Quellenkritik und Bewertungskompetenz - Das Rüstzeug für junge Netzbürger

Junge Internetnutzer sehen sich heute bei ihrer Onlinerecherche einer Flut an Informationen gegenüber, die es zu sortieren und bewerten gilt, will man sie sinnvoll einsetzen. Suchmaschinen leisten zwar eine Vorsortierung, eine Beurteilung von Webseiten können Suchmaschinen aber nicht leisten. Im besten Falle landen Seiten, die offensichtlich unzureichende Informationen beinhalten, durch das Ranking der Suchmaschine auf den hinteren Listenplätzen und werden selten bis kaum angesteuert. Doch nicht jede Seite, die auf den vorderen Listenplätzen erscheint, enthält automatisch brauchbare Informationen. Junge Internetnutzer müssen lernen, für sie unbekannte Informationen zu bewerten. Die Fähigkeiten zur Quellenkritik und eine Bewertungskompetenz sind also Teil des Rüstzeugs, mit denen junge Internetnutzer ausgestattet sein sollten.

Verifizierung von Informationen durch Jugendliche - Ergebnisse der JIM-Studie 2010

In der JIM-Studie 2010 (in der analog zur KIM-Studie der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest seit 1998 den Umgang mit Medien von Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren erforscht) wurden Jugendliche danach gefragt, welche Nachrichtenquellen im Internet sie als besonders glaubwürdig einstufen. Ganz konkret wurden sie gefragt, auf welcher Website sie Informationen verifizieren würden, wenn sie im Internet unterschiedliche Darstellungen dazu finden. Ein Viertel der Jugendlichen würde die Internetseiten von Zeitungen und Zeitschriften wie spiegel-online.de, bild.de oder sueddeutsche.de aufsuchen, für ein knappes Fünftel wären die Suchmaschinen erste Anlaufstation. Danach folgen die Seiten von Internetprovidern wie T-Online sowie die der öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten. Nur für ein Zehntel wären im Zweifelsfall die Darstellungen bei Wikipedia entscheidend. Der hohe Rang von Internetsuchmaschinen erstaunt, denn Suchmaschinen stellen keine eigenen Inhalte bereit, sondern verlinken nur auf mehr oder weniger glaubwürdige Quellen.

Mit steigendem Bildungsabschluss werden vor allem die Printmedienportale, aber auch die Internetseiten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zur Überprüfung von Meldungen herangezogen. Jugendliche mit niedrigem Bildungsstand suchen eher unspezifisch in Suchmaschinen oder tun sich generell schwerer mit einer Verifizierung durch Quellenvergleich.

Wie kommen falsche informationen ins Netz?

Das Internet und seine Web-2.0-Anwendungen bieten viele Möglichkeiten des Austauschs, der Partizipation und der Selbstdarstellung. Dies bedeutet aber auch, dass jeder, der möchte, Inhalte im Netz veröffentlichen kann. Wikis, Blogs, Soziale Netzwerke, Mikroblogging-Dienste und private Websites bieten die Möglichkeit für alle Internetnutzer, ihre Meinungen zu äußern und Texte und Bilder zu veröffentlichen. Doch nicht alle Informationen sind richtig („Halbwissen“), und über Sinn und Unsinn von manchen Informationen lässt sich sicherlich streiten („Informationsmüll“).
Auch die bewusste Streuung von falschen Informationen ist ein bekanntes Problem. Extremistische Gruppierungen beispielsweise verfälschen gezielt historische Daten und Tatbestände. Für junge Menschen sind solche Inhalte schwer einzuschätzen. Wie sollen Kinder und Jugendliche also erkennen, welche Informationen richtig sind und welche falsch, wenn es sogar für Erwachsene schwer ist, dies zu beurteilen? Die folgenden Überprüfungskriterien können dabei helfen.

Weiterführende Links

Infobroschüre für Jugendliche zu Rechtsextremismus und den Mechanismen rechtsextremer Propaganda im Netz von jugenschutz.net.

In den letzten Jahren begegnet Jugendlichen beim Surfen vermehrt islamistische Propaganda, weitere Informationen finden sich ebenfalls bei jugendschutz.net unter dem Stichwort "Politischer Extremismus".

Glaubwürdigkeits-Check

1. Die Identität des Verfassers bzw. Betreibers
Wer zeichnet für den Inhalt einer Webseite verantwortlich? Ist ein Impressum vorhanden? Macht sich der Autor durch weitergehende Informationen über seine Person nachvollziehbar (z.B. durch Angabe von Beruf, Arbeitsplatz, Art seiner Ausbildung o.Ä.)? Lässt sich die Identität des Verfassers oder Betreibers nicht ohne weiteres ermitteln, z.B. durch ein Impressum, dann ist Vorsicht geboten.

2. Der Hintergrund des Verfassers bzw. Betreibers
Welche weiteren Referenzen kann der Verfasser aufweisen? Erscheinen die angegebenen Referenzen plausibel? In welchem Umfeld wurde die Webseite oder der Text veröffentlicht? Ist die Seite privat oder z.B. in den Webauftritt einer Universität, öffentlichen Institution oder eines bekannten Unternehmens eingebunden? Hierüber kann die Adresse der Webseite unter Umständen Aufschluss geben. Bei deutschen Webseiten kann man auch unter www.denic.de den Domaininhaber der Seite erfahren. Bei Webseiten mit ungewöhnlicher Domain-Endung (z.B .vu oder .to) sollte man ebenfalls aufpassen.

3. Objektivität
Wie sachlich sind die Texte einer Webseite verfasst? Was hat den Autor veranlasst, den Text zu verfassen? Sind Quellen und weiterführende Links angegeben? Texte, die sich unsachlich und stark emotional äußern bzw. aus Aneinanderreihung von Behauptungen bestehen, die nicht weiter belegt sind, eignen sich nicht als Quelle verlässlicher Informationen.

4. Aktualität der Webseite
Wird die Webseite regelmäßig aktualisiert? Ist überhaupt irgendwo ein Datum zu sehen? Wird die Webseite regelmäßig gewartet? Befindet sich eine große Zahl ungültiger („toter“) Links auf der Seite kann das ein Hinweis darauf sein, dass sie nicht regelmäßig überarbeitet wird. Bei nicht-aktualisierten Seiten kann der Inhalt veraltet sein.

5. Technische/optische Qualität der Webseite
Wie professionell wirkt die Webseite? Ist sie klar und übersichtlich strukturiert? Wird sie korrekt im Browser angezeigt und funktioniert sie in allen Teilbereichen? Sollte es zu Anzeigefehlern im Browser kommen, kann das ein Hinweis auf mangelnde Qualität einer Seite sein.

6. Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen
Für die Glaubwürdigkeit einer Webseite spricht auch, wenn sie sich an rechtliche Vorgaben hält. So müssen alle kommerziellen Diensteanbieter in Deutschland bestimmte Pflichtangaben wie Name, Anschrift, Rechtsform, Handelsregister-Nummer, E-Mail-Adresse usw. leicht auffindbar auf der Webseite hinterlegen, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat. Anbieter von journalistischen Inhalten, in denen teilweise Angebote von Druckerzeugnissen wiedergegeben werden (z.B. www.kicker.de oder www.bravo.de), müssen auch einen redaktionell Verantwortlichen benennen.

7. Einbettung der Seite in das Themengebiet
Viele Seiten geben Links zu anderen Seiten und/ oder Portalen an. Lassen sich auf den verlinkten Seiten Rückverlinkungen zu der ursprünglich besuchten Seite finden? Gibt es vielleicht auf anderen Seiten Meinungsäußerungen zu der besuchten Webseite? Wie wird die Seite von anderen Internetnutzern bewertet?

Weiterführender Link:
Glaubwürdigkeitsanalyse von Internetseiten: Überlegungen und ein didaktisches Konzept
(Verfasser: Peter Kührt)

Suche nach Links

Wenn man in Google [link:Seitenname] eingibt, also z. B. [link:klicksafe.de], bekommt man die Seiten aufgeführt, die auf die eingegebene Webseite verlinkt haben.