KI-gestützte SpielzeugeKI-Freunde im Kinderzimmer – schöne neue Spielzeugwelt?

Es klingt verlockend: Niedliche Gefährten, die mit Kindern sprechen, lernen und spielen können, auf ihre individuellen Bedürfnisse und Wünsche eingehen und stets verfügbar und verständnisvoll sind. Hersteller von KI-basiertem Spielzeug, wie MyMilo – ein sprechender KI-Kuschelteddy – werben damit, dass solche smarten Begleiter eine praktische Unterstützung im Familienalltag darstellen und eine sinnvolle Alternative zu Bildschirmen oder Tablets sein können. International arbeiten namhafte Spielzeughersteller wie Mattel (Barbie, Hot Wheels) mit OpenAI bereits an neuen KI-Produkten für Kinder und Jugendliche. Die Weichen für die Zukunft der KI-Spielzeuge sind also gestellt.
Das Problem: Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung und KI-Spielzeuge sind derzeit zu fehlerhaft und unreguliert, um Kindern ein sicheres Spielen zu ermöglichen. So fiel kürzlich beispielsweise der KI-Teddybär „Kumma“ des chinesischen Unternehmens FoloToy im Test der US-amerikanischen PIRG Foundation neben anderen KI-Spielsachen durch, daraufhin wurde der Verkauf in den USA eingestellt. Unter anderem erzählte der Teddy, wo sich gefährliche Gegenstände (z.B. Messer) im Haushalt befinden oder erklärte, wie man Streichhölzer benutzt. Zudem äußerten die interaktiven Gefährten ihre Enttäuschung, wenn die Testperson sich verabschieden wollte, und versuchten, sie mit interessanten Vorschlägen in der Interaktion zu halten. Weiterhin fiel im Test negativ auf, dass auch Gespräche über Sexualpraktiken geführt werden konnten.
Wie andere KI-Systeme durchlaufen auch KI-Spielzeuge eine rasante Entwicklung und unterliegen einem stetigen Wandel. Dadurch können aktuelle Probleme und Risiken künftig nicht mehr vorhanden sein, während sich wiederum neue Problemfelder auftun können. Informieren Sie sich daher genau über die Produkte beispielsweise bei Verbraucherzentralen oder unabhängigen Test-Instituten und prüfen Sie, ob es sinnvolle KI-ungestützte Alternativen gibt. Bedenken Sie: Kleine Kinder verfügen nicht über die kognitiven Fähigkeiten, um vollständig zwischen Realität und Spiel zu unterscheiden, und sie binden sich emotional stark an ihre Spielsachen.
Zur Orientierung stellen wir Ihnen hier kurz die Chancen und Risiken gegenüber:
Chancen: Was kann KI in Spielsachen leisten?
Spielerisches Lernen und Sprachförderung
KI-Spielzeuge, die auf Sprachmodellen basieren, können durch Interaktion individuell auf das Sprachniveau von Kindern eingehen. Dabei können sie die Sprachentwicklung, beispielsweise durch altersgerechte Gespräche, Geschichten oder kleine Quizspiele fördern und unterstützen.
Kreativität
KI-Assistenten oder KI-Apps mit kreativem Schwerpunkt können Kinder zur eigenen Ideenentfaltung anregen.
Unterstützung im Familienalltag
Einige KI-Begleiter bieten Routinen wie Gute-Nacht-Geschichten an. Eltern können über eine App festlegen, welche Inhalte das Kind nutzt und wie lange. Hinterfragen Sie bei allem Verständnis für den familiären Alltagsstress jedoch, inwieweit das Entbinden von Routinen wirklich sinnvoll ist. Für die kindliche Entwicklung sind authentische Beziehungen und sichere Bindungen zu menschlichen Bezugspersonen essenziell.
So spannend die neuen Möglichkeiten der KI-Spielzeuge auch klingen – es gibt klare Risiken, die Eltern ernsthaft in Betracht ziehen sollten.
Risiken: Darauf sollten Eltern achten
Datenschutz & Privatsphäre
Viele vernetzte Spielzeuge hören mit oder speichern Daten – etwa Stimmen oder Nutzungsgewohnheiten. Wie diese Daten, beispielsweise für die Weiterentwicklung der KI-Systeme oder Werbezwecke, genutzt werden, ist meist intransparent.
Ungeeignete Inhalte & KI-Fehler
KI-Modelle können fehlerhafte, verzerrte oder unangemessene Antworten generieren. Tests aus dem Ausland haben gezeigt, dass KI-gestützte Spielzeuge Kindern Details zu gefährlichen Werkzeugen und unangemessenen Praktiken erklären konnten.
Entwicklung & soziale Fähigkeiten
Kinder können KI-Spielsachen schnell als echte Freund*innen ansehen und eine emotionale Bindung, Abhängigkeit oder parasoziale Beziehung zu ihnen aufbauen. Eine unbegleitete, regelmäßige Nutzung könnte langfristig die soziale Entwicklung beeinträchtigen.
Sicherheitsrisiken durch Vernetzung
Unzureichend gesicherte WLAN- oder Bluetooth-Verbindungen können Hacker*innen Zugänge eröffnen oder sensible Daten preisgeben.
Unter dem Motto „KI and me. In künstlicher Beziehung.“ thematisiert klicksafe zum Safer Internet Day (SID) 2026, am 10. Februar, wie sich die zunehmende Nutzung von KI-Begleitern auf unser Miteinander und vor allem auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen auswirkt. Mit medienpädagogischen Lehrmaterialien, Elternratgeber, Infokarten sowie digitalen und interaktiven Angeboten wird klicksafe zum SID Informationen und Tipps für Eltern, pädagogische Fachkräfte und Schüler*innen zur Verfügung stellen.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.klicksafe.de/sid
KI-Spielzeuge bringen neben wenigen Chancen, viele neue Herausforderungen mit sich. Es ist daher aktuell empfehlenswert, sich von neuen Produkten und Technologien nicht blenden zu lassen, die weiteren Entwicklungen der KI-gestützten Spielsachen abzuwarten, die Chancen und Risiken abzuwägen und sich genau über interessante Produkte zu informieren. Wenn KI-basierte Spielsachen angeschafft werden, ist es unbedingt notwendig, Kinder bei der Nutzung eng zu begleiten und analoge Freundschaften und Aktivitäten intensiv zu fördern. So bleibt das Kinderzimmer auch im digitalen Zeitalter ein sicherer und kreativer Ort zum Aufwachsen.



