Was ist das Darknet?

Der Begriff „Darknet“ bezieht sich auf eine Reihe an Projekten, die ihren Nutzer*innen das anonyme und unzensierte Kommunizieren über das Internet ermöglichen möchten. Jede Person, die die Software eines solchen Projekts benutzt, kann über das Internet anonym surfen. Dazu bilden die Nutzer*innen des jeweiligen Projekts untereinander ein Netzwerk, das sogenannte „Darknet“. Streng genommen gibt es mehrere unterschiedliche Darknets, die sich in ihrer technischen Umsetzung unterscheiden. In der Praxis meint man mit dem Wort „Darknet“ meist den größten Vertreter dieser Netzwerke: Das TOR-Netz. Um zu verstehen, warum es das TOR-Projekt gibt, wer davon profitiert, und was das ganze mit Waffenhandel zu tun hat, ist es hilfreich, sich die Geschichte des TOR-Projekts anzuschauen.

Entstehung des Darknets (TOR-Netz)

Etwa um das Jahr 2000 entstand der Code, der heute die Basis für das größte „Darknet“ bildet, das es heute gibt: Das TOR-Netz. TOR steht für „The Onion Router“, angelehnt an das technische Prinzip, wie Daten innerhalb des Netzes verschickt werden. Damals wurde das Projekt hauptsächlich vom US-Militär gefördert. Unter anderem erhoffte man sich, die eigene Kommunikation im Ausland zu verschleiern. Später erkannten auch Bürgerrechtsorganisationen das Potential des Projekts und unterstützten es. Heute hat das TOR-Projekt täglich im Schnitt zwischen 2 bis 3 Millionen Nutzer*innen (Stand Dezember 2021).

Wie benutzt man das Darknet?

Auch mit sehr geringen Computerkenntnissen kann man die Seite des TOR-Projekts besuchen und in weniger als fünf Minuten auf das Darknet zugreifen. Vorab muss man sich den TOR-Browser herunterladen und installieren. Das ist vollkommen kostenlos und legal. Sobald der TOR-Browser gestartet wurde, unterscheidet sich die Nutzung kaum vom Surfen mit gängigen Browsern. Eventuell surft man etwas langsamer im Netz. Mit dem TOR-Browser kann man auch "normal" zugängliche Seiten des Internets aufrufen, nur eben deutlich anonymer und unzensiert. Zusätzlich hat man die Möglichkeit auf sogenannte „Hidden Services“ zuzugreifen. Das sind Dienste, die ausschließlich aus dem TOR-Netz erreichbar sind. Solange man beim Surfen mit TOR-Browser nicht explizit nach kriminellen Inhalten sucht, wird man diese auch nicht finden.

Warum benutzt man das Darknet?

Was bringt einem dieser Browser, wenn alles so aussieht wie vorher? Durch das Benutzen des TOR-Browsers surft man praktisch anonym. Damit schützt man z.B. seine persönlichen Daten vor Werbetreibenden, die Daten sammeln und verkaufen oder potentiellen Angreifer*innen, die diese identifizieren möchten. Außerdem können Provider dann keine einzelnen Seiten sperren, wie das bereits in der Türkei und anderen Ländern der Fall war. Selbst die NSA gibt in einer von Edward Snowden geleakten, internen Präsentation zu, dass sie es sehr schwer hat, großflächig TOR-Nutzer*innen zu identifizieren. Wenn man also etwas wissen möchten, das niemand herausfinden soll, ob eine Krankheit, eine politische Meinung, oder vielleicht allgemein, welche Seiten man im Internet besucht hat – mithilfe von TOR kann die eigene Identität verdeckt werden. Für manche Menschen ist diese Anonymität extrem wichtig. Beispielsweise Whistleblower, Aktivist*innen oder Journalist*innen sind auf Anonymisierungsdienste wie das TOR-Projekt angewiesen, da sie darüber Ihre Informationen weitergeben können, ohne dabei verfolgbar zu sein. Auch Edward Snowden empfiehlt das TOR-Netz, wenn man seine Privatsphäre schützen möchte.

Was hat das mit Kriminalität zu tun?

Natürlich haben nicht nur „normale" Bürger*innen, Whistleblower*innen und Journalist*innen ein Bedürfnis nach Anonymität, sondern auch Kriminelle, die sich vor Strafverfolgung fürchten und deshalb ihre Identität geheim halten wollen. So entstanden nach und nach Dienste im Darknet, die Waffen, Drogen oder Abbildungen sexueller Gewalt gegen Kinder anbieten. Wie bei jedem Werkzeug gibt es auch im Darknet missbräuchliche Verwendungsweisen. Das Darknet an sich, ist nicht per se illegal oder unzulässig. Man kann davon sogar persönlich profitieren, weil man eine Möglichkeit zum anonymen Surfen erhält oder indirekt, weil dadurch z.B. Zugang zu neutraler Berichterstattung möglich wird. Dass es jedoch von Menschen mit illegalen Absichten missbraucht werden kann, lässt sich nicht verhindern.

Über Darknet, Deep Web und dunkle Ecken des Surface Webs

Das Internet, welches mit den gängigen Suchmaschinen wie Bing oder Google erreichbar ist, wird häufig als „Surface Web“ bezeichnet. Nun kann es sein, dass ein Inhalt von den Suchmaschinen nicht gefunden werden kann, weil es sich zum Beispiel um einen speziellen Bibliothekskatalog handelt, dessen Inhalt von den Suchmaschinen nicht verstanden wird. Oder weil der Bereitsteller des Inhaltes ein technisches Verbotsschild für Suchmaschinen errichtet hat und sie den Inhalt daher ignorieren (müssen). Ein solcher Inhalt gehört dann zum „Deep Web“. Ein Teil des Deep Webs ist das „Darknet“, mit dem sich der Artikel befasst.

Man stößt nicht nur im Deep Web oder im Darknet auf illegale Inhalte. Jeder Computer, der Zugang zum Internet hat, kann beliebige Inhalte bereitstellen und so gibt es zahlreiche normal zugängliche Seiten auf denen man auf verstörende Inhalte stoßen kann. Viele Seiten des öffentlichen Surface Webs sind schlecht moderiert und quasi-anonym, sodass es fast unmöglich ist, sein Gegenüber zu bestimmen und auch dort verbreiten Menschen illegale Inhalte.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Projekt Chaos macht Schule vom Chaos Computer Club Mannheim e.V.