Datenschutz – Tipps für Eltern

WhatsApp, Facebook oder Instagram sind bei Kinder und Jugendlichen überaus beliebt. Wer hier nicht mit dabei ist, bekommt vieles, was im Freundeskreis passiert nicht oder zu spät mit. Zudem ist es spannend zu sehen, wie andere auf die eigene Darstellung reagieren. Darum geben Aufwachsende häufig zu viel von sich preis. Elterliche Ratschläge wie „Verrate nicht zu viel von dir, das Internet vergisst nie!“ stoßen bei ihnen auf Unverständnis. Sie erwidern, dass sie sich doch nur mit Freunden austauschen und nichts vor ihnen zu verbergen haben. Und so glauben viele Kinder und Jugendliche, Datenschutz sei langweilig und gehe sie nichts an.

 Aber auch Erwachsene sind im Umgang mit persönlichen Daten nicht immer das beste Vorbild. Dabei ist es im Zeitalter von Smartphones, Onlinebanking, Onlineshopping und großen Datenschutzskandalen wichtiger denn je, persönliche Informationen und Inhalte zu schützen.

 Flyer „Datenschutz-Tipps für Eltern“ in Russisch, Türkisch und Arabisch*

Tipp 1: Datenschutz macht Sinn

Informationen wie Name, Adresse oder Telefonnummer nennt man auch personenbezogene Daten. Viele unterschiedliche Daten werden von jedem Internetnutzer gesammelt und Firmen können sie dann wie Puzzlestücke zu einem großen Ganzen zusammensetzen. In der Summe verraten sie viel über eine Person. Firmen verdienen mit diesen Daten viel Geld. Aber auch Betrüger versuchen im Internet an sensible Daten zu gelangen, um sie für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Datenschutz und Datensparsamkeit machen also Sinn. Dies sollte auch jüngeren Internet- und Handynutzern klar sein!

Tipp 2: Datenschutz ist Ihr gutes Recht

Durch das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ sind persönlichen Daten (wie Name, Adresse, Telefonnummer) in Deutschland sogar per Gesetz vor unerlaubter Verwendung geschützt. Niemand darf Ihre Daten ohne Ihre Einwilligung speichern, veröffentlichen oder weitergeben. Eine Einwilligung kann z.B. durch Zustimmung zu den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eines Angebotes während der Anmeldung erfolgen.

Bei Fotos und Filmen gibt es das Recht am eigenen Bild: Nur die abgebildete Person darf entscheiden, welche Aufnahmen von ihr veröffentlicht oder verbreitet werden. Ausnahmen gibt es u. a. für Aufnahmen, auf denen man Teil einer Menschenmenge oder nur "Beiwerk" ist. (Beispiel: Jemand fotografiert den Kölner Dom und Sie sind zufällig im Bild.)

Übrigens: Bei Kindern bis sieben Jahren dürfen die Erziehungsberechtigten allein für das Kind entscheiden. Zwischen acht und 17 Jahren kommt es auf den Entwicklungsstand des Kindes an. Es darf mitentscheiden, wenn es reif genug ist.

Im Alltag vergisst man dies häufig, darum sind folgende Tipps wichtig:

  • Tauschen sie sich regelmäßig mit Ihrem Kind über veröffentlichte und verschickte Inhalte aus.
  • Veröffentlichen Sie keine Baby- oder Kinderfotos/filme – Ihr Kind wird es Ihnen später danken!
  • Fragen Sie es, bevor Sie Aufnahmen Ihres Kindes verbreiten.

Mehr Informationen in arabischer Sprache zu dem Thema finden Sie in dem Kapitel „Rechte im Internet – was ist erlaubt und was nicht?“                         

Tipp 3: Jeder hat ein Recht auf Datenschutz

Ihr Kind sollte nicht nur die eigenen, sondern auch die Rechte anderer beachten. Denn: Jeder hat ein Recht am eigenen Wort und am eigenen Bild. Absolut verboten ist es, falsche Daten über jemanden zu verbreiten. Das wäre Rufschädigung und kann strafbar sein.

Tipp für Ihr Kind: Beachte auch die Rechte anderer! Also keine Bilder, Filme oder private Infos von anderen ins Netz stellen oder mit Apps verschicken – außer du hast ihre Erlaubnis. Und selbst wenn du dies einmal vergisst, frage dich vor dem Versenden: Wie fändest du es, wenn andere solche Inhalte von dir verbreiten? Wie würde es dir dabei gehen? Könnte der Inhalt von anderen missverstanden werden? Wenn du nicht sicher bist, lass es lieber.

Im iRights-Bereich auf klicksafe.de und auf www.irights.info finden Sie weitere Infos zu Persönlichkeitsrechten und anderen Rechten in der digitalen Welt.

Tipp 4: Elektronische Datenspuren hinterlässt man auch unbemerkt

Jeder Internet- und Handynutzer hinterlässt Datenspuren – häufig ohne es zu merken. Auch dies sollten Sie mit Ihrem Kind besprechen. Zwei Beispiele:

  • Viele vor allem kostenlose Handy-Apps greifen auf persönliche Daten wie die Kontakte oder den aktuellen Standort zu – auch wenn dies für die Funktionen der App nicht notwendig ist. Diese App-Berechtigungen sollten deshalb genau geprüft werden.
  • Auch Betriebssysteme von Tablets, Smartphones oder Computern können sehr "datenhungrig" sein. Hier sollte man nicht vorschnell allen Standardeinstellungen zustimmen und sich genau informieren: Welche Daten werden an den Anbieter übertragen? Welche braucht er tatsächlich, damit Sie die Seite nutzen können? Erklären Sie dies auch Ihrem Kind. Sie können versuchen, in der Datenschutzerklärung nach Informationen zu suchen, wie der Anbieter der Seite mit Ihren Daten umgeht.

Tipp 5: Umsonst ist nicht kostenlos

Viele Apps, Suchmaschinen oder Soziale Netzwerke sind auf den ersten Blick kostenlos. Tatsächlich ist es aber so, dass die eingegebenen Daten ausgewertet und für Werbung genutzt werden. Zwei Beispiele von vielen:

  • Ihr Kind besucht die Seite eines Filmstars und sieht später dazu passende Werbung. Dies kann an Cookies ("Kekse") liegen. Das sind kleine Dateien, die automatisch beim Surfen auf dem Computer gespeichert werden. Damit können Unternehmen Ihre Internetnutzung beobachten und Ihre Interessen herausfinden.
  • Einige E-Mail-Anbieter "lesen" die Inhalte von E-Mails automatisch nach Schlüsselwörtern aus, um dem Nutzer dazu passende Werbung zu senden.

Tipp: Erklären Sie Ihrem Kind, dass auch seine Daten Geld wert sind und dass es ebenso auf seine Daten aufpassen muss wie auf sein eigenes Geld. Erklären Sie Ihrem Kind, dass ein Klick auf Werbung zu problematischen Inhalten führen kann. Mehr Informationen in arabischer Sprache zu dem Thema finden Sie in dem Kapitel „Abzocke und Kostenfallen“.

Tipp 6: AGB und Co. – Was der Anbieter mit den Nutzerdaten machen darf

Die meisten Webseiten und Apps verfügen über Allgemeine Geschäftsbedingungen (kurz AGB). In dieser erfährt man, was mit den Nutzerdaten passiert, was gespeichert, weitergegeben oder für Werbung genutzt wird. Und mit einer Anmeldung stimmt man diesen Richtlinien automatisch zu!

Es ist schwer, diese Texte zu verstehen. Entsprechend häufig werden diese ungelesen akzeptiert. Trotzdem lohnt es sich, hier genauer hinzuschauen.

Tipp: Verabreden Sie mit Ihrem (jüngeren) Kind, dass Sie neue Internetangebote oder Apps vorab gemeinsam anschauen und prüfen. Sagen Sie Ihrem Kind, dass es sich bei Fragen jederzeit an Sie wenden kann.

Tipp 7: Nicknames nutzen – unerkannt surfen

Ein guter Nickname („Deckname“) kann dabei helfen, im Internet unerkannt zu surfen. Der Deckname darf nicht auf echte Daten hinweisen, wie das Alter/Geburtsjahr. Ihr Kind kann den Nicknamen zum Beispiel in Chats, Foren oder Messengern benutzen.

Tipp für Ihr Kind: Verstecke Dich nicht hinter einem Nickname, um andere zu beleidigen. Dies könnte sogar strafbar sein.

Tipp 8: „Onlineruf“ regelmäßig prüfen

Überprüfen Sie den "Onlineruf" Ihres Kindes regelmäßig in verschiedenen Suchmaschinen. Zeigen Sie Ihrem Kind, wie dieser geprüft werden kann. In Sozialen Netzwerken sollte man Profile von Bekannten nach eigenen Inhalten durchsuchen und bei Bedarf um Entfernung bitten.

Tipp: Bei Facebook kann mit der Funktion "Anzeigen aus der Sicht von..." überprüft werden, wie die eigene Chronik für andere Personen aussieht.

Tipp 9: Verhalten in Sozialen Medien: Erst denken, dann senden!

Prüfen Sie, ob Ihr Kind schon genug Erfahrung hat, um Messenger oder Soziale Netzwerke zu nutzen und achten Sie auf das Mindestalter des Angebots (z.B. WhatsApp erst ab 16 Jahren). Vereinbaren Sie, welche Inhalte im Internet ohne Probleme weitergegeben werden können – und welche eher privat bleiben sollten.

Geben Sie Ihrem Kind folgende Tipps:

  • Einmal versendete Inhalte kann man nicht mehr im Internet löschen. Sie tauchen immer wieder auf. Überlege deshalb vor dem Absenden: Wie willst du dich anderen (im schlimmsten Fall) für immer zeigen? Würde ich dies meiner Oma sagen oder zeigen?
  • Ein Foto darf ruhig auch mal lustig sein. Allzu peinliche, freizügige oder beleidigende Fotos haben im Internet aber nichts zu suchen. Dies gilt auch für extreme oder verletzende Kommentare.
  • Überlege auch, was eine Gruppenmitgliedschaft über dich aussagt. Die Gruppe „Schule schwänzen“ ist keine gute Werbung für dich. Hassgruppen, in denen andere gezielt beleidigt werden, gehen gar nicht.
  • Sei sorgsam mit deinen Daten: Lass Anschrift, Handynummer oder E-Mail-Adresse weg und gebe sie nicht an andere weiter.
  • Überprüfe regelmäßig deine Privatsphäre-Einstellungen. Wenn du etwas nicht verstehst, frage deine Eltern oder ältere Geschwister.
  • Auch strenge Privatsphäre-Einstellungen schützen nicht davor, dass “Freunde“ Daten oder Fotos kopieren oder weiterleiten.
  • Nutzt du Soziale Netzwerke oder Messenger mit deinem Smartphone? Dann achte darauf, Bilder, Videos und Infos nicht vorschnell zu verbreiten. Dies gilt besonders für Angebote, die in Echtzeit senden (wie z.B. YouNow).

Auf www.mediennutzungsvertrag.de können Sie mit Ihrem Kind Regeln für die Mediennutzung in einem gemeinsamen Vertrag festlegen.
Tipps zu Messengern und Sozialen Netzwerken gibt es im klicksafe-Flyer „Sicherer in Sozialen Netzwerken: Tipps für Eltern“.

Tipp 10: Richtig reagieren bei Datenmissbrauch

Sagen Sie Ihrem Kind, dass es sich bei solchen Problemen immer an Sie wenden kann.

  • Ist bekannt, wer die Inhalte veröffentlicht hat? Dann fordern Sie diese Person schriftlich dazu auf, die Inhalte bis zu einer von Ihnen festgelegten Frist zu entfernen.
  • Wenn dies nichts bringt oder nicht möglich ist, wenden Sie sich an den Betreiber der Internetseite. Setzen Sie auch hier eine Frist. Sie finden die Kontaktdaten im Impressum oder unter www.whois.net und www.denic.de. In Sozialen Netzwerken gibt es spezielle Melde-Buttons.
  • Ist auch dies erfolglos, kann man sich bei Bedarf an einen Anwalt wenden. Auch die Datenschutzaufsichtsbehörde Ihres Bundeslandes kann je nach Situation helfen oder Ansprechpartner vermitteln.
  • In schlimmen Fällen (schwere Beleidigungen, sehr problematische Bilder, die schnell entfernt werden sollen, ...) sollten Sie auch die Polizei einschalten.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass es auch Freunde und Bekannte informiert, wenn es im Internet seltsame oder peinliche Fotos und andere Infos von sich findet.

Die Unterstützung durch Familie, Freunde und Mitschüler ist für das betroffene Kind sehr wichtig! Stehen Sie Ihrem Kind bei und schimpfen Sie nicht mit ihm. Wenn unerwünschte Inhalte Ihres Kindes auf Handys in der Schule verbreitet werden, wenden Sie sich mit Ihrem Kind an die Schule. Gemeinsam kann dann ein Vorgehen abgestimmt werden.


Weitere Informationen gibt es im iRights-Bereich auf klicksafe.de (u. a. in den Schwerpunkten 1 und 8) sowie in der klicksafe-Broschüre „Ratgeber Cyber-Mobbing“.

Tipp 11: So sind die Daten Ihrer Familie gesichert

  • Benutzen Sie sichere Passwörter und nicht immer dasselbe. Passwörter sollten nicht leicht zu erraten sein sowie regelmäßig geändert und nicht weitergegeben werden (siehe auch https://checkdeinpasswort.de/).
  • Sichern Sie mobile Geräte mit PIN oder Passwort.
  • Loggen Sie sich aus, bevor Sie Webseiten mit Login-Funktion verlassen
  • Nutzen Sie ein Anti-Virenprogramm auf Computer und Smartphone und aktualisieren Sie es regelmäßig.
  • In fremden WLANs sollten keine wichtigen Daten verschickt werden (Onlinebanking, Kreditkarten-Nummer, ...).
  • Schalten Sie WLAN, GPS & Bluetooth aus, wenn sie nicht benötigt werden.
  • Führen Sie regelmäßig Sicherheits-Updates von Betriebssystem, Programmen und Apps durch. Das kann man automatisieren. Prüfen Sie bei App-Updates, ob Berechtigungen unnötig erweitert werden.
  • Auf unerwünschte E-Mails oder Nachrichten mit unbekanntem Absender sollte nicht geantwortet werden. Das kann ein Virus sein. Auch sollten keine mitgeschickten Dateien oder Links angeklickt werden.
  • Nutzen Sie die Privatsphäre-Einstellungen von „Kommunikations-Apps“, wie z.B. WhatsApp und Facebook.
  • Nutzen Sie nicht zu viele Dienste von ein und demselben Anbieter – Ihre Daten können sonst leicht verknüpft werden, zum Beispiel Google Kalender, Google Drive und die Google Suchmaschine.
  • Probieren Sie alternative Suchmaschinen wie DuckDuckGo, Ixquick oder Startpage aus.