iOS Bildschirmzeit

Der Hersteller Apple bietet für seine iPhones und iPads Kindersicherungen an, die direkt in das Betriebssystem integriert sind. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sowohl das Kind als auch die erziehungsberechtigte Person ein mobiles Apple-Gerät benutzen. Eine Steuerung der Kindersicherung über zum Beispiel ein Android-Gerät oder den PC ist nicht möglich. Zwar kann man das Jugendschutzprogramm Google Family Link auch auf iOS-Geräten benutzen, allerdings funktionieren grundlegende Funktionen wie das Blockieren von Apps nicht.
Um die Kindersicherung zu benutzen, müssen sich die erziehungsberechtigten Personen durch das Hinterlegen von Kreditkarteninformationen legitimieren. In unserem Test konnten wir keine andere Möglichkeit finden, die Kindersicherung zu aktivieren. Wer keine Kreditkarte besitzt, bleibt bei der Kindersicherung von Apple außen vor.
Wenn die gesamte Familie mit Apple-Geräten ausgestattet ist, bietet die Kindersicherung in iOS viele Möglichkeiten, die Geräte der Kinder sicherer zu machen. Wie bei allen anderen Jugendschutzprogrammen gilt allerdings auch hier: Die Einrichtung erfordert etwas Geduld und die Einstellungen müssen immer wieder auf ihre Tauglichkeit überprüft werden.

Was verspricht das Programm?

Mit der Kindersicherung in iOS Betriebssystemen können Eltern das Smartphone oder das Tablet ihrer Kinder sicherer einstellen und die Nutzung im Blick behalten. Die Einstellungen lassen sich dabei meist individuell an den Entwicklungsstand des Kindes anpassen. Das heißt, es ist möglich, bei jüngeren Kindern viel zu beschränken und älteren Kindern mehr Freiheiten zuzugestehen.

Für die Nutzung des Smartphones lassen sich Nutzungszeiten in Form von täglichen Zeitlimits festlegen. Auch das Festlegen von Auszeiten ist möglich. So kann verfügt werden, dass das Gerät zum Beispiel zur Schlafenszeit zwischen 20 und 7 Uhr nicht benutzbar sein soll. Solche Beschränkungen können auch nur für einzelne Apps festgelegt werden. Außerdem ist es möglich, dass Eltern einige Funktionen immer zulassen. Zum Beispiel kann das Kind dann auch Nachrichten von den Eltern empfangen und beantworten, wenn das Gerät bereits das tägliche Nutzungslimit erreicht hat. Wichtige Funktionen wie Notrufe lassen sich nicht beschränken und sind immer möglich.

Die Nutzungszeiten des Kindergeräts können sich Eltern auf ihrem Smartphone anzeigen lassen. So kriegen sie einen Überblick darüber, wie viel ihr Kind das Gerät benutzt und auf welche Aktivitäten sich die Nutzung aufteilt. Die Nutzungszeiten lassen sich für jeden Tag oder zusammengefasst für eine Woche anzeigen. Auch ein Wochenbericht zur Smartphone-Nutzung des Kindes wird den Eltern zur Verfügung gestellt.

Die Kindersicherung im iOS-Betriebssystem bietet auch einen Inhaltsfilter. Eltern können festlegen, welche Inhalte in den Apple Stores (Apps, Filme, TV-Sendungen usw.) dem Kind angezeigt werden. Apple verwendet eigene Altersgruppen: 4+, 9+, 12+ und 17+. Je nachdem, welche Altersgruppe für das Kind ausgewählt wurde, werden nur Inhalte mit der passenden oder einer niedrigeren Altersfreigabe in den Apple Stores angezeigt.
Der Inhaltsfilter für den Safari-Internetbrowser ist in der Lage, den Zugriff auf nicht jugendfreie Webseiten relativ zuverlässig zu verhindern. Der Filter lässt sich auch ausstellen oder Eltern können individuell nur einzelne Seiten zulassen und den Zugang auf den Rest des Internets blockieren.

Per Kindersicherung können Eltern Käufe in den verschiedenen Stores von Apple verhindern. Auch die Installation von kostenlosen Apps kann beschränkt werden.

Außerdem bietet die iOS Kindersicherung die Möglichkeit, den Standort des Kinder-Geräts abzurufen und so den Aufenthaltsort des Kindes zu überwachen.

Unsere Erfahrungen mit der iOS Kindersicherung

Die Installation

In unserem Test haben wir ein komplett neues iPhone mit der Kindersicherung ausgestattet. Es ist allerdings auch möglich, ein Gerät nachträglich mit der Kindersicherung auszustatten. Wenn man ein neues Gerät einrichtet, kann man gleich zu Beginn auswählen, dass es sich dabei um ein Kindergerät handelt. Anschließend wird man durch den Installationsprozess geleitet. Um die Kindersicherung benutzen zu können, muss auch für das Kind eine Apple-ID erstellt werden. Als Überprüfung der Volljährigkeit der erziehungsberechtigten Person müssen Kreditkarteninformationen hinterlegt werden. Eine andere Option zur Altersverifikation wird von Apple nicht angeboten. Fraglich ist, was Eltern tun sollen, die entweder keine Kreditkarte besitzen oder selbst noch nicht volljährig sind. Sie sind durch dieses Vorgehen davon ausgeschlossen, die Apple-Geräte ihrer Kinder sicher einzustellen.

In unserem Test haben wir das Gerät für ein 11-jähriges Kind eingestellt. Viele Einstellungen werden automatisch aufgrund des eingegebenen Alters des Kindes bei der Installation vorgenommen. Zum Beispiel, dass das Kind nur Apps mit einer Altersfreigabe von maximal 9+ im App Store sehen konnte. Dennoch ist es nötig, nach der Installation die Einstellungen noch einmal individuell durchzugehen, denn nicht alle voreingestellten Beschränkungen erscheinen sinnvoll. Zum Beispiel waren im Apple Game Center private Nachrichten an das 11-jährige Kind möglich oder das Kind hatte die Möglichkeit, einzelne Beschränkungen selbstständig wieder rückgängig zu machen.

Bei der Einrichtung der iOS Kindersicherung hilft Ihnen www.medien-kindersicher.de. Mit einer einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitung stellen Sie das Apple-Gerät passend für die Bedürfnisse Ihres Kindes ein.

Die Handhabung

Die Kindersicherung in iOS lässt sich leicht und intuitiv bedienen. Dass sie in den Einstellungen unter dem Punkt „Bildschirmzeit“ versteckt ist, macht es unnötig schwer, sie zu finden. Aber wer einmal weiß, wo man suchen muss, findet rasch die wichtigen Menüpunkte. Einerseits ist es positiv, dass es viele individuelle Einstellungsmöglichkeiten gibt. Andererseits führt das auch dazu, dass es einige Untermenüs gibt, durch die man sich klicken muss. Wie auch bei anderen Jugendschutzprogrammen gilt: Eltern müssen einiges an Zeit investieren, um das Gerät passend für die Bedürfnisse ihres Kindes einzustellen.

Das Einrichten von Zeitlimits für das Gerät oder auch nur für einzelne Apps und von Auszeiten ist intuitiv aufgebaut und bietet größtmögliche Freiheiten. Wenn ein Zeitlimit aufgebraucht ist, können die Kinder die App noch eine weitere Minute nutzen. Das ist zum Beispiel praktisch, wenn in einem Spiel noch einmal gespeichert werden muss. Außerdem ist es möglich, dass die Kinder nach mehr Nutzungszeit bei ihren Eltern fragen. Diese Nachfrage erscheint dann auf dem Elterngerät und kann von den Eltern positiv oder negativ beantwortet werden.

Die Nutzungszeiten des Kindergeräts werden erfasst und sind für die Eltern sichtbar. Dabei können sie auch sehen, wie sich die Nutzungszeit auf unterschiedliche Anwendungen aufteilt. Problematisch ist, dass teilweise auch die aufgerufenen Internetseiten mit der URL im Elternaccount sichtbar waren. Diese Funktion ist bei jüngeren Kindern sicherlich sinnvoll, bei ältern Kindern kann es aber schon als problematischer Eingriff in ihre Privatsphäre gewertet werden. Eltern sollten ihren Kindern klar sagen, dass sie sehen können, welche Webseiten besucht wurden und diese Funktion nicht heimlich nutzen. In unserem Test ließ sich nicht herausfinden, nach welchem Prinzip die Erfassung funktioniert. Denn nicht alle von uns aufgerufenen Webseiten erschienen später im Aktivitätsbericht. Unter der Option „Beschränkungen“ kann „Einschließlich Websitedaten“ deaktiviert werden. Vermutlich verhindert das, dass einzelne besuchte Webseiten im Aktivitätsbericht auftauchen.

Der Filter für unangemessene Inhalte im Internet funktionierte bei uns zuverlässig. Wichtig ist es zu wissen, dass er nur im Safari-Browser von Apple vollumfänglich funktioniert. In den anderen von uns getesteten Browsern wurde zwar auch der Zugriff auf jugendgefährdende Webseiten unterbunden. Allerdings ließ sich in den bekannten Suchmaschinen die voreingestellte sichere Suche problemlos ausschalten. Damit war zum Beispiel die Bildersuche nach Pornografie auch auf dem Kindergerät möglich. Im Safari-Browser lassen sich diese Schutzmaßnahmen nicht durch das Kind deaktivieren. Allerdings bietet der Filter auch hier keinen vollständigen Schutz. Wer lange genug sucht, kann auch bei aktiviertem Filter unangemessene Inhalte finden.
Eltern haben allerdings auch die Möglichkeit, nur einzelne, von ihnen ausgesuchte Webseiten für die Kinder zuzulassen. Diese Funktion schränkt das Internet allerdings stark ein und ist vor allem für jüngere Kinder sinnvoll.
Der Inhaltsfilter funktioniert ausschließlich im Internetbrowser und nicht in Apps. Unangemessene Inhalte zum Beispiel in Sozialen Netzwerken oder in Messengerdiensten werden vom Filter nicht erfasst.

Innerhalb von Apple-Diensten können Nacktbilder unterdrückt werden. Das Gerät erkennt automatisch, ob auf dem Bild eine nackte Person dargestellt ist und zeigt das Bild nur verschwommen an, begleitet von einem Text, der davor warnt, dass es sich vermutlich um ein Nacktbild handelt. Wer möchte, kann sich das Bild trotzdem anzeigen lassen. Dafür sind allerdings mehrere Klicks nötig, zusammen mit Hinweisen auf Hilfsangebote und Informationen dazu, was an Nacktbildern problematisch sein kann. Diese Funktion verhindert also nicht generell den Zugriff auf Nacktbilder, sondern nur die ungewollte Konfrontation mit ihnen. Die Eltern werden weder über den Empfang noch über das etwaige Anschauen eines Nacktbildes informiert. Wichtig zu wissen: Dieser Nacktbild-Filter funktioniert nur innerhalb von Apple-Angeboten. Dazu zählen iMessages, AirDrop (drahtlose Übertragung von Medien zwischen Apple-Geräten) und die Fotogalerie. Nacktbilder, die zum Beispiel über einen Messenger wie WhatsApp oder Signal an das Kind verschickt werden, erscheinen unverändert auf dem Bildschirm des Gerätes.

Beim generellen Beschränken oder Erlauben von Apps zeigt sich die Apple Kinderschutzfunktion an einigen Stellen leider recht unflexibel. In unserem Test war es zum Beispiel nicht möglich, für unser fiktives 11-jähriges Kind einen Messenger freizugeben. Dafür hätten wir unserem Kind erlauben müssen, auf alle App-Store Inhalte mit einer Freigabe ab 12+ zugreifen zu dürfen. Denn Messenger wie WhatsApp sind im App Store ab 12 Jahren freigegeben. Es war nicht möglich, eine einzelne App zuzulassen, die die Altersfreigabe überschreitet. Eltern müssen sich in diesem Fall entscheiden, ob ihr Kind bis zum 12. Geburtstag keinen Messenger nutzen kann oder ob sie den Zugriff auf alle App Store Inhalte ab 12+ gewähren wollen, obwohl ihr Kind dafür eigentlich noch zu jung ist. Das Problem wird noch deutlicher, wenn es um Internetbrowser geht. Alle Browser außer der Safari-Browser haben eine Altersfreigabe von 17+. Wer zum Beispiel aus Datenschutzgründen einen anderen Browser für sein Kind einrichten möchte, muss dafür dauerhaft alle App-Store-Inhalte ab 17+ für das Kind freigeben. Ansonsten kann der Browser nicht benutzt werden.

Die Kindersicherung verhindert zuverlässig, dass Kinder eigenständig Apps installieren können. Für jede Installation muss eine Freigabe der Eltern erfolgen. Änderungen an den Einstellungen können mit einem vierstelligen „Bildschirmzeit-Code“ gesichert werden. Wer ganz sichergehen möchte, dass die Kinder keine Einstellungen ändern können, kann den Code auch regelmäßig ändern.

Für Kinder bleibt leider vollkommen instransparent, welche Änderungen durch die Eltern vorgenommen werden. Wenn einzelne Apps gesperrt oder Nutzungszeiten verändert werden, erhalten die Kinder keine Benachrichtigung dazu. Andere Jugendschutzprogramme lösen das anders und beziehen Kinder besser mit ein, indem sie automatische Nachrichten verschicken. Selbstverständlich können Eltern ihre Kinder mündlich oder per Nachricht über Änderungen in Kenntnis setzen. Im Sinne einer Medienerziehung, die auf gemeinsamen Vereinbarungen und Vertrauen basiert, ist das sicherlich auch ein sinnvolles Vorgehen.

Die Ortung des Kindergeräts funktionierte in unserem Test nicht, obwohl GPS eingeschaltet war und auch in einer Navigations-App funktionierte. Es ließ sich im Testzeitraum nicht ermitteln, ob es sich dabei um einen Bedienfehler unsererseits handelte oder ob die Ortungsfunktion generell nicht zuverlässig funktioniert.

Bitte beachten Sie, dass wir die iOS Kindersicherung nicht systematisch getestet haben. Sie wurde von uns über den Zeitraum von einigen Tagen auf einem einzigen Gerät ausprobiert. Die hier geschilderten Eindrücke bilden also nur unsere Erfahrungen in diesem Zeitraum und mit diesem Gerät ab und sind nicht repräsentativ.

Das hat uns gefallen

  • Ist die iOS Kindersicherung einmal richtig eingestellt, sichert sie das Kindergerät sinnvoll ab und funktioniert zuverlässig.
  • Es gibt viele Einstellungsmöglichkeiten, um das Gerät auf die Bedürfnisse des einzelnen Kindes anzupassen.
  • Apple bietet mit dem „Nacktbild-Filter“ eine Funktion, die es auf anderen Geräten bisher nicht gibt.

Das sollten Sie wissen

  • Die iOS Kindersicherung funktioniert nur innerhalb des „Apple-Ökosystems“. Alle Familienmitglieder müssen Apple-Geräte besitzen und alle benötigen eine Apple-ID. Damit müssen Eltern auch der Verarbeitung der Daten ihres Kindes durch Apple zustimmen.
  • Als Elternteil benötigt man zwingend eine Kreditkarte, um sich als volljährig auszuweisen. Eltern, die nicht volljährig sind oder keine Kreditkarte besitzen, bleiben außen vor.
  • Für die Einrichtung sollte man etwas Zeit einplanen und bedenken, dass es gerade am Anfang Sinn macht, hin und wieder zu überprüfen, ob alle Einstellungen wie gewünscht funktionieren.
  • Teilweise ist für die Eltern sichtbar, welche Webseiten vom Kind besucht wurden. Je nach Alter des Kindes kann das ein problematischer Eingriff in die Privatsphäre sein. Die Funktion lässt sich ausschalten.
  • Es ist möglich, das Kindergerät zu orten. Diese Funktion sollte aber nur in Absprache mit dem Kind und nicht heimlich genutzt werden.
  • Der Nacktbild-Filter von Apple funktioniert nur in Apple-Diensten. Auch der Internetfilter funktioniert nur im Safari-Browser zuverlässig und hat keine Auswirkungen auf Inhalte in anderen Apps.