Stereotype Rollenmuster in digitalen Spielen

Der Begriff „Stereotype“ beschreibt die Ordnung immer wiederkehrender Muster oder Verhaltensweisen. Aufgrund dieser Verhaltensweisen bilden Menschen Kategorien, um sich gegenüber anderen Menschen, Volksgruppen, Kulturen etc. abzugrenzen und den „Anderen“ vereinfacht darzustellen. Diese Kategorien entstehen durch das menschliche Bedürfnis, die Umwelt vorauszubestimmen und ordnen zu wollen, zur Festigung von Stereoptypen. So entstehen Klischees über andere Men-schen, oft aber auch Vorurteile, die nur schwer wieder aus dem kollektiven Bewusstsein einer Gesellschaft herauszubekommen sind. Die Begriffe „Stereotype“, „Klischees“ und „Vorurteile“ werden manchmal synonym verwendet.

Schon von klein auf werden wir auf vielfältige Weise mit bestimmten Rollenbildern konfrontiert. Mama ist Zuhause und Papa geht Geldverdienen. Jungs spielen mit blauen Autos und Mädchen mit rosa Puppen. Jungs bekommen Spielzeugritter, Mädchen eine Puppenküche geschenkt. Dies zeigt, wie geschlechtsspezifische Rollenbilder von klein auf vermittelt und dadurch schnell zu festen Denkschemata werden.

Welchen entscheidenden Einfluss Medien auf Stereotypisierung von Volksgruppen haben, sieht man am Beispiel der nordamerikanischen Ureinwohner. In zahlreichen Western wurde das Bild des edlen Wilden, der auf seinem Pferd über die Prärie reitet und unter Kriegsbemalung die armen weißen Siedler in einem Blutrausch nicht nur tötet, sondern auch skalpiert, gefestigt. Inzwischen wissen wir, dass das Skalpieren eine Erfindung der Weißen war. Geblieben ist aber trotzdem das verklärte „Winnetou-Bild“.

Genau genommen ist es also ein gesamtgesellschaftliches Problem, dass bestimmte Kulturen, Nationen, Geschlechter, Kategorien usw. mit bestimmten Bildern assoziiert werden. Diese in unserer Gesellschaft geprägten Rollen werden natürlich auch über die populären digitalen Spiele in Form von Helden, Schurken und Frauen transportiert.

Früh machten Ostfriesen- und Schottenwitze die Runde, obwohl man keine Ostfriesen oder Schotten kannte. Viele dieser Witze sind harmlos, können aber auch beleidigend, sogar diskriminierend werden. In Kriegsspielen waren bspw. Nazis gern gesehene Schurken, dann Russen und nun sind, der weltpolitischen Wetterlage angepasst, oftmals Araber die Bösen.

Das andere Extrem ist, wenn bestimmte Vorstellungen von Schönheit, Gesundheit und Stärke generiert werden. Einen großen Einfluss bei der Bildung von solchen Stereotypen besitzt die Werbeindustrie. Auf Plakaten lächelnde Traumfrauen zeigen ihre makellosen Körper, muskulöse Männer trinken, dem Sonnenuntergang entgegen segelnd, Bier. So wird ein Schönheitsideal propagiert, das der gewöhnliche Mensch kaum erreichen kann, auch wenn er noch so viel Parfüm und Make-Up benutzen würde und noch weniger Essen zu sich nimmt. Sendungen wie z. B. Casting-Shows verstärken dieses illusorische Denken und vermitteln jungen Menschen ein verzerrtes Bild von Schönheit.

Diese konstruierten Bilder haben sich auch in Bildschirmspielen niedergeschlagen, vor allem seit es technisch möglich ist, Figuren realistisch anmutend abzubilden. Allerdings nutzen viele Entwickler die technischen Möglichkeiten, um ein eher überzeichnetes Bild von Helden, Schurken und Frauen zu zeichnen. Aber bei genauerem Hinsehen können dadurch Rückschlüsse auf bestehende gesellschaftliche Zustände oder Veränderungen abgeleitet werden.

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