JIMplus-Studie 2026Social-Media-Nutzung laut Jugendliche sowohl Inspiration als auch Belastung

Für das digitale Wohlbefinden spielt Social Media eine zentrale Rolle – insbesondere YouTube, Instagram, TikTok und Snapchat. Die Nutzung dieser Plattformen ist derzeit die am weitesten verbreitete Online-Aktivität unter Jugendlichen. Gleichzeitig fällt die Bewertung davon deutlich ambivalenter aus als bei anderen digitalen Freizeitaktivitäten: Musikhören etwa wird überwiegend mit positiven Gefühlen verbunden und dient häufig als Strategie zum Umgang mit Belastungen. Social Media hingegen erleben Jugendliche als ständiges Wechselspiel zwischen positiven Erlebnissen und belastenden Erfahrungen. Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Mädchen: Sie nutzen soziale Netzwerke häufiger als Jungen, berichten zugleich aber auch häufiger von Vergleichsdruck und geben deutlich öfter an, sich im eigenen Körper unwohl zu fühlen.
Wie gehen Jugendliche mit problematischen Inhalte auf Social Media um?
Für viele Jugendliche ist der Kontakt mit problematischen Inhalten Teil ihrer digitalen Lebenswelt. Am häufigsten begegnen sie Fake News (71 %), extremen politischen oder religiösen Inhalten (43 %) sowie Hate Speech (40 %). Als besonders belastend werden ungewollte Nacktbilder, Mobbing, drastische Gewaltdarstellungen sowie Inhalte, die Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten verharmlosen, wahrgenommen. Im Vergleich zu anderen Social-Media-Plattformen wird TikTok von Jugendlichen am häufigsten mit problematischen Inhalten in Verbindung gebracht.
Die meisten Jugendlichen reagieren auf solche Inhalte, indem sie weiterscrollen. Rund ein Drittel gibt an, sich an die vielen problematischen Inhalte in den sozialen Medien gewöhnt zu haben. Nur etwa ein Viertel meldet problematische Beiträge den Plattformen. Gleichzeitig weisen Jugendliche, die bereits mit bestimmten problematischen Inhalten in Kontakt gekommen sind, tendenziell niedrigere Werte beim persönlichen Wohlbefinden auf.
Auffällig ist die Stellung von TikTok auch in anderer Hinsicht: Obwohl die Plattform im Vergleich zu anderen Diensten am kritischsten bewertet wird, steht sie auf Platz zwei der Dienste, die Jugendliche am meisten vermissen würden (bei Mädchen sogar auf Platz eins). Zudem weist TikTok mit 13 Prozent den höchsten Anteil an Nutzer*innen auf, die die Plattform sehr intensiv nutzen (über drei Stunden am Tag).
Familie und Freundschaften bleiben die wichtigsten Ressourcen
Soziale Beziehungen spielen für das persönliche Wohlbefinden eine zentrale Rolle. Die höchste Zufriedenheit erleben Jugendliche bei Aktivitäten mit Freund*innen. Auch eine starke familiäre Einbindung geht mit einem höheren Wohlbefinden einher. Bei Sorgen und Belastungen greifen Jugendliche neben Musik vor allem auf Gespräche mit vertrauten Personen zurück. Der Austausch mit KI-Chatbots spielt dagegen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Zwölf Prozent der Jugendlichen nutzen diese Option, wenn sie etwas belastet.
Die Ergebnisse der JIMplus-Studie zeigen, dass Jugendliche digitale Medien nicht ohne Kenntnis über deren Schattenseiten nutzen, sondern sich diesen Problemen bewusst sind. So beneidet rund die Hälfte der Befragten die Generationen, die noch ohne Social Media aufgewachsen sind. Dieser Aussage stimmen Mädchen (52 %) deutlich häufiger zu als Jungen (42 %).
Beim Thema Altersgrenzen zeigen sie eine differenzierte Haltung: Über die Hälfte steht einem Verbot skeptisch gegenüber, da sie dessen Wirksamkeit bezweifeln. Gleichzeitig sind 43 Prozent der Meinung, dass Social Media für alle unter einem bestimmten Alter verboten sein sollte. Besonders bezeichnend ist, dass die Mehrheit der Plattformnutzenden rückblickend ein höheres Einstiegsalter empfehlen würde als das, welches sie selbst bei der ersten Nutzung hatten. Im Kontext der aktuellen Verbotsdebatte sehen weniger als zehn Prozent die Perspektive von Jugendlichen als ausreichend berücksichtigt.
Weitere Informationen zur JIM-Studienreihe
Die Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien) wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs), einer Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), der Medienanstalt Rheinland-Pfalz und des Südwestrundfunks (SWR) seit 1998 jährlich durchgeführt. Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab. Mit der JIMplus-Studie 2026 legt der mpfs nun eine ergänzende Sonderstudie zum digitalen Wohlbefinden von 14- bis 17-Jährigen vor. Dazu dokumentierten in einem ersten, qualitativen Schritt 33 Jugendliche ihren digitalen Alltag mittels Online-Tagebuch, anschließend nahmen 20 von ihnen an einem Online-Einzelinterview teil. In einem zweiten Schritt wurde mit 800 Jugendlichen zwischen dem 13. und 27. Mai 2026 eine repräsentative Online-Umfrage durchgeführt. Alle Ausgaben der JIM-Studie seit 1998 sind als PDF unter www.mpfs.de abrufbar.
Der Text dieses Beitrags ist eine von klicksafe angepasste Version dieser Pressemitteilung.







