Strategien gegen Hate Speech

Counter Speech

Menschen sind von Hate Speech in sehr unterschiedlicher Art und Weise betroffen. Wer sich mit Hassreden im Netz auseinandersetzt, sollte deshalb nicht nur Medienkompetenz vermitteln und für eine faire Diskussionskultur eintreten, sondern auch inhaltlich über diskriminierende Strukturen im analogen Leben informiert sein.

Grundsätzlich gilt: Niemand sollte im öffentlichen Raum Gewalt fürchten müssen. Und natürlich gilt dies ebenso für den digitalen Lebensraum. Rassistischen und menschenverachtenden Stimmen entgegenzutreten ist deshalb eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Offline und online.

Eltern und pädagogische Fachkräfte sind hier vor allem in ihrer Vorbildrolle gefragt. Insofern gelten die nachfolgend genannten Tipps für Jugendliche auch für Erwachsene, um im Netz Verantwortung zu übernehmen. Eltern und Fachkräfte sollten den Umgang mit Hate Speech mit Jugendlichen besprechen bzw. in der pädagogischen Arbeit thematisieren.

Aktiv werden gegen Hate Speech

Das Internet ist dein Lebensraum. Übernimm Verantwortung und sorge dafür, dass Rassismus, Sexismus und Hetze im Netz keinen Platz finden. Hater*innen und Dauer-Störer*innen (sogenannte Trolle) dürfen in Sozialen Medien nicht dafür sorgen, dass sich Mädchen oder Jungen aus Angst vor Gewalt zurückziehen. Zeige Zivilcourage – online und offline!

 

Beziehe Position für ein weltoffenes und respektvolles Miteinander. Weise andere darauf hin, wenn du das, was sie posten, für rassistisch hältst. Informiere dich, argumentiere gegen Hetze im Netz, betreibe Widerstand mit Worten. So haben Rassisten und Menschenfeinde nicht das Gefühl, im Sinne einer schweigenden Mehrheit zu handeln.

 

Achte auf Netiquette und einen fairen Umgangston – auch Worte können andere verletzen. Vermeide aggressiv klingende Pseudonyme. Schaue auch bei vermeintlich lustigen Seiten darauf, ob die Späße nicht auf Kosten anderer gemacht werden. Diskriminierung ist nicht lustig! Pass auf, dass du nicht selbst Sprachmuster benutzt, in denen Vorurteile stecken.

 

Lösche Beleidigungen und Bedrohungen als Moderator*in einer Seite. Blocke Leute, die sich bewusst rassistisch äußern, oder streiche sie von deiner Freundesliste. Melde Hasskommentare bei Betreibern der Seite, damit diese gelöscht werden. Vergiss dabei nicht, Beweise in Form von Screenshots mitzuliefern. Aussagen, die z. B. volksverhetzend sind oder zu Gewalt aufrufen, sind gesetzlich verboten und können geahndet werden.

 

Hate Speech ist manchmal nicht auf den ersten Blick erkennbar. So werden teils bewusst falsche Aussagen verbreitet, um Hass zu schüren oder Hate Speech tarnt sich als Ironie. Vor allem rechtsextreme Gruppen benutzen Soziale Medien, um menschenfeindliche Inhalte zu verbreiten. Sei kritisch und prüfe die Quellen und Profile. Adde nur als Freunde, wen du kennst und wem du vertraust.

Auch Ironie kann ein Mittel sein, um Hass im Netz mit Haltung zu begegnen. Manchmal hilft Humor auch, um absurde Argumente zu entlarven. Allerdings wird dadurch keine sachliche Diskussion angeregt und es besteht das Risiko missverstanden zu werden. Wer inhaltlich einsteigt, muss viel Zeit und Energie mitbringen und aufpassen, nicht selbst zur Zielscheibe zur werden.

Achte beim Umgang mit Hasskommentaren auf dich selbst und deine Grenzen. Es gibt Leute im Netz, die ihre Hassbotschaften möglichst weit verbreiten wollen, egal wie. Wenn Beiträge von solchen Dauer-Störer*innen dir zu nah gehen, ist Löschen oder Blocken angesagt. Setze dich bei Counter Speech (englisch für „Gegenrede") nicht unnötigen Gefahren aus.

 

Wenn du unsicher bist oder selbst angefeindet wirst, dann sprich mit Freunden, Eltern oder anderen vertrauten Personen und hol dir Unterstützung. Auf diesen Seiten im Netz findest du Hilfe:

Kommunikationskultur fördern

Die langfristige Prävention von Hate Speech braucht eine solide Basis. Heranwachsende benötigen Erfahrungsräume, um eine sachliche, offene und wertschätzende Debattenkultur zu entwickeln. Dazu gehören echte Partizipationsmöglichkeiten zur Mitgestaltung ihrer (digitalen) Lebenswelt, durch die sie den Wert demokratischer Prozesse erleben können. Sie sollten in der Auseinandersetzung mit anderen gezielt lernen, konstruktives Feedback zu geben und auch selbst anzunehmen.

Weiterhin braucht es pädagogische Fachkräfte und Eltern, die die inhaltliche Auseinandersetzung suchen. So lassen sich eben jene alltäglichen Diskriminierungsstrukturen aufbrechen, die den Nährboden für Hate Speech liefern: Rassismus, Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus, Sexismus sowie Homo- und Transphobie.

Auch eine geschlechtersensible Pädagogik, die Genderfragen und Sexualität in den Blick nimmt, kann einen wichtigen Baustein zur Prävention von Hate Speech liefern. Dies gilt ebenso für interkulturelle Ansätze oder die Thematisierung von Glaubensfragen in der Arbeit mit Jugendlichen. Konkrete Materialien für die Arbeit zu diesen und anderen Themen finden sich u. a. auf klicksafe.de (z. B. die Materialpakete „Ethik macht klick“ und „Let´s talk about Porno“), www.ufuq.de (Portal für Pädagogik zwischen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus) oder www.pinkstinks.de zum Thema Geschlechterrollen.

Handlungskonzepte für Einrichtungen

Einrichtungen und Gruppen, die über Social-Media-Kanäle kommunizieren wollen, brauchen eine Strategie zur einheitlichen Administration des Online-Angebots. Dazu gehören bestimmte Maßnahmen: z. B. unerwünschte Kommentare individuell zu kommentieren, beim Plattformbetreibenden zu melden und/oder zu löschen. Dauer-Störer*innen (sogenannte Trolle) sollten geblockt werden. Bewährt hat sich ein festes Redaktionsteam. Dafür sollten Mitarbeiter*innen entsprechende Zeitfenster oder Arbeitszeit einfordern.

Administrator*innen sollten vor allen Dingen sichtbar sein und sich nicht von Zensur-Rufen einschüchtern lassen. Es gilt, aufgestellte Gesprächsregeln einzuhalten und im Falle von Verstößen rigoros zu löschen. Hat eine Einrichtung kein ausreichendes Zeit- oder Personalkontingent, um die Internet-Präsenz intensiv zu betreuen, kann sie Kommentarfunktionen einschränken oder abschalten. Nutzer*innen können Beiträge dann trotzdem weiterhin teilen, liken oder retweeten.

Tipps zum Aufstellen von Regeln bietet z. B. die Seite www.belltower.news, die viele konkrete Reaktionsmöglichkeiten auf rechtspopulistische Gesprächsstrategien nennt. Die Landesanstalt für Medien NRW bietet Schulungsunterlagen zum Thema "Hasskommentare moderieren lernen" an.

Grundsätzlich lohnt es sich immer, mit Nutzer*innen in Kontakt zu treten und ansprechbar zu sein. So fühlen sich diese ernstgenommen und sind im akuten Fall eher bereit, Zivilcourage zu zeigen, sich einzumischen oder Verstöße zu melden. Langfristig sind engagierte Nutzer*innen die beste Antwort auf Hasskommentare. Denn Trolle und Hater*innen sind nicht die breite Masse.