Soziale NetzwerkeDas müssen Eltern über die neue „Instants“-Funktion bei Instagram wissen

Mit der neuen Funktion „Instants“ können Instagram-Nutzer*innen spontane Foto- und Videoaufnahmen direkt mit ausgewählten Kontakten teilen. Ähnlich wie bei anderen Apps, die auf schnelle und authentische Einblicke in den Alltag setzen, können dabei auch Risiken für Kinder und Jugendliche entstehen. So besteht etwa die Gefahr, dass sie sensible Informationen preisgeben oder den Überblick darüber verlieren, wer ihre Inhalte sehen kann. Eltern sollten daher wissen, wie Instants funktioniert, welche Einstellungsmöglichkeiten es gibt und welche Themen sie mit ihrem Kind besprechen sollten.

Was ist Instants?

Mit Instants führt Instagram eine Funktion ein, die sich deutlich von den klassischen Beiträgen auf der Plattform unterscheidet. Anstatt Fotos oder Videos dauerhaft im Profil zu veröffentlichen, können Nutzer*innen spontane Aufnahmen direkt an ausgewählte Kontakte senden. Die Inhalte lassen sich nur einmal ansehen und verschwinden anschließend wieder. Spätestens nach 24 Stunden werden sie gelöscht und sind für niemanden mehr sichtbar. Zudem können nur neu aufgenommene Fotos und Videos verschickt werden. Inhalte aus der Galerie oder aufwendig bearbeitete Beiträge sind nicht vorgesehen.

Wer andere soziale Netzwerke nutzt, wird dieses Konzept wahrscheinlich wiedererkennen. Instagram übernimmt zentrale Elemente von Apps wie Snapchat oder BeReal, die auf spontane und vergängliche Inhalte setzen. Für Instagram ist dies ein weiterer Schritt, um erfolgreiche Funktionen von Konkurrenzangeboten in die eigene Plattform zu integrieren. Das Ziel ist in der Regel, die Nutzer*innen in das eigene Ökosystem einzuschließen und sie davon abzuhalten, andere Dienste zu nutzen.

„Instants” kann sowohl direkt in der regulären Instagram-App als auch über eine eigenständige „Instants”-App genutzt werden. Nutzer*innen können dabei nicht für jedes einzelne Foto individuell entscheiden, wer es sieht. Stattdessen wird ein Instant entweder mit der Liste der „Engen Freunde“ oder mit allen „Freunden“ geteilt – also den Personen, denen man folgt und die einem ebenfalls folgen. Die Empfänger*innen können auf ein Instant mit Emojis reagieren oder auch per Text antworten. Im Gegensatz zu einem regulären Beitrag sind diese Reaktionen für andere Nutzer*innen nicht sichtbar. Nur die Person, die das Instant gepostet hat, sieht beispielsweise, wie viele Personen insgesamt mit einem bestimmten Emoji reagiert haben oder welche Antworten eingegangen sind.

Nach dem Versenden können Instants wieder zurückgenommen werden. Sie werden dann nicht weiter angezeigt. Es gibt auch die Möglichkeit, problematische Instants zu melden, die gegen die Gemeinschaftsrichtlinien von Instagram verstoßen.

Welche Risiken können durch Instants entstehen?

Mit der Funktion Instants werden auf Instagram sehr spontane und kurze Inhalte geteilt – genau daraus können für Kinder und Jugendliche verschiedene Risiken entstehen. Ein wichtiger Punkt ist der Bereich Privatsphäre und Kontrolle über Inhalte. Da ein Instant entweder an „Enge Freunde“ oder an alle „Freunde“ gesendet wird, gibt es weniger genaue Auswahlmöglichkeiten als bei einzelnen Direktnachrichten. Inhalte können dadurch schneller bei mehr Personen landen, als in der Situation vielleicht beabsichtigt war. Gerade spontane Aufnahmen führen zudem eher dazu, dass persönliche oder sensible Informationen unüberlegt geteilt werden.

Ein weiterer Aspekt ist der Umgang mit vermeintlich selbstlöschenden Inhalten. Instagram setzt technische Schutzmaßnahmen ein, um Screenshots und Bildschirmaufnahmen innerhalb der App zu verhindern. Mit etwas Aufwand lassen sich Inhalte aber dennoch speichern, etwa durch Drittanbieter-Apps oder indem man den Bildschirm mit einem zweiten Gerät abfotografiert.

Schließlich spielt auch der soziale Druck eine Rolle. Die schnelle und ungefilterte Kommunikation kann dazu führen, dass Kinder und Jugendliche häufiger auf Beiträge reagieren oder selbst Inhalte posten, um im Austausch mit Freund*innen zu bleiben. Gleichzeitig können die sichtbaren Emoji-Reaktionen beim Ersteller ein Gefühl der Bewertung erzeugen, selbst wenn diese Rückmeldungen für andere Nutzer*innen nicht sichtbar sind. Deshalb kann es für Eltern sinnvoll sein, gemeinsam mit ihren Kindern über die Auswahl der „engen Freunde“ und den bewussten Umgang mit geteilten Inhalten zu sprechen.

Was sollten Eltern beachten?

  1. Im Gespräch bleiben
    Bleiben Sie regelmäßig mit Ihrem Kind im Austausch darüber, wie es Instagram nutzt. Fragen Sie aktiv nach, welche Funktionen gerade interessant sind, und lassen Sie sich zum Beispiel Instants zeigen und erklären. So entsteht ein besseres Verständnis dafür, wie die App im Alltag genutzt wird.
  2. Über Inhalte und Grenzen sprechen
    Besprechen Sie gemeinsam, welche Inhalte geeignet sind, um sie online zu teilen – und welche besser privat bleiben sollten. Gerade bei spontanen Funktionen wie Instants hilft es, vorab zu klären, wie sensibel mit persönlichen Informationen umgegangen werden sollte.
  3. Freundeslisten bewusst gestalten
    Schauen Sie gemeinsam auf die Auswahl der „engen Freunde“ und der „Freunde“. Diese Listen bestimmen direkt, wer Inhalte sehen kann. Es kann sinnvoll sein, sie regelmäßig zu überprüfen und bewusst klein und übersichtlich zu halten.
  4. Melde- und Schutzfunktionen kennen
    Machen Sie Ihr Kind mit den Melde- und Blockiermöglichkeiten von Instagram vertraut. So weiß es, wie es sich verhalten soll, wenn es auf unangenehme Inhalte oder problematische Kontakte trifft.
  5. Technische Jugendschutzeinstellungen nutzen
    Nutzen Sie gemeinsam die vorhandenen Sicherheits- und Begleitfunktionen der Plattform, etwa im Rahmen der Elternaufsicht oder Teen-Konten. Diese können helfen, Nutzungszeiten und Privatsphäre-Einstellungen besser im Blick zu behalten. Schritt-für-Schritt-Anleitungen finden Sie bei www.medien-kindersicher.de.
  6. Bewusstsein für die Wirkung von „kurzlebigen“ Inhalten schaffen
    Erklären Sie Ihrem Kind, dass auch Inhalte, die nur kurz sichtbar sind, trotzdem gespeichert oder weitergegeben werden können. Ein bewusster Umgang mit dem Teilen ist deshalb wichtig.