Yubo

„Yubo – Make new friends“, damit wirbt die Social-Media-App aus Frankreich, die sich an junge Menschen aus aller Welt richtet. Etwa 40 Millionen Nutzer:innen verzeichnete die App nach eigenen Angaben im Oktober 2020 weltweit. Vor allem im Zuge der Corona-Pandemie stieg die Zahl der Nutzer:innen. Problematisch ist u.a., dass Funktionen von Yubo an Dating-Apps für Erwachsene erinnern, weshalb Kritiker:innen von „Tinder für Teens“ bzw. „Tinder für Kinder“ sprechen. Wir stellen vor, was Eltern über die App wissen sollten.

Was ist Yubo?

Yubo ist eine kostenlose „Social-Livestreaming-App“ für Android- und Apple-Smartphones, die sich vor allem an Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, aber auch junge Erwachsene zwischen etwa 18-25 Jahren richtet. Jugendliche und Erwachsene werden auf Grundlage des angegebenen Alters getrennt. Sie sollen also nur mit Menschen in der eigenen Altersgruppe in Kontakt treten können. Junge Menschen aus der ganzen Welt können sich in der App kennenlernen, chatten und Live-Videos aufnehmen. Yubo-Nutzer:innen können außerdem Fotos hochladen, ihren Standort teilen (um andere Nutzer:innen in der Nähe zu finden) und persönliche Informationen in der „Biographie“ veröffentlichen (z.B. Interessen, den Instagram-Namen usw.). Starten Nutzer:innen ein Live-Video, können sich bis zu 10 weitere Nutzer:innen dazu schalten und im Chat miteinander kommunizieren. Es ist auch möglich, dass Nutzer:innen YouTube-Videos live streamen und sich dazu austauschen.

Über thematisch sortierte Gruppen/Communitys (z.B. Kunst, Sport, Beauty, LGBTQ+ usw.) finden Nutzer:innen Menschen mit ähnlichen Interessen. Ein anderer Weg, Freunde in der App zu finden, ist das sogenannte „Swipen“, das man auch von Dating-Plattformen wie Tinder oder Lovoo kennt. Dabei werden einem Nutzer:innen aus der Nähe bzw. Nutzer:innen mit ähnlichen Interessen vorgeschlagen. Durch ein Wischen nach rechts oder links entscheidet man, ob man in Kontakt treten möchte.

Neben dem Kommunizieren gibt es die Möglichkeit, mit Anderen in der App integrierte Spiele zu spielen. Yubo bietet durch die Kooperation mit Snapchat zudem die Möglichkeit, mit den beliebten Snapchat-Filtern Fotos zu bearbeiten oder diese direkt in Live-Übertragungen anzuwenden.

Risiken der App auf einen Blick

  • Keine verlässliche Altersüberprüfung
  • Fake-Profile
  • Rechte an allen hochgeladenen Inhalten werden komplett an die App-Inhaber übertragen
  • Durch Standortfreigabe und Live-Streams besteht die Gefahr, zu viel von sich preiszugeben
  • Erhöhter Druck auf Jugendliche (Selbstdarstellung) durch „Swipe“-Funktion
  • Cyber-Mobbing
  • Ungewollte Kontaktaufnahme, sexuelle Belästigung und Cybergrooming (Kontaktanbahnung durch fremde Erwachsene)
  • Kostenfallen durch In-App-Käufe

Altersbeschränkung

In den App-Stores wird Yubo mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren gekennzeichnet. Die Altersbeschränkung laut den allgemeinen Geschäftsbedingungen der App liegt jedoch bei 13 Jahren. Nutzer:innen zwischen 13 und 17 Jahren benötigen, wie bei vielen anderen Social-Media-Plattformen, das Einverständnis eines Erziehungsberechtigten. Ob diese vorliegt, wird allerdings nicht überprüft.

Swipe-Funktion

Zwar gibt Yubo an, keine Dating-App zu sein, bedient sich aber ähnlicher Funktionen. Nutzer:innen können sich andere Profile ansehen und durch ein Wischen nach rechts oder links angeben, ob sie Interesse an der Person haben. Ob jemand nach rechts gewischt wird, hängt stark davon ab, ob diese Person, gemessen am Profilbild, als attraktiv empfunden wird, denn dieses steht im Fokus der Funktion. Jugendliche, die sich in einer Phase befinden, in der das Selbst- und Fremdbild eine große Rolle spielt, können dadurch leicht unter Druck geraten, sich besonders perfekt darzustellen.

Achtung AGBs

Die Nutzungsbedingungen einer App klickt man gerne mal schnell weg. Hier ist auch bei Yubo Vorsicht geboten. Nutzer:innen und deren Eltern sollte bewusst sein, in welche AGB man einwilligt.

Folgende Aspekte innerhalb der Nutzungsbedingungen sind besonders problematisch (Stand: September 2020):

  • Der Benutzername sowie alle Inhalte, die in der App ausgetauscht werden (Fotos, Videos, Stimme, Texte), können von der Yubo-Entwickler-Firma Twelve App bearbeitet, verbreitet und veröffentlicht werden - auch zur Vermarktung der App.
  • Die französischen Betreiber:innen sind gemäß französischem Recht nicht verpflichtet, rechtswidrige Inhalte zu überprüfen. Nutzer:innen können solche Inhalte lediglich melden.
  • Wer seinen Standort freischaltet, muss sich darüber im Klaren sein, dass alle damit verbundenen Daten (z.B. auch Bewegungsprofile) gespeichert und weiterverarbeitet werden können. Andere Nutzer:innen der App können je nach Einstellung sehen, in welcher Stadt oder in welchem Land man lebt.

In-App Käufe

Yubo wirbt damit, eine kostenlose App zu sein, allerdings bietet die App kostenpflichtige Features sowie einen kostenpflichtigen Premiumzugang. Mit dem sogenannten „Power Pack“-Premium-Abo sollen Nutzer:innen mehr Möglichkeiten haben, wie zum Beispiel überprüfen zu können, welche Nutzer:innen einen selbst „nach rechts“ gewischt, also Interesse bekundet haben.

Tipps für Eltern

Wenn Sie Ihrem Kind die Nutzung von Yubo erlauben möchten, dann sollten Sie Folgendes beachten:

  • Richten Sie den Yubo-Account gemeinsam mit Ihrem Kind ein und richten Sie zusammen die Sicherheitseinstellungen, insbesondere zur Standortfreigabe, ein.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Risiken, wie z.B. ungewollte Kontaktaufnahme, Cybergrooming oder Cyber-Mobbing sowie auch über persönliche Inhalte, die nicht hochgeladen werden sollten.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind den Hilfebereich und die Meldemöglichkeiten für unangemessene Inhalte oder Fake-Profile in der App.