Likee

"Likee - Es lässt Sie strahlen", so präsentiert sich die Konkurrenz der Kurzvideo-App TikTok. Auch wenn die App Likee in Deutschland noch nicht so präsent ist wie TikTok, sorgt sie beispielsweise in China oder den USA bereits für großen Wirbel in Bezug auf Jugendschutz und unangebrachte Inhalte. Sie sollten Likee also nicht außer Acht lassen.

Was ist Likee?

Mit der Kurzvideo-App können iOS- und Android Nutzer:innen kurze Clips drehen, mit mehr als 2000 Spezialeffekten bearbeiten und online teilen. Die Videoclips sind nach der Veröffentlichung auf dem eigenen Profil und in verschiedenen Ranglisten zu finden. Ebenfalls ist es möglich, sie direkt live zu übertragen. Um sich die Videos anzuschauen, ist kein Likee-Account notwendig. Die Live-Übertragung bietet die Möglichkeit, in Echtzeit mit den Zuschauer:innen zu interagieren. Man kann zusätzlich mit Nutzer:innen in der näheren Umgebung chatten oder Videos teilen. Wenn man den eigenen Standort freigibt, werden einem alle Clips im eigenen Umkreis angezeigt.

Durch die Verknüpfung mit weiteren Social-Media-Plattformen, wie Instagram und Facebook, ist es einfach, sich schnell ein Gesamtbild über eine Person zu verschaffen. Diese Verknüpfung oder die eigene Handynummer ist zudem notwendig, um sich bei der App zu registrieren.
Sollte man keines von beidem tun, ist die App nur eingeschränkt nutzbar. Man kann sich die Inhalte anderer Nutzer:innen anschauen und nach verschiedenen Schlagworten suchen, man kann allerdings nicht interagieren.

Altersbeschränkung und eingeschränkter Modus

Die Altersbeschränkung für die Registrierung liegt bei 16 Jahren. Jüngere Nutzer:innen benötigen das Einverständnis eines Erziehungsberechtigten. Die Funktion Live- Streaming darf man laut AGBs von Likee erst ab 18 Jahren nutzen. Wenn man bei der Registrierung angibt, dass man jünger als 16 Jahre alt ist, wird seit Ende 2020 direkt ein eingeschränkter Modus eingestellt. Man kann sich nur noch Videos anschauen und auf anderen Social-Media-Plattformen teilen.

Für die Nutzer:innen unter 16 Jahren ist Folgendes nicht mehr möglich:

  • Videos hochladen
  • Nachrichten erhalten oder versenden
  • Kommentare abgeben und sehen
  • Videos mit „Gefällt mir“ markieren
  • Eine Live-Übertragung starten
  • Das eigene Profil bearbeiten
  • Geschenke versenden

Dieser eingeschränkter Modus soll Kinder und Jugendliche vor ungewollter Kontaktaufnahme von Fremden schützen, allerdings können sie auch im beschränkten Modus Inhalte anderer Nutzer:innen sehen.

Belohnungssystem und In-App-Käufe

Wie die meisten Social-Media-Netzwerke, versucht auch die App Likee ihre Nutzer:innen so lange wie möglich innerhalb der App zu halten. Hierfür werden dementsprechend möglichst viele Reize geschaffen. Durch eine Art Belohnungssystem klettert man mit steigender Follower:innenzahl und Beliebtheit auf einer Rangliste nach oben und kann so neue Spezialeffekte freischalten. Somit setzt die App einen besonderen Anreiz, immer mehr zu posten und zu zeigen. Neben dem Belohnungssystem kann man die zusätzlichen Effekte auch kaufen. Bei Likee sind laut dem Playstore so genannte „In-App-Käufe“ von bis zu 100 Euro möglich. Um das Ganze etwas undurchsichtiger zu gestalten, gibt es eine plattforminterne Währung (Bohnen), die auf echtem Geld basiert.

Achtung AGB

Auch bei der App Likee sollte man bei den AGBs nicht, wie so oft, auf „Akzeptieren und weiter“ klicken, sondern genauer hinsehen.

Folgende Punkte in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind problematisch (Stand März 2021):

  • Sie werden nur in englischer Sprache angezeigt
  • Man gibt vollständig seine Rechte an den Videos ab und erlaubt sie in jeder Art und Weise zu bearbeiten, weiter zu verbreiten und zu veröffentlichen.
  • Likee spricht sich von der Prüfung aller hochgeladenen Daten frei.

Risiken der App-Nutzung auf einen Blick

  • Keine wirksame Kontrolle des Mindestalters
  • Jugendgefährdende Inhalte
  • Verletzung der Privatsphäre: Man gibt alle Rechte an seinen Inhalten ab.
  • Der mögliche Aufstieg in verschiedenen Ranglisten kann das Suchtpotential steigern.
  • Cybergrooming (Kontaktanbahnung durch Fremde)
  • Cyber-Mobbing
  • Kostenfalle In-App-Kauf

Tipps für Eltern

Wenn Sie Ihrem Kind die Nutzung von Likee dennoch erlauben möchten, dann sollten Sie Folgendes beachten:

  • Richten Sie den Likee-Account gemeinsam mit Ihrem Kind ein. Achten Sie darauf, dass das korrekte Alter angegeben wird, damit die Jugendschutzmaßnahmen der App greifen. Ihr Kind kann diese Einstellungen im Nachhinein nicht mehr ändern und die App nur im eingeschränkten Modus benutzen.
  • Klären Sie über die Risiken, wie zum Beispiel jugendgefährdende Inhalte, Cyber-Mobbing oder Cybergrooming auf und bleiben Sie im Gespräch über die Nutzungserfahrungen. Signalisieren Sie, dass Sie jederzeit ansprechbar sind, wenn Probleme auftauchen.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind den Hilfebereich der App und die Meldemöglichkeiten für unangemessene Inhalte.