Mobbing, Ausgrenzung & BeleidigungenProbleme im Klassenchat - das können Schulen jetzt tun

Für die Umfrage „Nutzung von Klassenchats an Schulen in Deutschland 2026” wurden im Auftrag des WDR 1.257 Schüler*innen im Alter von 10 bis 16 Jahren befragt. Die gesamten Befragungsergebnisse können Sie hier herunterladen. Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Ergebnisse für Sie zusammen:
Wie viele Schüler*innen nutzen Klassenchats?
82 Prozent der befragten Schüler*innen gaben an, mindestens an einem Klassenchat teilzunehmen. Während es am Ende der Grundschulzeit rund die Hälfte sind (51 Prozent), steigt die Zahl in den weiterführenden Schulen auf bis zu 91 Prozent in Gymnasien. Die meisten Schüler*innen (43 Prozent) sind lediglich in einem Klassenchat aktiv, es kommt aber auch vor, dass Kinder in zwei (37 Prozent) oder drei (13 Prozent) schulischen Chatgruppen aktiv sind.
Mit Abstand am beliebtesten ist die Plattform WhatsApp: 92 Prozent der Schüler*innen nutzen diesen Messenger für Klassenchats. Schulinterne Plattformen werden dagegen nur von 20 Prozent genutzt. Die einzige weitere relevante Plattform ist mit 19 Prozent Snapchat.
Wie häufig nutzen Schüler*innen Klassenchats?
Von den Schüler*innen, die Mitglied in einem Klassenchat sind, nutzen 49 Prozent diesen täglich. Insgesamt nutzen 82 Prozent ihn mindestens einmal in der Woche oder öfter. Die Häufigkeit der Nutzung könnte in Zusammenhang stehen mit der Anzahl der Nachrichten, die in den Klassenchats ausgetauscht werden. In rund der Hälfte (48 Prozent) der Klassenchats werden bis zu zehn Nachrichten pro Tag gepostet, in rund 40 Prozent der Chatgruppen sogar bis zu 50 Nachrichten pro Tag. In 13 Prozent der Klassenchats gibt es jeden Tag bis zu 100 oder sogar mehr Nachrichten – das ist immerhin jeder zehnte Klassenchat.
Wofür nutzen Schüler*innen den Klassenchat?
Ganz überwiegend nutzen die Schüler*innen den Klassenchat, wenig überraschend, für schulische Themen (90 Prozent). Mehr als die Hälfte der befragten Schüler*innen gab an, dass der Klassenchat schon einmal dabei geholfen habe, Probleme in der Klasse zu lösen. Neben schulischen Inhalten werden oft auch lustige Inhalte (65 Prozent) gepostet. Und auch privater Austausch findet häufig innerhalb der Chatgruppen statt (58 Prozent).
Welche negativen Erfahrungen machen Schüler*innen im Klassenchat?
Rund jedes dritte Kind (35 Prozent) berichtet, bereits unangenehme Dinge im Klassenchat gesehen zu haben. Am häufigsten kommt es dabei zu Beleidigungen oder Bloßstellungen (rund 25 Prozent). Auch von Gerüchten oder Lügen und Ausgrenzung oder Mobbing von einer bestimmten Person aus dem Klassenchat berichtet jedes fünfte Kind (rund 19 Prozent). Davon betroffen sind fast immer andere Schüler*innen (91 Prozent). Aber auch Lehrkräfte wurden laut der Befragung in 29 Prozent der Fälle zur Zielscheibe.
16 Prozent der Schüler*innen gaben an, dass sie selbst bereits von Beleidigungen und Mobbing betroffen waren. 20 Prozent haben sich bereits einmal im Klassenchat ausgeschlossen gefühlt.
Videos oder Bilder von Gewalt oder Verletzungen kommen mit rund 9 Prozent deutlich seltener vor als Beleidigungen und Mobbing. Bilder oder Videos, die zu Hass, Gewalt oder Ausgrenzung gegen bestimmte Gruppen aufrufen, wurden von rund 6 Prozent der Befragten genannt. Rund 4 Prozent der befragten Schüler*innen berichten, dass sie schon einmal mit Nacktbildern oder -videos im Klassenchat konfrontiert wurden.
Wissen Kinder, wo sie Hilfe bekommen können?
Erfreulicherweise geben 87 Prozent der befragten Schüler*innen an, zu wissen, an wen sie sich für Hilfe wenden können. Als Hauptanlaufstellen wurden Lehrer*innen (80 Prozent), Sozialarbeiter*innen (64 Prozent) und andere Schüler*innen (26 Prozent) genannt. Die Kinder, die tatsächlich mit anderen über ihre Probleme im Klassenchat gesprochen haben, haben dies allerdings am häufigsten mit ihren Eltern, Freund*innen oder Geschwistern getan. Lediglich 12 Prozent haben sich mit ihrem Problem an Lehrer*innen und nur 7 Prozent an Sozialarbeiter*innen gewandt.
Positiv ist auch, dass rund 80 Prozent der Schüler*innen in der Schule darüber aufgeklärt wurden, wie man Klassenchats sinnvoll und verantwortungsvoll nutzt.
Was können Lehrkräfte tun?
Lehrkräfte haben in der Regel keine Einsicht in die Chatgruppe. Aufgrund des Distanzwahrungsgebots für Lehrkräfte gegenüber ihrer Schülerschaft wird oft von einer privaten Teilnahme und Überwachung von Klassenchats durch Lehrkräfte abgeraten. Aber: Wenn Lehrkräfte Kenntnis von schädlichen oder illegalen Inhalten und Vorgängen haben, müssen sie handeln und z.B. bei der Beweissicherung unterstützen. Um Problemen vorzubeugen, sollten pädagogische Fachkräfte zu Beginn des Schuljahres Schüler*innen über die Risiken von Klassenchats aufklären und verbindliche Regeln für Gruppenchats festlegen. Stellen Sie dabei unmissverständlich klar, welche Inhalte in den Chat gehören und welche auf keinen Fall geteilt werden dürfen. Legen Sie gemeinsam fest, wer sich um die Einhaltung der Regeln und eventuelle Sanktionen kümmert.
klicksafe bietet zur Erarbeitung solcher Regeln die Unterrichtseinheit „Regeln für den Klassenchat“ mit neuen Fallbeispielen und Gruppenaufgaben zum Download an.
Passend zur Unterrichtseinheit können Klassen die erarbeiteten Regeln im Plakat „Unsere Regeln für den Klassenchat“ festhalten. Die Durchführung der Unterrichtseinheit eignet sich ab Klasse 5. Das Plakat zur Unterrichtseinheit können Klassen wieder als Printversion (Größe DIN A 1) bei klicksafe bestellen.
Außerdem können Lehrkräfte das Projekt 18 „Nudes, Dickpics und Co. – No-Gos im Klassenchat!“ aus unserem Unterrichtsmaterial „Let's Talk about Porno“ verwenden. Zu diesem Projekt gehört auch ein interaktives PDF mit dem Schüler*innen lernen, welche Inhalte in den Klassenchat gehören und welche nicht. Bitte beachten Sie, dass dieses Unterrichtsmaterial von uns für Schüler*innen ab 14 Jahren empfohlen wird. Prüfen Sie bitte vor dem Einsatz des Materials in der Klasse, ob der Inhalt für Ihre Schüler*innen geeignet ist.
Wenn alles geregelt ist, sollten Lehrkräfte das Thema Klassenchats weiter im Blick behalten. Denn wie die Befragung des WDR zeigt, kommt es zu Problemen, obwohl rund 80 Prozent der Schüler*innen in der Schule Informationen zum korrekten Verhalten im Klassenchat erhalten haben. Besprechen Sie den Klassenchat z.B. in den Klassenleitungsstunden oder dem Klassenrat. Fragen Sie nach der aktuellen Atmosphäre im Klassenchat. Gruppenchats wirken sich oft negativ auf das Klassenklima aus. Analoge Konflikte werden dabei auch digital verhandelt und fortgeführt. Kinder sollten jederzeit wissen, wen sie im Notfall vertrauensvoll um Hilfe bitten können und umgehend Unterstützung erhalten. Beziehen Sie die Eltern beziehungsweise die Schulgemeinschaft mit ein, wenn es vermehrt Probleme in Klassenchats an Ihrer Schule gibt.
Reportage: Inside Klassenchats
Der WDR hat eine rund 30-minütige Reportage zum Thema Klassenchats veröffentlicht. Diese Reportage können Sie noch bis zum 18. März 2027 kostenlos in der ARD-Mediathek anschauen.
Weitere Materialien von klicksafe
Zu den Risiken, die in Klassenchats zu ernsthaften Problemen führen können, bietet klicksafe viele weitere Materialien an – sowohl für pädagogische Fachkräfte, aber auch für Eltern:






