Gewalt in digitalen Spielen

Wenn Außenstehende sich Ausschnitte von gewalthaltigen Spielen anschauen, schütteln sie oftmals nur ungläubig mit dem Kopf. Wieso spielen so viele Menschen eine Gangster-Karriere nach (GTA V), nehmen am Krieg gegen russische Ultranationalisten teil (Call of Duty Modern Warfare 2), kämpfen gegen gefährliche Drachen (Dragon Age: Inquisition) oder wehren sich gegen herannahende Zombies (Resident Evil 5)?

Inwieweit digitale Spiele den Nutzer aggressiv machen, ist aufgrund unterschiedlicher Forschungsergebnisse durchaus nicht einfach zu beantworten. Dass digitale Spiele einen Einfluss auf Kinder und Jugendliche haben, ist mittlerweile unter deutschen wie internationalen Forschern unumstritten. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Nutzung von Gewaltspielen und der direkten Ausübung von realer Gewalt ist jedoch nicht erwiesen. Die Forscher sehen vielmehr soziale und familiäre Ursachen als gewichtigen Anstoß, die zu jugendlichen Gewalttätern führen. Wer Gewalt in der Familie erlebt, neigt demnach eher dazu, Gewalt gegenüber anderen Menschen anzuwenden. Bei den Amokläufern von Erfurt und Winnenden spielte zudem die Verfügbarkeit von Schusswaffen eine entscheidende Rolle.

Tipps zum Thema Gewalt in digitalen Spielen

Für Eltern

  • Versuchen Sie nicht zu verallgemeinern und vermeiden Sie Begriffe wie „Killerspiele“ – damit verhärten Sie bloß die Positionen 
  • Besuchen oder organisieren Sie eine Eltern-LAN – mit eigenen Erfahrungen können Sie gegenüber Ihrem Kind glaubhafter argumentieren
  • Halten Sie sich an die Alterskennzeichen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle
  • Erkundigen Sie sich über Spiele die Sie nicht kennen und die kein Alterskennzeichen besitzen 
  • Sprechen Sie mit anderen Eltern über Gewalt in Spielen und über die Alterskennzeichen – ansonsten können ihre Kinder Verbote problemlos bei ihren Freunden umgehen 
  • Besuchen Sie einen Elternabend zum Thema Computerspiele 
  • Sprechen Sie früh mit Ihren Kindern über das Thema Medien und Gewalt 
  • Erkundigen Sie sich, ob das Thema Medien und Gewalt an der Schule Ihrer Kinder thematisiert wird 

Für Pädagogen

Ein interessantes medienpädagogisches Projekt bietet der Pädagoge Jens Wiemken an, der mit seinem Hardliner-Ansatz Jugendliche zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihrem Alltagsmedium erziehen möchte. Hierzu spielt er mit ihnen die gewalthaltigen Games real nach und diskutiert die Folgen mit den Teilnehmern. Jens Wiemken hat für diesen Ansatz 2009 eine Auszeichnung der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur der Bundesrepublik Deutschland e.V. (GMK) erhalten.