klicksafe im TagesspiegelInterview mit der Koordinatorin Birgit Kimmel

Im Tagesspiegel Background wurde kürzlich ein ausführliches Porträt unserer Koordinatorin, Birgit Kimmel, veröffentlicht. Wir freuen uns sehr, dass wir den Text hier mit freundlicher Genehmigung des Tagesspiegel veröffentlichen können.

Tagesspiegel Background: Cybersecurity – Porträt Birgit Kimmel

Eigentlich war es das Ziel von Birgit Kimmel, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin zu werden. Aber während ihres Studiums der Erziehungswissenschaften an der Universität Koblenz-Landau arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft im Zentrum für empirisch-pädagogische Forschung und wurde so durch Projekte mit der Medienpädagogik konfrontiert. Eines kam zum anderen und die Medienanstalt Rheinland-Pfalz stellte Kimmel direkt nach der Uni ein. „Und ich bin seit über 20 Jahren in der Medienanstalt tätig. Es war tatsächlich Zufall, dass ich in die Medienpädagogik kam“, sagt Kimmel.

Sie ist mittlerweile eine der Koordinatorinnen der EU-Initiative klicksafe, dem deutschen Awareness-Zentrum, das die Onlinekompetenz vor allem jener Menschen fördern möchte, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Dazu finden Nutzer etwa auf dem Informationsportal von klicksafe eine Vielzahl an Tipps sowie Unterrichtsmaterialien zu digitalen Diensten.

Entstanden ist klicksafe auf Initiative der Europäischen Union (EU) jeweils in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Die europäischen Sensibilisierungszentren hätten in den Nationalstaaten vor allem die Aufgabe, gute Projekte aus den Ländern sichtbar zu machen, und dort, wo Themen nicht bearbeitet seien, Lücken zu schließen, sagt die 56-jährige Kimmel. Die Inhalte würden über die Webseite, über Social-Media und durch eine Vielzahl von Materialien und Maßnahmen umgesetzt. Daneben sollen Awareness-Zentren der EU auch Netzwerke in den Nationalstaaten aufbauen, welche unterschiedliche Stakeholder zusammenführt, das meint Ministerien, Unternehmen auch NGOs, so Kimmel.

Trotz neuer Plattformen bleibt vieles gleich

Zusätzlich zur Aufklärung von Erziehern oder Lehrern tausche sich klicksafe in Deutschland mit Unternehmen wie Google und Facebook aus. Die Welt der Plattformen und Online-Angebote ändere sich schließlich ständig. „Ich bin in die Medienwelt eingestiegen, als es noch gar keine sozialen Netzwerke gab. Facebook war noch nicht am Start. Wir sind ja mit ‚klicksafe‘ selbst 2004 gestartet und ich bin hineingewachsen in die Themen, habe meine Netzwerke früh aufbauen können und bin früh mit den Themen konfrontiert worden“, erzählt Kimmel.

Trotz des Entstehens neuer Dienste seien die grundlegenden Probleme und Risiken aus ihrer Sicht stets ähnlich. Die pädagogischen Fragestellungen veränderten sich eigentlich nur geringfügig. „Wenn wir jetzt Tiktok anschauen, dann gibt es noch mal einen ganz anderen Ansatz. Aber das, was gleichbleibt, ist mit Eltern und beispielsweise Lehrkräften gemeinsam so eine Plattform zu entdecken, immer auch Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen gemeinsam vorzunehmen, sodass man Kinder und Jugendliche begleitet und nicht alleine lässt in diesen Diensten“, sagt Kimmel. Bestimmte Handlungsoptionen blieben immer von Bedeutung.

Die Jüngsten im Blick

Neben klicksafe leitet Kimmel auch das deutsche Safer Internet Centre, ein Verbund von Awareness-Zentren, Internetbeschwerdestellen (Hotlines) und Beratungsstellen (Helplines). Als dieses 2008 entstand, haben sich bestehende Strukturen im Verbund zusammengefunden. Die deutschen Hotlines sind die von Jugendschutz.net, Eco und FSM. „Dann bestand noch die Aufgabe, eine Helpline in Deutschland aufzubauen. Wir sind damals eine Kooperation mit der ‚Nummer gegen Kummer‘ eingegangen und haben alle ehrenamtlichen Mitarbeiter geschult, damit sie am Telefon zu medienpädagogischen Themen beraten konnten. Auf dieser Basis wird bis heute gearbeitet und weiterentwickelt“, sagt sie.

Im Jahr 2022 soll der Fokus der Awareness-Zentren der EU noch stärker auf junge Kinder gelegt werden. „Denn das, was wir erleben, ist, dass vor allem jüngere Kinder immer stärker Medien alleine und ohne Aufsicht nutzen. Wir wissen ja, dass auch Grundschulkinder schon Smartphones haben, aber dass Apps und andere Dienste für ihr Alter nicht entwickelt wurden und somit immer größere Risiken mit sich bringen. Das wird uns in den nächsten Jahren stärker beschäftigen“, so Kimmel. Das Wohl von Kindern im Auge zu behalten, liegt der Pfälzerin auch aufgrund ihres ersten beruflichen Lebens am Herzen.

Denn vor ihrem Studium war Kimmel zunächst Erzieherin. Sie habe einige Jahre direkt mit Kindern in Einrichtungen gearbeitet, wo vor allem Heranwachsende aus dysfunktionalen Familien zusammenkamen. Dann kam das Studium, der Hilfskraftjob und schließlich der Sprung zur Medienanstalt Rheinland-Pfalz. Autor Constantin Eckner

Drei Fragen an Birgit Kimmel:

1) Welche Innovation wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir, dass wir uns endlich damit auseinandersetzen, sichere Surf-Räume für Kinder anzubieten. Sichere Surf-Räume bedeutet, dass sich Kinder in Diensten bewegen können, die auch altersentsprechend sind, die kein kommerzielles Interesse verfolgen, sondern das Wohl des Kindes im Blick haben. Zu denen Erziehungsbeauftragte oder Eltern und Lehrkräfte Vertrauen haben, sodass wir hiermit Kinder an die Chancen und Gefahren des Internets heranführen können.

2) Wer aus Digitalszene hat Sie beeindruckt?

Da gibt es einige Personen, die sich vor allem mit ethischen Fragen beschäftigen. Zum Beispiel Jaron Lanier mit seinem Buch „Wem gehört die Zukunf?“, in dem er uns nochmal darauf hingewiesen hat, dass wir selbst aktiv werden müssen und dass wir eine digitale Verfassung brauchen.

3) Als Digitalministerin würde ich…

…stark disziplinübergreifend arbeiten. Ich würde eng zusammenarbeiten mit der Familienministerin und Bildungsministerin. Ich würde vor allem vorantreiben, dass wir in Bildungseinrichtungen endlich ausreichend ausgestattet sind, was die Infrastruktur betrifft, aber auch was die Ausbildung der Lehrkräfte betrifft, sodass sie Kinder und Jugendliche kompetent unterstützen können.

Vielen Dank an die Redaktion von Tagesspiegel Background für die Freigabe des Textes. Den Text finden Sie natürlich auch auf der Webseite des Tagesspiegel Background.