Wie erkenne ich, ob mein Kind „computerspielsüchtig“ ist?

Inwieweit eine zeitintensive Nutzung von Computerspielen als bedenklich einzustufen ist, muss bei jedem Kind oder Jugendlichen einzeln geprüft werden. Dabei sollte nach dem „Wie“, dem „Warum“, dem „Wann“, dem „Wie oft“ und dem „Wie lange“ gefragt werden. Nicht nur die Häufigkeit des Spielens, sondern vor allem die Motivation sowie daraus folgendes geändertes Freizeitverhalten, Leistungsabfall in der Schule oder Entzugserscheinungen sind ausschlaggebende Kriterien für eine Suchtgefährdung.

Erkennen, ob eine Suchtgefahr besteht

Um einen ersten Eindruck zu bekommen, ob die Spiele-Nutzung Ihres Kindes ein Grund zur Besorgnis ist, können Sie folgende Tests bzw. Verhaltensbeobachtungen als Grundlage heranziehen. Diese sind jedoch nur als Anregungen gedacht, über das Nutzungsverhalten Ihres Kindes nachzudenken und sollten nicht als zuverlässiges Maß für eine Sucht genutzt werden. Nutzen Sie diese Materialien auch, um mit Ihrem Kind ins Gespräch zu kommen. Eine gemeinsame, verständnisvolle Auseinandersetzung mit dieser Mediennutzung ist der erste und wichtigste Schritt!

Tests

Sollten Sie nach einer ersten Beschäftigung mit diesem Thema zu dem Schluss kommen, dass Ihr Kind stark suchtgefährdet oder bereits süchtig ist, sollten Sie unbedingt weitere Informationen und professionelle Hilfe einholen!

Zentrale Merkmale einer Computerspiel-Sucht:

Nach Sabine Grüsser-Sinopoli (ehemals Universität Mainz/Charité Berlin) müssen mindestens drei Merkmale bzw. Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung in Bezug auf das Nutzungsverhalten über einen längeren Zeitraum hinweg zutreffen.

  • Einengung des Verhaltensmusters

Das Spielen wird als die wichtigste Tätigkeit empfunden und alles Verhalten wird darauf abgestimmt. Selbst in der Schule oder am Essenstisch beschäftigt sich der Spieler gedanklich überwiegend mit den virtuellen Welten. Selbst bei einst viel geschätzten Hobbys bleibt das unwiderstehliches Verlangen zu spielen erhalten.

  • Regulation von negativen Gefühlszuständen (Affekten)

Das Spielen wird als Belohnung eingesetzt, um negative Gefühle wie z. B. Stress in der Familie, schlechte Schulnoten oder Streit mit Freunden zu verdrängen.

  • Toleranzentwicklung

Die alltäglichen Probleme kehren nach dem Spiel immer wieder. Um das positive Erleben aufrechtzuerhalten, wird die Dosis gesteigert. Häufigere und immer länger werdende Spielzeiten oder extremere Spielinhalte sind Ausdruck hiervon.

  • Entzugserscheinungen

Spielt ein Betroffener nicht, kann es sogar zu  Entzugserscheinungen kommen. Diese äußern sich ähnlich wie bei stoffgebundenen Süchten durch Zittern, Schwitzen Nervosität, Unruhe und/oder Gereiztheit.

  • Kontrollverlust

Der Betroffene ist weder in der Lage, sein eigenes Spielverhalten kritisch zu hinterfragen noch zeitliche Einschränkungen durchzuhalten.

  • Rückfall

Das Spielen auf Dauer einzuschränken misslingt.

  • Schädliche Konsequenzen

Das Spielen verdrängt realweltliche Verpflichtungen. Hierzu gehören z. B. Schule oder Beruf, Freunde und andere Hobbys. Der als frustrierend empfundene Alltag verliert mehr und mehr an Reiz. Dies kann zu psychischen Problemen wie Depression führen.
Quelle: www.Internet-abc.de, In Anlehnung an S. Grüsser-Sinopoli in: Diagnosekriterien nach Grüsser, Wölfling,  Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz