entstehen, wenn man die derzeitigen Medienbilder von Frauen- und Männerkörpern betrachtet: Vorherrschend ist, in Bezug auf Frauen, ein Körperbild mit einem starken sexuellen Bezug. Dieses Bild ist in den neuesten Musikclips von Miley Cirus, Lady Gaga und Co. ebenso präsent, wie auch in verschiedenen Werbeanzeigen. Die ProtagonistInnen zeigen meist viel Haut und werden in sexy Posen in Szene gesetzt. Da Medien für Jugendliche wichtige Impulsgeber auf dem Weg zum Erwachsenwerden darstellen, liegt es nahe anzunehmen, dass sich einige Mädchen/junge Frauen sich von diesen Darstellungen inspirieren lassen und sie der gesellschaftlichen Erwartungshaltung entsprechen wollen. Ähnliches gilt für Jungen/junge Männer: In den Medien finden sich zuhauf Bilder von athletischen, nackten Männerkörpern, die ein Ideal von Männlichkeit transportieren, das für viele männliche Jugendliche sicherlich erstrebenswert erscheint.