Vernetztes Spielzeug

Datenschutzrisiko im Kinderzimmer

Moderne Trends und Entwicklungen machen auch vor Kinderzimmern keinen Halt. Und so gibt es inzwischen elektronische Spielzeuge, die direkt mit dem Internet verbunden sind. Man spricht hier von „Vernetztem Spielzeug“. Das Innenleben vernetzter Spielzeuge gleicht dabei einem kleinen Computer. Über eine App oder Sprachbefehle können diese gesteuert werden. Auch „Gespräche“ sind möglich. Dabei werden die Fragen oder Antworten des Kindes über das Internet an den Server des Unternehmens gesendet und das Spielzeug antwortet oder reagiert entsprechend. Beispiele für vernetztes Spielzeug sind der Roboter I-Que oder die Puppe My friend Cayla. Letztgenannte wollen wir uns hier beispielhaft genauer anschauen.

Puppe "My friend Cayla" - eine digitale Freundin?

„Fast wie eine richtige Freundin“ – so wird die smarte Puppe Cayla auf der Webseite des Herstellers beschrieben. Nach der offiziellen Cayla-Website kann Cayla …

  • jede Menge Fragen beantworten,
  • verstehen was man sagt und sich unterhalten,
  • Geschichten erzählen und gemeinsam Spiele spielen,
  • Online und Offline spielen.

Um alle Funktionen von Cayla nutzen zu können, muss zunächst auf einem Smartphone oder Tablet die „My friend Cayla-App“ installiert werden. Mittels Bluetooth wird die Puppe über die App und das jeweilige Gerät mit dem Internet verbunden. Die Spracherkennungssoftware der Puppe ist auf diese Verbindung angewiesen. Nach erfolgreicher Verbindung ist sie u. a. in der Lage, Kindern auf die verschiedensten Fragen Antworten zu geben. Wird der Puppe eine Frage gestellt, wird diese über das Internet an einen Server geschickt, dort ausgewertet und die Puppe antwortet entsprechend. Die Puppe verfügt ab Werk über eine „schwarze Liste“ mit gesperrten Wörtern. Enthält eine Frage eines dieser Wörter, so antwortet Cayla mit Sätzen wie „Darüber möchte ich nicht sprechen“. Eltern haben die Möglichkeit, weitere Begriffe auf diese „schwarze Liste“ zu setzen. Was genau mit den Daten passiert, die bei einer solchen Fragenverarbeitung erhoben werden, ist nicht klar. Durch die Installation der „My friend Cayla-App“ stimmen die Nutzer jedoch u. a. einer Datenweitergabe an Dritte zu.

Dem interaktiven Erlebnis im Kinderzimmer wurde Anfang 2017 allerdings ein Riegel vorgeschoben: Die Bundesnetzagentur fordert dazu auf, die Kinderpuppe Cayla zu zerstören, da diese technisch betrachtet, eine verbotene Sendeanlage darstelle. Die rechtliche Grundlage für diese Entscheidung bietet der Paragraf 90 des Telekommunikationsgesetzes (TKG) sowie die Tatsache, dass Mikrofon und Lautsprecher in der Puppe versteckt sind. Dadurch sei eine unbemerkte Fernüberwachung möglich. Nun sind der Besitz, die Herstellung sowie der Vertrieb der Puppe in Deutschland verboten, um mögliche Verletzungen der Privatsphäre zu verhindern.

Wie Stefan Hessel von der Universität des Saarlandes in einem Test feststellte, kann jedes bluetoothfähige Gerät in Reichweite der Puppe eine Verbindung zu dieser aufbauen, sogar durch mehrere Wände hindurch. Damit ist ein Zugriff auf Lautsprecher sowie Mikrofon der Puppe durch Fremde möglich.

Abgesehen von den verschiedenen Möglichkeiten Informationen aus dem Alltag der Kinder zu sammeln, scheint Cayla auch gezielt Werbeinformationen zu streuen, beispielsweise wenn die Puppe beiläufig beginnt, über ihre Lieblings-Disneyfilme zu erzählen – wie die Europäische Verbraucherorganisation BEUC berichtet.

Wie geht es mit der Puppe Cayla weiter?

Cayla wird bereits seit 2014 in Deutschland vertrieben. Die Bundesnetzagentur hat die Verkaufsstellen angeschrieben, damit die Cayla-Puppen aus dem Sortiment genommen werden. Eltern, deren Kinder bereits eine solche Puppe besitzen, werden dazu aufgefordert, diese zu zerstören. Auf der Webseite der Bundesnetzagentur wird ein Vernichtungsnachweis zum Download angeboten. Die Puppe sollte nicht an den Verkäufer zurückgesendet werden und kann beispielsweise an nahe gelegenen Abfallwirtschaftsstationen abgegeben werden. Dort bekommt man ebenfalls einen Vernichtungsnachweis. Zwar plane die Bundesnetzagentur nicht gezielt Eltern bzw. Besitzer der Puppe ausfindig zu machen, jedoch könnten die Datenschutzschwachstellen des Spielzeugs Motivation genug sein, das Gerät nicht weiter einsatzfähig zu lassen.

Datenschutzaspekt bei vernetztem Spielzeug

Durch die Entscheidung der Bundesnetzagentur hat vor allem die Puppe Cayla erhöhte Aufmerksamkeit erlangt. Sie ist jedoch nicht das einzige vernetzte Spielzeug, das Datenschutzbedenken hervorruft. Generell sollte die Funktionalität eines Spielgeräts immer mit den verbundenen Kosten, auch im Sinne der Datenweitergabe, abgewogen werden – egal ob die Nutzer Kinder oder Erwachsene sind. Weitere Tipps zum Umgang mit vernetztem Spielzeug finden Sie direkt im Anschluss.

Tipps zum Umgang mit vernetztem Spielzeug

  • Internetfähige Spielzeuge sollten keine ungeschützte Bluetooth-Schnittstelle (ohne Passwort) haben. Auf der Webseite des Herstellers können Sie sich darüber informieren, ob das gewünschte Spielzeug über ein individuelles Bluetooth-Passwort verfügt.
  • Unter „Datenschutzbedingungen“, „Datenschutz“, „Privacy Statement“ oder ähnlichen Begriffen sollten Sie auf der Hersteller-Website kritisch überprüfen, welche Daten der Hersteller über die Spielzeug-Funktionen erhebt und wie diese Daten weiterverarbeitet werden.
  • Besitzt Ihr Kind bereits ein smartes Spielgerät mit einer ungeschützten Bluetooth-Schnittstelle, sollten Sie diese Funktion zur Sicherheit deaktivieren. Vorsichtshalber ist es ratsam, die Batterie aus dem Spielzeug zu entnehmen. Aufgrund der aktuellen Sicherheitsbedenken und den nachgewiesenen Sicherheitslücken bei einigen vernetzten Spielsachen, können Sie diese beim Hersteller bzw. Händler reklamieren und Ihr Geld zurückfordern.
  • Bei Spielzeugen mit Sprachaufnahmefunktion empfehlen IT-Sicherheitsexperten, dass die Mikrofon-Funktion erst nach Aktivierung durch einen Knopf oder Schalter erfolgen sollte. Prüfen Sie daher, ob der smarte Spielgefährte immer aufnimmt oder das Mikrofon auch ausgestellt werden kann.
  • Je nach Modell kann das Spielzeug auch über eine integrierte Kamera verfügen oder den Standort über GPS-Daten aufzeichnen. Auch hierzu sollten Sie sich die Datenschutzbedingungen genau anschauen und die Kamera möglichst nur einschalten, wenn sie benutzt wird.