Was sind Pro-Ana- und Pro-Mia-Foren?

Ana und Mia sind zwei verharmlosende Bezeichnungen für Krankheiten. Die beiden Namen leiten sich ab von den medizinischen Begriffen Anorexia nervosa und Bulimia nervosa. Es handelt sich dabei um Magersucht bzw. um die so genannte Ess-Brech-Sucht. In Deutschland sind bis zu 600.000 Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren von Magersucht bedroht. Insgesamt zeigt jedes 5. Kind dieser Altergruppe Anzeichen einer Essstörung. Essstörungen finden meist in der Jugendphase ihren Beginn und sind Ausdruck der Ablehnung der Entwicklung des eigenen Körpers und der Rolle im Übergang zum Erwachsenenalter. Die Betroffenen eifern einem krankhaften Schlankheitsbild nach, indem sie bis zum Untergewicht hungern oder Phasen des Heißhungers sowie des anschließenden Erbrechens der Nahrung durchleben. Die Krankheit kann sich bis in das Erwachsenenalter hin fortsetzen: 10 bis 15% der betroffenen Erwachsenen sterben an dieser Krankheit.

Eine als problematisch zu bewertende Entwicklung findet derzeit im Internet statt. Essstörungen werden anhand verschiedener Internetinhalte als Livestyle verherrlicht und verharmlosend mit Pro-Ana und Pro-Mia bezeichnet. Oft beinhalten die Internetangebote Abbildungen von Balletttänzerinnen, Feen, Engeln oder Schmetterlingen. Diese stehen für körperliche Perfektion, Leichtigkeit und Anmut. Die Produzenten und Anhänger solcher Internetinhalte sind in der Regel junge Frauen.

Schlagworte bzw. Formen

Persönliche Homepages enthalten Parolen, Gebote, Gesetze und Glaubensbekenntnisse, die zum Einen essgestörtes Verhalten predigen und dazu aufrufen, das Abnehmen bzw. die Essstörung geheim zu halten.

Innerhalb der Internetangebote wird zur Nachahmung angeregt und das Durchhaltevermögen angesprochen: Tipps und Tricks zum Abnehmen, Ess-/Gewichtstagebücher können geführt werden, Abnehmwettbewerbe werden veranstaltet, die Suche nach „Twins“ (Abnehmpartnern) wird ermöglicht. Zudem enthalten diese Anbote Möglichkeiten zum Austausch. Der Zugang zu den geheimen Foren geschieht in der Regel durch eine persönliche Bewerbung, die dem/der Betreiber/in zugesendet wird. Voraussetzung zum Zugang in die Foren ist die Bekundigung, selbst essgestört zu sein oder den Willen dazu glaubhaft zu vermitteln. Der Austausch zwischen den Mitgliedern findet somit „hinter verschlossenen Türen“ statt.

So genannte "Thinspirations" sind Fotostrecken, die bevorzugt innerhalb von Foto- oder Videoportalen veröffentlicht werden. Zu sehen sind Abbildung von sehr dünnen bis hin zu krankhaft abgemagerten jungen Frauen, welche zudem häufig dahingegen bearbeitet werden, dass die dargestellten Frauen noch dünner aussehen. Häufig sind weibliche Stars aus Film und Fernsehen dort zu sehen, deren Schönheitsideal nachgeeifert wird. Unterbrochen werden diese Fotostrecken von Berichten aus der eigenen Essstörungs-Biographie und motivierenden Sätzen, die andere Betroffene zum Weitermachen und Durchhalten animieren sollen.

Innerhalb von Internetseiten, die essgestörtes Verhalten verherrlichen, aber auch auf Videoportalen innerhalb der Kommentare zu eingestellen Videos (Thinspirations) sind immer wieder Gesuche nach sogenannten „Twins“ zu finden. Der englische Begriff für „Zwilling“ steht hier für einen Abnehmparter, der den eigenen Abnehmprozess begleitet und währenddessen selbst abnimmt. Ziel ist es beispielsweise dabei, sich durch die erfolgreiche Gewichtsabnahme des „Twins“ zu motivieren, selbst mehr Gewicht abzunehmen, oder in schwachen Momenten motivationale Unterstützung zu erhalten.

(Quelle: jugendschutz.net)