Musical.ly – Risiken der bei Kindern und Jugendlichen beliebten App

30.04.2018 | Aktuell steht das soziale Musikvideo-Netzwerk Musical.ly in der Kritik, eine Plattform für freizügige Videos von minderjährigen NutzerInnen zu bieten. Was sollten junge „Muser“ und deren Eltern beachten?

Das Verbraucherportal Mobilsicher.de hat im Artikel „Musical.ly: Unheimliche Parallelwelt im Kinderzimmer“ Beispiele sexueller Nötigung an Minderjährigen innerhalb der App Musical.ly aufgezeigt und warnt vor Nutzung der App. Bereits 2017 hatte das Infoportal die App getestet und erhebliche Mängel hinsichtlich der Datenschutzanforderungen konstatiert.

Was ist Musical.ly und warum ist die App bei Jugendlichen so beliebt?
Die Nutzer der App werden „Muser“ (engl. Träumer) genannt und teilen 15-sekündige Musikclips (so genannte "Musicals"), in denen sie zur Musik Playback mitsingen und tanzen. Musical.ly bietet damit Jugendlichen eine einfache Möglichkeit, sich als Popstar auszuprobieren. Wichtige Nutzungsmotive für sie sind: Kreativität, Freude an Tanz und Musik, Selbstinszenierung und Gruppenzugehörigkeit. Die veröffentlichten Musicals können von anderen Musern kommentiert und mit Herzen geliked werden. Dabei hat die App schon einige Online-Stars hervorgebracht. So gehören die Zwillinge Lisa und Lena aus Deutschland zu den bekanntesten Musical.ly - Stars.

Laut JIM-Studie 2017 wird die App von einem Zehntel der zwölf - bis 19-jährigen regelmäßig genutzt. Dabei sind die Jüngsten der befragten Zielgruppe besonders affin, bei den Zwölf - bis 13-Jährigen zählt ein Fünftel zu den regelmäßigen Musical.ly-Nutzern (19%, 14-15 Jahre: 14%, 16-17 Jahre: 6%, 18-19 Jahre: 7%).

Was sollten junge Muser und deren Eltern wissen?

Mindesalter 13 Jahre (Stand 30.04.2018)
Das Mindestalter für die App Musicall.ly liegt laut AGB bei 13 Jahren. Der Anbieter weist Eltern ausdrücklich an, ihren Kindern die Nutzung unter 13 Jahren nicht zu erlauben. In der Praxis wird dies allerdings nur durch eine Altersabfrage vor dem Download überprüft.

Risiko Cyber-Grooming
Die Voreinstellung der Musical.ly-Konten ist "öffentlich", so dass alle NutzerInnen der App die hochgeladenen Videos sehen und verfolgen können. Erst wenn Jugendliche ihr Konto aktiv auf "privat" stellen, ist ihre Privatsphäre gewährleistet. Zudem wird der Aufenthaltsort standardmäßig ausgelesen und anderen NutzerInnen mitgeteilt. Auch diese Voreinstellung muss manuell vom Kontoinhaber deaktiviert werden. Diese kritische Voreinstellung der Konten sowie die Möglichkeit der Online-Kommunikation via Direktnachrichten und Kommentare begünstigen gefährliche Kontaktanbahnungen durch fremde Zuschauer. Weitere Informationen zu Cyber-Grooming.

Risiko (Cyber)Mobbing
So erfreulich die Bestätigung im Internet sein kann, so verletzend können wiederum negative Kommentare sein. Diese werden aufgrund der Anonymität im Internet ohnehin gerne mit besonders drastischen Verunglimpfungen versehen. Weitere Informationen zu (Cyber)Mobbing.

Sichere Nutzung: Privatsphäre – Einstellungen vornehmen – User blockieren – Missbrauch melden
Das Musiknetzwerk darf offiziell ab 13 Jahren genutzt werden. Jugendliche sollten Musical.ly mit privatem Konto, also nur innerhalb ihres Freundeskreises, nutzen. Im Privatsphäre-Leitfaden auf klicksafe.de wird u.a. erklärt, wie User ihre Konten auf privat stellen, Kontakte blockieren und Missbrauch melden können. Nehmen Sie diese Einstellungen gemeinsam mit Ihrem Kind vor. Hilfestellung bieten die nachfolgend genannten Infomaterialien.

Infomaterialien zu Musical.ly und zum Thema Selbstdarstellung im Netz

Der Leitfaden "Sicher unterwegs in Musical.ly. So schützt man die Privatsphäre" enthält praktische Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu den wichtigsten Kontoeinstellungen, um die Privatsphäre besser zu schützen und die App sicher zu nutzen.

 

Infoflyer Musical.ly: Der Flyer bietet kompakte Informationen für Jugendliche über wichtige Privatsphäre-Einstellungen sowie Tipps & Tricks rund um die beliebte App. Sie können den Flyer auf klicksafe.de kostenfrei downloaden oder bestellen.

 

 

Das Unterrichtsmaterial „Selfies, Sexting, Selbstdarstellung“ bietet einen Überblick über die populärsten Dienste und Informationen zu Risiken und Problemen. Es unterstützt Lehrkräfte dabei, die Themen Selbstdarstellung und soziale Medien im Unterricht mit Hilfe von Online-Erklärfilmen, Arbeitsblättern und weiteren Anregungen zu besprechen.

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