Moral und Ethik in digitalen Spielen

Unter Moral verstehen wir Handlungsrichtlinien und Grundsätze für Gemeinschaften, die sich seit Menschengedenken entwickelt haben und sich zunächst als Gebote und Verbote in Religionen, später teilweise in Gesetzestexten niedergeschlagen haben. Beim Verstoß gegen dieses Wertesystem wird mit irdischen Strafen wie Gefängnis oder sogar göttlichen Sanktionen gerechnet. Vermutlich würde ohne diese Konsequenzen kein geregeltes und friedliches Leben möglich sein. Moralische Fragen gehen aber über simple Handlungsrichtlinien hinaus und betrachten einen weitreichenderen Verhaltenskodex: Wie verhalte ich mich gegenüber Schwachen und Armen? Welche Einstellung besitze ich gegenüber Krieg und Gewalt? Selbstverständlich werden auch sexuelle Moralvorstellungen mit in diesen Verhaltenskodex einbezogen. Die Philosophie befasst sich in der Teildisziplin Ethik mit derartigen Fragestellungen.

Gerade im Zusammenhang mit Computer- und Videospielen werden ethisch-moralische Fragestellungen vielfach und durchaus kontrovers diskutiert. Alleine die Gewaltdebatte in digitalen Spielen ist im Kern eine Diskussion, die sich auf moralische Werte stützt, wie wir mit der Darstellung von Gewalt umgehen sollen. 

Es gibt viele Spiele, die einen militärischen Hintergrund oder reale Kriegsszenarien als Thema haben. Durch die Schrecken zweier Weltkriege haben wir uns zu einer friedlichen, einer so genannten post-heroischen Gesellschaft entwickelt. Daher werden Kriegsspiele in Form von Spielzeug, Paintball oder digitalen Spielen als moralisch fragwürdig angesehen. Hier werden zum einen die Aktionsebene (aktives mitwirken an virtueller Gewalt) und die Inhaltsebene (Krieg, Gewalt, Zerstörung) von digitalen Spielen kritisiert.

Auf der Inhaltsebene können des Weiteren ethisch-moralische Grundsätze bei der Darstellung von digitalen Figuren eine Rolle spielen. Wie werden Helden, Schurken und Ethnien dargestellt? Welches Frauenbild vermitteln bestimmte Bildschirmspiele und welchen Einfluss hat dies? Welche stereotype Rollenbilder, welche Klischees oder welche Vorurteile werden damit bedient oder sogar entkräftet? Und da man Bildschirmspiele oder Medien als Spiegelbild der Gesellschaft ansehen kann, welche Rückschlüsse sind dadurch zu ziehen?

„Was ist richtig, was ist falsch?“ Moralische Fragestellungen werden auch vermehrt als spannendes Spielelement genutzt. Entscheidungsfreiheit ist hier das Stichwort. Sie zwingen Spielende zu schwierigen Entscheidungen, die auch die Handlung nachhaltig beeinflussen können. Ethische Konflikte und Grenzerfahrungen inklusive. Sogar moralische Gewissensentscheidungen werden dem Spieler gezielt abverlangt. Das kann als Versuch verstanden werden, den Spielen mehr Tiefe, aber auch etwas Lebenswirklichkeit beizumessen und so den oberflächlichen Geschichten und Figuren mehr Kontur zu geben.