Abzocke und Kostenfallen im Internet

Abofallen, Phishing-Mails und Fake-Shops ­- Auch im Internet versuchen trickreiche und kriminelle Anbieter ihren Nutzern auf unterschiedliche Weise das Geld aus der Tasche zu ziehen.

In diesem Bereich erhalten Sie allgemeine Informationen zu dem Thema Abzocke im Internet. Außerdem erhalten Eltern hier Tipps für Ihre Medienerziehung.

Allgemeine Informationen

Wie funktioniert Abzocke im Internet?

Die Angebote sind so gestaltet, dass deren Nutzung auf den ersten Blick kostenlos erscheint. Gleichzeitig lockt oft die Teilnahme an einem tollen Gewinnspiel, bei dem hohe Preise zu gewinnen sind. Tatsächlich muss man entweder Gebühren bezahlen oder an man schließt ohne es zu merken ein kostenpflichtiges Abonnement ab.

Beispiel: Es wird damit geworben, dass man der 100.000 Besucher der Website ist und eine von 10 Spielkonsolen gewinnen kann. Andere geben vor, auf „wissenschaftlich getesteter“ Basis das zu erwartende Lebensalter oder den Intelligenzquotienten ermitteln zu können. Auch mit angeblich kostenlosen Einkaufsgutscheinen wird geworben. Das funktioniert auch über SMS, WhatsApp oder andere Apps. Der Nutzer muss auch viele persönliche Informationen angeben wie Name, Postanschrift, Telefonnummer, um die gewünschten Informationen den Preis oder den Gutschein zu erhalten. Auch diese werden weiterverkauft und man wird mit Werbung und Spam belästigt.

Diese Angebote sind häufig eine Täuschung. Das ist aber schwer zu erkennen, vor allem Kinder haben bei dem Aufdecken von Abzocke und Kostenfallen Probleme. Im Kleingedruckten wird die Täuschung häufig aufgedeckt. Das findet man jedoch kaum, weil es gut versteckt ist und schwer zu verstehen ist.

Dagegen kann man sich aber wehren. Die Anbieter dieser Seiten wissen genau, dass sie vor Gericht kaum eine Chance hätten und versuchen daher die Nutzer durch Mahnungen oder Inkassoschreiben zur "freiwilligen" Zahlung zu bewegen. Die Verbraucherzentrale kann hier helfen.

<u>Wie funktioniert die Abzocke bei Apps?</u>

Besondere Vorsicht gilt auch bei Apps und digitalen Spielen. Häufiger sind diese in einer Basisversion kostenlos. Über zusätzliche Käufe, die beim Nutzen der App angeboten werden (bei Apps heißen diese In-App-Käufe, also Käufe „aus der App heraus“) können aber zusätzliche Kosten entstehen. Häufig kann man die Apps nur sinnvoll weiternutzen, wenn man diese In-App-Käufe tätigt. Die App ist also letztendlich nicht kostenlos. Das weiß man aber vorher nicht. Auch bei Spiele-Apps für Kinder sind In-App-Käufe häufig.

Worauf sollte man achten bevor man sich bei einem Angebot registriert?

Grundsätzlich gilt, je größer die Wörter „kostenlos“, „gratis“, Gewinnspiel oder Clubmitgliedschaft angepriesen werden, desto größer sollte auch Ihre Vorsicht sein. Spätestens wenn Sie aufgefordert werden, Ihre persönlichen Daten anzugeben, sollte Sie auf folgende Punkte achten:

  • Werfen Sie unbedingt einen Blick ins Kleingedruckte (AGB), auch wenn diese schwer zu verstehen sind. Schauen Sie, ob sich dort ein Kostenhinweis versteckt.
  • Gehen Sie mit Ihren persönlichen Daten grundsätzlich sparsam um!
  • Bevor Sie per Mausklick Ihre Anmeldung bestätigen, lesen Sie die Vertragsbedingungen gewissenhaft. Stehen dort die Wörter (Mindest-) Vertragslaufzeiten oder Kündigungsfristen, ist Vorsicht geboten. Diese Begriffe deuten auf eine längere vertragliche Bindung.
  • Suchen Sie das „Impressum“. Dort stehen Informationen über den Anbieter der Seite. Gibt es kein Impressum oder steht dort nur ein Postfach oder sitzt der Anbieter im Ausland, kann es schwierig sein, Ihre Rechte durchzusetzen.
  • In Deutschland haben Sie ein Widerrufsrecht von 14 Tagen, wenn Sie etwas im Internet kaufen. Das heißt, während dieser Zeit können Sie vom Vertrag zurücktreten. Der Anbieter muss Sie darauf klar hinweisen. Ist dies auf der Seite, auf der Sie kaufen wollen so? Wenn nicht, dann haben Sie sogar mehr Zeit, vom Vertrag zurückzutreten.
  • Achten Sie beim Ausfüllen von Formularen, dass kein ungewolltes Kästchen schon vorher aktiviert ist, bevor Sie „weiter“ klicken. Auch auf ein Sternchen (*) müssen Sie achten und nachlesen, was dieses Sternchen bedeutet. Meistens ist dies ganz klein auf der Seite beschrieben.

Fake Shops

Besondere Vorsicht ist bei sogenannten „Fake-Shops“ geboten. Auf den ersten Blick sind diese Online-Shops meist nur schwer als betrügerisch zu erkennen. Manchmal handelt es sich sogar um identische Kopien von real existierenden Online-Händlern. In der Regel sind Fake-Shops nur kurz online und werben über seriös wirkende Webseiten mit besonders günstigen Preisen.

So können Sie sich helfen:

  • Schauen Sie auf die Preise. Sind diese erheblich günstiger als bei allen anderen Shops sollten Sie misstrauisch sein.
  • Fehlt das Impressum oder gibt es im Impressum keine Kontaktmöglichkeit, sollten Sie ebenfalls misstrauisch sein.
  • Schauen Sie auf die Kundenbewertungen. Insbesondere Bewertungen außerhalb des Shops sind aussagekräftig.
  • Seinen Sie auch vorsichtig, wenn zunächst viele Bezahlmöglichkeiten angeboten werden, aber während des Bestellvorganges nur die Vorauskasse, Direktüberweisung und der Versand per Nachnahme übrigbleiben. Bei diesen Zahlungsmethoden ist es schwieriger, das Geld im Nachhinein bei Schwierigkeiten mit dem Anbieter zurückzubekommen.

Ihr Recht bei Online-Abzocke

Seit 2012 gibt es ein neues Gesetz. Es wird die „Button-Lösung“ genannt. Das Gesetz besagt, dass für den Nutzer eindeutig zu erkennen sein muss, ob es sich um ein kostenpflichtiges oder gebührenfreies Angebot handelt. Bei kostenpflichtigen Internetangeboten muss im Bestellvorgang vor Kauf ein Bestellbutton mit dem klaren Hinweis „zahlungspflichtig bestellen“ oder einer vergleichbaren eindeutigen Formulierung versehen sein. Auch müssen die Kosten und etwaige Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen transparent sein. Fehlt ein solcher Hinweis, kommt kein rechtswirksamer Vertrag zustande. 

Für Minderjährige gilt: Je nach Alter sind sie geschäftsunfähig bzw. nur beschränkt geschäftsfähig. Deshalb sind die Verträge so lange schwebend unwirksam, bis die Eltern den Kauf genehmigen.

Es ist passiert – und nun?

Sind Sie Opfer einer Online-Abzocke geworden oder weigert sich der Händler Ihre Rechte als Käufer zu respektieren, ist ein Beratungsgespräch mit den örtlichen Verbraucherzentralen, einer Migrationsberatung, einer Sozialberatung oder mit dem Anwalt ratsam.

Was sind Phishing-Mails?

Internetnutzer werden immer häufiger Opfer von Phishing-Mails. Phishing ist abgeleitet von dem englischen Wort "fishing", also dem "Fischen" mit einem Köder. Es bedeutet, dass Betrüger im Internet sensible Daten wie Kreditkarten-Nummern, PINs, TANs oder Passwörter "abfischen" wollen. Diese Betrüger wollen also die Internetnutzer ausspionieren und ihre Daten missbrauchen.

Die Internetbetrüger übernehmen die Identität von seriösen Firmen. Ihre E-Mail oder ihre Internetseite sieht aus wie die E-Mail oder Internetseite von seriösen Banken oder Internetshops. In der Phishing-Mail werden Sie aufgefordert, eine Internetseite zu besuchen (durch Klicken auf einem Link in der Email) und dort ihr Passwort oder ihre persönliche Daten einzugeben. In Wirklichkeit sind Sie auf der Internetseite von Betrügern, die nun Ihre Daten erhalten – ohne dass Sie die Spionage bemerken.

So erkenne ich eine Phishing Mail:

  • Es wird nach vertraulichen Daten wie Passwörtern, PINs, TANs gefragt. Keine seriöse Bank wird Sie dazu per Email auffordern.
  • Es wird häufig vorgetäuscht, dass z.B. amazon, ebay oder eine große Bank sein Abrechnungssystem ändert. Das ist ein deutliches Phishing-Warnsignal.
  • Der Text der E-Mail ist mit verschiedenen Schriftarten und Schriftgrößen formatiert. Bilder (z.B. Logos) werden verwendet und/oder der Hintergrund hat eine andere Farbe.
  • In der E-Mail wie auch auf der Webseite finden sich Grammatik- und Rechtschreibfehler.
  • Oftmals kommt die E-Mail auch von einer „komischen“ Absenderadresse oder wird in Kopie (E-Mail in Kopie (CC)) an viele weitere Empfänger geschickt.
  • Die E-Mail ist nicht auf Deutsch geschrieben.
  • Sie werden in der E-Mail nicht persönlich mit Ihrem Namen angesprochen.
  • Ein deutliches Warnsignal ist, wenn sich in der E-Mail ein Hinweis findet, dass die Daten innerhalb einer knappen Frist eingegeben werden müssen.

Tipp: Finden sich im Anhang der verdächtigen E-Mail Dateianhänge, so sollten Sie diese keinesfalls öffnen. Das können Schadprogramme sein, die Ihre Passwörter auf dem PC auslesen.

<u>Was tun, wenn ich eine Phishing-E-Mail bekommen habe?</u>

Wenn Sie die E-Mail als Phishing Email erkannt haben, dann löschen Sie die E-Mail und setzen Sie den Absender auf die Spamliste, also blockieren Sie ihn. Eventuell können Sie die seriöse Firma, deren Name missbraucht wurde, informieren.
Haben Sie die E-Mail nicht als Phishing Email erkannt und haben Sie persönliche oder Bankdaten auf der angegebenen Internetseite eingegeben, sollten Sie schnell handeln: 

Grundsätzlich gilt:

  •  Beobachten Sie Ihr Konto regelmäßig. Gibt es Abbuchungen, die Sie nicht zuordnen können? Sprechen Sie die Bank an und lassen Sie Ihr Konto vorläufig sperren. Die Bank kann eventuell die vom Betrüger getätigte Überweisung rückgängig machen.
  • Informieren Sie die seriöse Firma, deren Name missbraucht wurde. Lassen Sie Ihren dort eingerichteten Account als Vorsichtsmaßnahme vorläufig sperren.

Tipps für Eltern

Tipp 1: Sprechen Sie mit ihrem Kind über die Themen „Werbung und „Kommerz“ im Internet

Versuchen Sie gemeinsam, Werbebotschaften und -absichten im Netz kritisch zu hinterfragen. Schauen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, woran man Werbung auf Internetseiten oder in Apps erkennen kann. Üben Sie den Umgang mit Werbung (schließen von Werbefenstern, schließen von neuen Fenstern, wenn auf Werbeanzeigen geklickt wurde, usw.). Auch vor, zwischen oder nach Internetvideos wird Werbung geschaltet. Zunehmend wird darüber hinaus in Videos (beispielsweise auf YouTube) offen oder eher verdeckt auf bestimmte Produkte hingewiesen. Einzelne YouTube-Kanäle haben bei Kindern und Jugendlichen regelrechten Kultstatus und die Moderatoren sind echte Stars. Und entsprechend großes Gewicht haben die dort gezeigten Inhalte.

Broschüre „Kinder und Onlinewerbung“
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Broschüre „Werbung und Kommerz im (mobilen Internet)“

Tipp 2: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Abzocke und Kostenfallen im Netz

Klären Sie Ihr Kind über mögliche Kostenfallen und finanzielle Risiken, die im Internet lauern, auf. Informieren Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind, über dieses Thema. Will jemand Geld von Ihrem Kind, legen Sie schriftlich Widerspruch ein und senden Sie den Brief als Einschreiben mit Rückschein. Die Verbraucherzentrale und Anwälte helfen Ihnen dabei, den Brief richtig zu formulieren. Versuchen Sie, gemeinsam mit Ihrem Kind aus diesem „Tappen in die Kostenfalle“ zu lernen.

Thema „Vorsicht Falle – Betrug im Internet“ von klicksafe und iRights.info
Die Verbraucherzentralen
Musterbriefe für Widerrufsschreiben der Verbraucherzentrale

Tipp 3: Vereinbaren Sie, was für Anmeldungen und die Eingabe persönlicher Daten gilt

Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass es bei Anmeldungen im Internet und bei der Eingabe von persönlichen Daten vorsichtig sein soll. Vereinbaren Sie je nach Alter des Kindes klare Regeln, beispielsweise dass Ihr Kind Sie vor der Installation einer App oder bei jedem Download vorher fragen muss.

Tipp 4: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über In-App-Käufe, ungewollte Abos und Kosten für Onlinespiele

Immer häufiger sind Apps oder Onlinespiele in einer Grundversion zunächst kostenlos. Über Zusatzkäufe (bei Apps heißen diese In-App-Käufe, also Käufe „aus der App heraus“) können aber weitere Spielinhalte oder Funktionen dazu gekauft werden. Auch wenn diese einzeln gesehen keine hohen Kosten verursachen, können durch die Zahl der Käufe insgesamt schnell auch Beträge jenseits des Taschengelds Ihres Kindes entstehen. Bei jüngeren oder noch unerfahrenen Kindern sollten In-App-Käufe und Mehrwert-Dienste gesperrt werden.

Broschüre „Smart mobil?!“
In-App-Käufe für Jugendliche beim Handysektor

Tipp 5: Richten Sie Computer, Laptop und andere Geräte sicher ein

Installieren Sie ein Virenschutzprogramm, einen Malware-Scanner und eine Firewall und halten Sie auch das Betriebssystem durch Sicherheitsupdates auf dem neuesten Stand. So finden schädliche Programme nicht unbemerkt den Weg auf Ihren Rechner.