Rechtsextremismus im Netz: Zahlen und Fakten im Überblick

01.02.2013 |
Rund 25.000 Personen in Deutschland werden laut Verfassungsschutz dem rechtsextremen Lager zugeordnet. Und zunehmend nutzt die Szene die Mitmachmöglichkeiten des Social Web für ihre Zwecke: Dabei werden auch die Sozialen Netzwerke als Propaganda-Instrument missbraucht. Zum Safer Internet Day am 5. Februar rückt die EU-Initiative klicksafe das Thema „Rechtsextremismus im Netz“ in den Mittelpunkt. Ein Fakten-Überblick:

Rechtsextreme Webinhalte nehmen immer stärker zu
Mehr als 7.000 rechtsextreme Videos und Profile wurden in den vergangenen Jahren gezählt, darunter mehr als 2.000 Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen. Im Jahr 2011 wurden 1.671 rechtsextreme deutschsprachige Websites dokumentiert. (Quelle: jugendschutz.net)

NPD nutzt das Internet um Jugend anzuwerben
Im Jahr 2011 wurden 238 Web-Angebote von NPD-Verbänden bzw. von Gruppierungen und Einzelpersonen mit Bezug zur NPD dokumentiert. Auch die sogenannten „Schulhof-CDs“, mit denen die NPD Jugendlichen rechtsextremes Gedankengut vermitteln möchte, sind online verfügbar. (Quelle: jugendschutz.net)

Rechtsextremes Gedankengut wird zunehmend online ausgetauscht
Im Netz gibt es zahlreiche neonazistische Online-Communitys (2009 wurden mehr als 90 verzeichnet, mit bis zu mehreren hundert Gesinnungsgenossen aus der gesamten Bundesrepublik). Die Mitglieder nutzen die Plattformen zum Tausch von rechtsextremer Musik, Bildern und Schriften. Ein 2007 gegründeter, rechtsextremer Blogging-Dienst  ermöglicht seinen Usern bspw. das Erstellen eigener Blogs, die ohne großen Aufwand täglich aktualisiert werden können und somit als Informationsplattformen über rechtsradikale Aktivitäten dienen. (Quelle: jugendschutz.net)

Rechtsextreme missbrauchen das Social Web für ihre Zwecke
Rechtsextremisten nutzen die interaktiven Möglichkeiten des Web 2.0 und verbreiten ihr Gedankengut über unpolitische Plattformen wie Facebook, YouTube und Twitter. Kinder und Jugendliche können leicht mit rechtsextremen Inhalten in Kontakt kommen, auch wenn sie nicht danach suchen. (Quelle: jugendschutz.net)

„Rassismus der Mitte“
Laut einer 2011 publizierten Studie des Soziologen Wilhelm Heitmeyer sind hierzulande fast 37 Prozent der Bevölkerung der Auffassung, dass bestimmte soziale Gruppen nützlicher seien als andere. Fast 30 Prozent finden, dass eine Gesellschaft sich Menschen, die wenig nützlich sind, nicht leisten kann. (Quelle: Langzeitstudie „Deutsche Zustände“, 2011)

Rechsextremes Weltbild vor allem im Osten sehr verbreitet
Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2012 haben knapp 16 Prozent der Ostdeutschen ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. Dabei fällt besonders die Zustimmung unter den jungen Ostdeutschen auf. Offensichtlich werden in Krisenzeiten (wachsende soziale Ungleichheit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Euro-Schulden-Angst usw.) gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus begünstigt. (Studie „Die Mitte im Umbruch“, 2012) 

Die rechte Szene in Deutschland
Rund 25.000 Personen werden in Deutschland nach Angaben des Bundesverfassungsschutzes dem rechtsextremen Lager zugeordnet. Rund 10.000 davon gelten als gewaltbereit, sprechen sich also deutlich für die Anwendung von Gewalt aus. Die bekannteste rechtsextreme Gruppierung ist die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Sie heißt heute „NPD – Die Volksunion“, da sie 2011 mit der Deutschen Volksunion (DVU) fusionierte. Sie hat rund 7.000 Mitglieder (laut Verfassungsschutzbericht 2011). Die Jugendorganisation der Partei nennt sich „Junge Nationaldemokraten“ (JN) und hat etwa 500 Mitglieder. (Über die laufende Diskussion über ein Verbot der NPD enthält die Seite der Bundeszentrale für politische Bildung unter „Schwerpunkt: Debatte um NPD-Verbot“ ausführliche Informationen.) (Quelle: klicksafe Unterrichts-Modul: Rechtsextremismus hat viele Gesichter, S. 16)

klicksafe (www.klicksafe.de) ist eine Initiative im Safer Internet Programme der Europäischen Union für mehr Sicherheit im Internet. klicksafe wird gemeinsam von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz (Koordination) und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) umgesetzt.

 

klicksafe ist Teil des Verbundes der deutschen Partner im Safer Internet Programme der Europäischen Union. Diesem gehören neben klicksafe die Internet-Hotlines internet-beschwerdestelle.de (durchgeführt von eco und FSM) und jugendschutz.net sowie das Kinder- und Jugendtelefon von Nummer gegen Kummer (Helpline) an.

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