Hans-Bredow-InstitutNeue Studie untersucht Darstellung von Babys und Kleinkindern in Social-Media-Profilen

Babys und Kleinkinder sind ein fester Bestandteil vieler sogenannter Family-Influencing-Accounts. Damit sind Influencer*innen gemeint, die ihren Familienalltag teilen und dabei kommerzielle Interessen verfolgen. Nun ist eine neue Studie erschienen, die erstmals systematisch untersucht, wie Kinder im Alter bis fünf Jahre in solchen monetarisierten Profilen auf Social-Media-Plattformen dargestellt werden. Die Studie wurde vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut durchgeführt und von fünf Landesmedienanstalten durch Drittmittel unterstützt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, wie präsent Kinder in den Inhalten mancher Family-Influencer*innen sind und welche tragende Rolle sie spielen. So stellen die Forschenden fest, dass Kinder „häufig als Authentizitätsnachweis, Interaktionsaspekt und Community-Verstärker fungieren“. Damit tragen sie wesentlich zur Reichweite und zum wirtschaftlichen Erfolg der Accounts bei.

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass sich daraus ein Spannungsfeld ergibt. Kinder werden Teil öffentlicher und kommerzieller Kommunikation, ohne selbst entscheiden zu können, ob und wie sie im Netz erscheinen möchten. Dies kann laut den Autor*innen im Widerspruch zum Schutzbedürfnis der Kinder stehen und langfristige Folgen für ihre Privatsphäre und persönliche Entwicklung haben.

Kinder oft sichtbar, aber nicht immer geschützt

Wie häufig Kinder tatsächlich in solchen Profilen auftauchen, zeigen die Zahlen der Studie deutlich. Für die Untersuchung wurden 359 Profile auf Instagram, TikTok und YouTube analysiert. Insgesamt wurden mehr als 10.000 Beiträge ausgewertet.

In 44 Prozent der Beiträge sind Kinder zu sehen. Zwar greifen mehr als zwei Drittel der untersuchten Influencer*innen zu Schutzmaßnahmen wie Verpixelung, Overlays oder verdeckten Kameraperspektiven. Dennoch sind Kinder in etwa einem Drittel der Beiträge klar identifizierbar. Besonders häufig betrifft das sehr junge Kinder im Alter von 0 bis 2 Jahren.

Auffällig ist außerdem, dass es sich dabei häufig um Profile mit sehr hohen Reichweiten handelt. Gerade reichweitenstarke Accounts zeigen ihre Kinder häufiger erkennbar und erreichen damit ein besonders großes Publikum.

Zwischen Familienleben und Geschäftsmodell

Die Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Accounts. Einige Influencer*innen setzen bewusst Grenzen und achten darauf, die Privatsphäre ihrer Kinder zu schützen. Andere wiederum teilen sehr offen Einblicke in ihr Familienleben und zeigen ihre Kinder deutlich erkennbar.

Dabei wird deutlich, dass Kinder oft mehr sind als nur Teil des Alltags. Sie tragen aktiv zur Wirkung der Inhalte bei. Aus Sicht der Forschenden ist das problematisch, denn Kinder werden dabei für wirtschaftliche Zwecke instrumentalisiert, ohne selbst darüber bestimmen zu können.

Welche Risiken entstehen können

Die Darstellung von Kindern im Netz ist selten nur ein einmaliger Moment. Inhalte bleiben oft langfristig sichtbar und können auch Jahre später noch auffindbar sein. Die Studie weist darauf hin, dass so früh digitale Spuren entstehen, die die spätere Selbstbestimmung der Kinder beeinflussen können.

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass die Darstellung von Kindern in monetarisierten Profilen mit ihren Rechten kollidieren kann. Dazu zählen insbesondere das Recht auf Privatsphäre, das Persönlichkeitsrecht und der Datenschutz.

Hinzu kommt ein Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und elterlicher Fürsorge. Dieses lässt sich nicht immer einfach auflösen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse auch, dass viele Influencer*innen bemüht sind, ihre Kinder zu schützen und verantwortungsvoll mit deren Sichtbarkeit umzugehen.

Handlungsempfehlungen für mehr Schutz

Auf Grundlage der Studie haben die beteiligten Landesmedienanstalten Handlungsempfehlungen für Family-Influencer*innen veröffentlicht. Sie sollen dabei unterstützen, Kinder in sozialen Netzwerken besser zu schützen und Risiken frühzeitig zu erkennen. Im Mittelpunkt steht das Kindeswohl. Empfohlen wird unter anderem, die Privatsphäre von Kindern zu wahren, Inhalte sorgfältig abzuwägen und langfristige Folgen mitzudenken.

Informationen zur Studie und zum Download

Die Studie wurde vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut durchgeführt. Drittmittel wurden von der Landesmedienanstalt Berlin/Brandenburg (mabb), der Landesmedienanstalt Niedersachsen (NLM), der Landesmedienanstalt Bremen (brema), der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen (Medienanstalt NRW) und der Landesmedienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) zur Verfügung gestellt.

→ Download der Studie „Darstellung von Babys und Kleinkindern in monetarisierten Social-Media-Profilen“

→ Download „Handlungsempfehlungen für Family-Influencer:innen“