Digitale Spiele in der Jugendarbeit

Was gilt es zu beachten?

Digitale Spiele sind schon seit längerem Thema in der Jugendarbeit. Viele Institutionen schaffen sich entsprechende Geräte an, um dem Wunsch von Kindern und Jugendlichen nachzukommen, in der Freizeit gemeinschaftlich spielen zu wollen. Beim Umgang mit diesem Freizeitinteresse stehen zwei Kernfragen im Mittelpunkt:

  • Rechtliche Aspekte: Was ist unter Jugendschutzaspekten zu beachten und welche rechtlichen Regelungen zu Computerspielen und LAN-Events gibt es?
  • Pädagogische Aspekte: Wie können digitale Spiele sinnvoll in die (medien-)pädagogische Arbeit eingebunden werden bzw. in wie weit sollte sich Jugendarbeit auf digitalen Spiele einlassen?

Rechtliche Aspekte

Erzieher und Pädagogen kennen es nur zu gut: Kaum befindet sich ein Computer oder eine Konsole in der Einrichtung, schon bringen Kinder und Jugendliche ihre Lieblingsspiele von zu Hause mit und wollen sie voller Stolz vorführen. Hier ist besondere Vorsicht geboten:

  • Zum Einen müssen Sie darauf achten, dass es sich hierbei nicht um eine Raubkopie handelt und gegen das Urheberrecht verstößt. 
  • Zum Anderen dürfen in Jugendeinrichtungen digitale Spiele nur dann genutzt werden, wenn sie eine dem Alter entsprechende Kennzeichnung der USK tragen (siehe Alterskennzeichnungen). Minderjährigen ein nicht altersgerechtes Spiel zugänglich machen zu dürfen ist allein den Eltern vorbehalten. Da in einer Jugendeinrichtung meist Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters sind, muss zudem gewährleistet sein, dass Jüngere keinen Einblick auf das Geschehen auf dem Bildschirm haben – selbst wenn sie nicht aktiv spielen. Eine Zuwiderhandlung kann strafrechtliche Konsequenzen haben.

Was tun, wenn ein Spiel kein Alterskennzeichen der USK trägt?
Hier ist Vorsicht geboten. Es kann sich z. B. um ein älteres Spiel oder um einen Import aus dem Ausland handeln. Im Schlimmsten Fall ist dieses Spiel indiziert oder gar verboten und gehört keinesfalls in die Hände Minderjähriger. Eine Recherche im Internet (z. B. bei der USK oder bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) kann hilfreich sein.

Worauf muss man bei Online-Spielen achten?
Viele Jugendeinrichtungen verfügen über geringe technische Möglichkeiten. Computer eignen sich oftmals nur zu Internet-Spielen mit geringen Systemanforderungen. Sind diese ausschließlich online verfügbar und nicht auf einem Datenträger veröffentlicht (z. B. CD-Rom, DVD-Rom), unterliegen sie keiner Kennzeichnungspflicht seitens der USK (siehe hier). Ob ein Spiel im Internet altersgerecht ist, müssen Sie als Erziehungsverantwortlicher eigenmächtig entscheiden. Daher sollten Sie sich umfassend über das jeweilige Produkt informieren und auch mal selbst einen Blick auf das Geschehen werfen, bevor Sie ein Spiel Kindern und Jugendlichen zugänglich machen.

Was muss man bei der Durchführung von LAN-Partys beachten?
LAN-Partys sind der Renner in der jugendlichen Computerspiel-Szene. Spieler treffen sich räumlich und vernetzen ihre Rechner, um mit- bzw. gegeneinander zu spielen. Jugendliche fragen vermehrt auch in Jugendeinrichtungen nach, ob sie dort eine LAN-Party veranstalten dürfen.

Auch hier muss der Jugendschutz gewährleistet sein. Dies bedeutet, dass auf den Computern und Konsolen keine Spiele angeboten werden dürfen, die nicht altersgerecht sind. Wenn z. B. ein Spiel, welches gemäß der USK-Kennzeichnung ab 16 Jahren freigegeben ist, auf einer LAN-Party gespielt werden soll, auf der auch jüngere Jugendliche anwesend sind, so muss dies in einem separaten Raum geschehen, der nur unter Nachweis des entsprechenden Alters betreten werden darf. Auf die sichere Seite begibt man sich als Veranstalter, wenn man nur Spiele anbietet, die für das Alter aller Teilnehmer geeignet sind. So sollte man bereits im Vorfeld gemeinsam mit den Spielern eine Auswahl an geeigneten Titeln erstellen und sich darüber im Internet informieren. Gerade weil sich viele kommerzielle Anbieter von LAN-Partys rechtlich absichern, indem sie ihre Veranstaltungen ausschließlich Erwachsenen zugänglich machen, ist es umso wichtiger, auch Kindern und Jugendlichen ein solches altersgerechtes Angebot zu machen. Zudem gilt es noch weitere gesetzliche Richtlinien zu beachten:

  • die Gewährleistung der Aufsichtspflicht,
  • die Aufenthaltsdauer von Kindern und Jugendlichen bei öffentlichen Veranstaltungen,
  • der Verbot von Alkohol und Tabak in der Öffentlichkeit
  • die geltenden Vorschriften zum Urheberrecht.

Pädagogische Aspekte

Kinder und Jugendliche brauchen Bereiche, in denen sie Erwachsenen von virtuellen Erfahrungen berichten und darüber ergebnisoffen reflektieren können. Jugendarbeit kann genau solch ein Bereich sein. Als Erzieher oder Pädagoge muss man digitale Spiele nicht lieben lernen, man sollte sie allerdings auch nicht pauschal fürchten oder verurteilen. Vielmehr gilt es, das Freizeitinteresse von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen und zu verstehen. Hinzu kommt das nötige kritische und distanzierte Beurteilungsvermögen der Inhalte und nicht zuletzt ein gewisses Maß an kreativen Ideen für ansprechende Projekte, die über den bloßen Konsum hinausgehen. Ziel sollte es sein, gleichsam für Kinder, Jugendliche und Eltern ein ernst genommener Partner zu sein. Wo elterliche Sorge und Fürsorge fehlen, dort kann die Jugendarbeit reagieren, indem sie problematische Entwicklungen erkennen und thematisieren kann.