jugendschutz.net-ReportGefahren für Jugendliche durch Meinungsblasen und Extremismus auf TikTok

TikTok wird von jungen Menschen genutzt, weil sie dort Unterhaltung, Informationen und Anschluss finden. Ein neuer Report von jugendschutz.net zeigt jedoch, wie leicht sie dabei in extreme oder populistische Echokammern geraten können. Ein Teil des Problems ist dabei TikToks Vorschlagsalgorithmus, der Nutzer*innen immer weitere Inhalte gleicher Art anzeigt - auch Extremismus, Desinformationen und Verschwörungstheorien. Ein ganzes Netzwerk von Content-Creator*innen macht sich diese Plattform-Dynamiken zunutze, wie der Report zeigt. Das hat auch Auswirkungen auf junge TikTok-Nutzer*innen. Motiviert durch steigende Reichweite und positives Feedback aus extremistischen Communities posten sie selbst zunehmend radikale Inhalte auf TikTok.

Für viele Jugendliche und junge Erwachsene ist TikTok ein Raum für Austausch, Kreativität und neue Ideen. Sie empfinden die Plattform als einen Ort, an dem sie eigenständiger werden, sich selbst finden und passende soziale Gruppen entdecken können. Viele Nutzer*innen kennen dabei auch die problematischen Seiten von TikTok, zu denen Hassinhalte oder Falschinformationen gehören. Auch ist ihnen bewusst, dass die Inhalte, gute wie schlechte, von einem Algorithmus basierend auf den Vorlieben der Nutzer*innen ausgesucht werden. Eine kritische Reflexion und ein Hinterfragen dieser Auswahl finden jedoch nicht immer statt.

Das kann manipulatives Verhalten von Extremist*innen erleichtern, wie ein neuer Report von jugendschutz.net zeigt. In geschlossenen Meinungsblasen kann ein verzerrtes Bild der Gesellschaft entstehen – besonders, wenn das Vertrauen in die Demokratie untergraben wird. Äußerst problematisch ist, dass junge Menschen versuchen könnten, sich durch kontroverse Inhalte zu profilieren. Das positive Feedback kann eine Spirale der Radikalisierung in Gang setzen.

Eine solche Spirale kann beispielsweise durch extrem überzeichnete Bedrohungsszenarien beginnen, wie sie auf TikTok häufig verbreitet werden. Dazu zählen Falschmeldungen zu Wahlfälschungen, reißerische Berichte über Gewalt durch Geflüchtete sowie grausame Bilder und Videos aus Konflikten. Eine längere und wiederholte Konfrontation mit solchen Inhalten kann die Sichtweise von Jugendlichen auf die Welt beeinflussen und extreme Haltungen als normal erscheinen lassen. Auch moralisch aufgeladener Hass erschwert die Werteorientierung von Jugendlichen. In vielen TikTok-Videos erscheinen Bloßstellung, Gewaltfantasien oder Diffamierungen als akzeptable Ausdrucksformen. Ein Beispiel hierfür ist die Praxis, tatsächliche oder zu Unrecht beschuldigte Straftäter*innen an den Online-Pranger zu stellen.

Laut dem Report ist es nicht ungewöhnlich, dass einige Extremist*innen auch unpolitisch in Erscheinung treten. Sie locken junge Menschen zum Beispiel über vermeintlich harmlose Trends oder Mitmachaktionen. So kann es passieren, dass Jugendliche unbewusst rechte Codes übernehmen, was extremistische Ansichten trivialisiert und normalisiert. Und es kann ein Einstigstor für Jugendliche in die extremistische Szene sein. Laut jugendschutz.net lässt sich außerdem beobachten, dass Jugendliche, die ursprünglich unpolitische Inhalte gepostet haben, zunehmend radikale Beiträge veröffentlichen, nachdem sie viel Zuspruch aus der extremistischen TikTok-Szene erhalten haben. Auf der Suche nach Anerkennung und Reichweite werden sie so schnell selbst Teil einer extremistischen TikTok-Blase, obwohl sie die Ideologie der Szene anfangs gar nicht teilten.

Um diesen Dynamiken entgegenzuwirken, sind laut jugendschutz.net mehrere Ansätze nötig. Wichtig sind zunächst altersgerechte Sicherheitseinstellungen und das konsequentes Entfernen problematischer Inhalte. Ebenso entscheidend ist Aufklärung über Echokammern, die Strategien extremistischer Akteur*innen und über einen verantwortungsbewussten Umgang mit eigenen Inhalten auf TikTok. Und letztlich könnte durch eine transparentere Gestaltung des Empfehlungsalgorithmus von TikTok selbst ein Beitrag dazu geleistet werden, dass die Risiken auf der Plattform minimiert werden.