Welche Daten Facebook sammelt – und was in ihnen steckt

Die Daten, die Facebook über den einzelnen Nutzer sammelt, lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen. Das sind erstens diejenigen Daten, die Nutzer aktiv beitragen. Bei der Registrierung sind das etwa der Name, der Wohnort, der Geburtstag, das Geschlecht und die E-Mail-Adresse. Diese Angaben sind Pflicht. Nutzer können freiwillig weitere persönliche Informationen eingeben, etwa auf welcher Schule sie waren und wo sie arbeiten. Bei der alltäglichen Nutzung von Facebook kommen viele weitere solcher Daten hinzu, etwa durch „Gefällt mir“-Angaben, Kommentare, Statusmeldungen, das Eingehen von Freundschaften, die Teilnahme an Gruppen und Veranstaltungen, Verlinkungen und Postings, die Kommunikation über die Mail- und Chat-Funktionen und vieles mehr. 

Nicht immer sind sich Nutzer bewusst, dass sie Facebook mit ihren Aktivitäten darüber hinaus weitere Informationen übermitteln. So speichert Facebook beispielsweise die Metadaten von hochgeladenen Fotos und Videos. Häufig sind das unter anderem Zeitpunkt und Standort der Aufnahme und das verwendete Gerät (Smartphone, Tablet usw.). Wer über sein Smartphone dauerhaft auf Facebook eingeloggt ist, verrät dem Unternehmen sein alltägliches Bewegungsprofil. Das ergibt eine zweite Kategorie von Daten: solche, die durch – meist automatische bzw. maschinelle – Beobachtung des Verhaltens der Nutzer gewonnen werden. Facebook kann hochgeladene Fotos zum Beispiel auch scannen und versucht automatisch zu erkennen, ob etwa lachende Gesichter, ein bestimmtes Essen oder Landschaftsaufnahmen zu sehen sind. Die vor einigen Jahren eingeführte automatische Gesichtserkennung ist nach Angaben des Unternehmens für Nutzer in Europa abgeschaltet. 

Das Beispiel der Bilderkennung zeigt, dass man als Nutzer nicht immer weiß, wie viele Informationen Facebook durch die Nutzung erhält. Das gilt umso mehr für den Ansatz, aus den vorhandenen Daten mit statistischen Mitteln neue Informationen zu extrahieren. Solche „Big Data“-Analysen zielen häufig darauf, neue Zusammenhänge (Korrelationen) in den Daten zu entdecken. Die dritte Datenkategorie sind solche, aus den vorhandenen abgeleitete Daten. Bereits unsere „Gefällt mir“-Angaben etwa verraten überraschend viel über uns. Britische Forscher konnten über eine Auswertung der „Likes“ recht treffsicher abschätzen, ob ein Facebook-Nutzer weiblich oder männlich, homo- oder heterosexuell, christlichen oder muslimischen Glaubens ist. Auch Facebook selbst durchforstet und untersucht die Nutzerdaten, gelegentlich werden einzelne dieser Untersuchungen und Experimente in der Öffentlichkeit diskutiert. So wurde beispielsweise bereits untersucht, ob viele positive oder negative Nachrichten auf Facebook zu einer „emotionalen Ansteckung” führen oder ob sich eine Liebesbeziehung zwischen zwei Nutzern aus der Struktur ihres Gesamtnetzwerks statistisch vorhersagen lässt

Um neue Informationen zu gewinnen, können zudem verschiedene Datentöpfe kombiniert werden. Nach dem Zukauf weiterer Firmen kann Facebook beispielsweise die Nutzerdaten der Fotoplattform Instagram verwenden. Im Fall des 2014 erworbenen Messaging-Dienstes WhatsApp hatte Facebook ursprünglich versprochen, die Datenbestände getrennt zu halten. Im Herbst 2016 änderte WhatsApp jedoch seine Richtlinien: Nutzungsdaten und Handynummern sollten nun auch an Facebook übertragen werden. Zwar hatte WhatsApp eine Widerspruchsmöglichkeit vorgesehen, diese wurde aber von vielen Nutzern missverstanden: Sie bezog sich nur auf die Nutzung der Daten zu Werbezwecken, nicht auf die Übertragung der Daten als solche. Nachdem Datenschützer und Verbraucherverbände in Deutschland dagegen vorgingen, soll der Datentausch seit November 2016 vorerst gestoppt sein, der Streit ist jedoch noch nicht beendet und wird derzeit vor Gericht fortgeführt (Stand Februar 2017). 

Zu den Daten, die die Firmen der Facebook-Unternehmensgruppe sammeln, gesellen sich weitere Informationen von Datenhändlern und Marktforschungsunternehmen. Wie ein Bericht des Magazins c’t festhält, nutzt Facebook in Deutschland Daten der Firmen Acxiom und Datalogix, international kooperiert es etwa mit den Unternehmen Blue-Kai, Epsilon und Quantium. Dadurch können Werbekunden Zielgruppen zusätzlich anhand von Informationen eingrenzen, über die Facebook möglicherweise noch nicht verfügt, etwa den Besitz eines bestimmten Autos. Um verschiedene Datentöpfe richtig zu kombinieren, dienen häufig E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder daraus gebildete Prüfsummen als Schlüssel.