Was können Eltern & Pädagogen tun?

Achten Sie auf die Alterskennzeichnung 
Spiele, die von der USK keine Jugendfreigabe erhalten, haben in den Händen von Kindern nichts verloren. Die gewalthaltigen Inhalte dieser Spiele, ihre z. T. ausgeprägten Darstellungen von Brutalität, können Kinder und Jugendliche verstören. Zudem befinden sich die Heranwachsenden in einer sensiblen Entwicklungsphase, in der sich Normen und Einstellungen, z. B. im Hinblick auf Aggression, erst ausprägen. Deshalb gilt: Erkundigen Sie sich über Spiele, die Sie nicht kennen, besonders wenn diese kein anerkanntes Alterskennzeichen besitzen. Dies gilt besonders für Online und Mobile Games.

Sprechen Sie über die Spiele
Suchen Sie das Gespräch mit älteren Geschwistern, die diese Spiele vielleicht schon spielen dürfen und erklären Sie ihnen Ihre Haltung. Sprechen Sie mit den Eltern der Freunde Ihrer Kinder und tauschen sie ihre Erfahrungen aus, damit in deren Haushalten nicht die von Ihnen abgelehnten Spiele gespielt werden. Erkundigen Sie sich auch, ob das Thema „Medien und Gewalt“ in der Schule Ihrer Kinder thematisiert wird.

Diskutieren Sie über Gewalt
Wie viele andere Medien sind auch digitale Spiele kein Selbstzweck, sondern bieten immer wieder Gelegenheit, sich mit anderen Themen auseinander zu setzen. Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Kinder bestimmte Spiele wegen ihres gewalthaltigen Inhalts spielen, könnten Sie dies auch in einen allgemeineren Rahmen einbetten, in dem über mediale Gewalt an sich oder die Frage „Wie gehen wir in der Familie miteinander um?“ diskutiert wird. Versuchen Sie nicht zu verallgemeinern und vermeiden Sie Begriffe wie „Killerspiele“ – damit verhärten Sie bloß die Positionen. Achten Sie darauf, welches Vorbild Sie Ihren Kindern in Bezug auf den Konsum von Mediengewalt geben (z. B. in Bezug auf Gewalt im Fernsehen). Wichtig ist, dass Sie eine klare Position beziehen und sie im Gespräch mit Ihren Kindern erklären. Wenn Sie daraufhin Regeln vereinbaren, sollten Sie diese auch konsequent durchsetzen. Vielleicht wird ein Kompromiss dadurch möglich, dass Sie andere (digitale) Spiele oder spannende Freizeitbeschäftigungen als Alternativen vorschlagen. 

Versuchen Sie, die Faszination nachzuempfinden
Ein generelles Verbot von Spielen mag Ihren Kindern als ungerechtfertigt erscheinen. Das kann daran liegen, dass sie als Spieler eine ganz andere Wahrnehmung von einem Spiel haben. Wenn Sie keine eigenen Erfahrungen mit den Spielen gemacht haben, kann das eigene Ausprobieren eines Spiels vielleicht Ihre Wahrnehmung und Einstellung verändern. Es gibt verschiedene Anbieter von Veranstaltungen (z. B. sogenannte Eltern-Lans), auf denen Eltern die bei den Heranwachsenden beliebten Spiele kennen lernen können.

Vermeiden Sie Pauschalurteile
Lassen Sie sich nicht von den – teilweise sehr emotional geführten – Debatten anstecken, die in den letzten Jahren über digitale Spiele geführt wurden. Kein Kind, das in einem liebevollen familiären Rahmen und mit einem funktionierenden Freundeskreis aufwächst, wird allein durch digitale Spiele zum Gewalttäter. Genauso wenig werden Spiele oder Lernsoftware allein dazu führen, dass Kinder klüger werden oder bessere Berufschancen haben. Wenn es einen Lernerfolg in digitalen Spielen gibt, dann bleibt dieser zumeist auf die Spiele selbst beschränkt: Was in einem digitalen Spiel erfolgreich angewendet wurde, hilft bei der Bewältigung des nächsten Spiels eines Genres. 

Ist eine pädagogische Arbeit mit Gewaltspielen möglich?
Ein interessantes medienpädagogisches Projekt bietet der Pädagoge Jens Wiemken an, der mit seinem Hardliner-Ansatz Jugendliche zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihrem Alltagsmedium erziehen möchte. Hierzu spielt er mit ihnen die gewalthaltigen Games real nach und diskutiert die Folgen mit den Teilnehmern. Jens Wiemken hat für diesen Ansatz 2009 eine Auszeichnung der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur der Bundesrepublik Deutschland e.V. (GMK) erhalten.