jugendschutz.net-ReportSpotify schützt Kinder und Jugendliche nicht ausreichend vor gefährlichen Inhalten

Verbotene Nazi-Symbole, Verherrlichung von Suizid und sexuelle Gewalt gegen Kinder – neben Millionen von Pop-Songs und Podcasts können auch solche Inhalte auf Spotify frei abgerufen werden. Ein neuer Report von jugendschutz.net zeigt: Die beliebte Plattform versteckt Meldemöglichkeiten hinter unnötigen Hürden, löscht jugendgefährdende Inhalte kaum und kennzeichnet Erwachsenen-Content nur unzureichend. Eltern können zwar problematische Inhalte für ihre Kinder filtern lassen, müssen dafür allerdings über 200 Euro im Jahr bezahlen. Bei uns erfahren Sie, welche Sicherheitsmängel jugendschutz.net auf Spotify entdeckt hat und wie Sie Ihr Kind auf der Plattform begleiten können.

Mit über 696 Millionen aktiven Nutzer*innen ist Spotify eine der meistgenutzten Musik- und Podcast-Plattformen weltweit. Auch in Deutschland ist Spotify bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Laut der JIM-Studie 2024 nutzen 85 % der Jugendlichen einen Musikstreamingdienst und verbringen dort im Schnitt rund zwei Stunden pro Tag. Für 13 % der Jugendlichen gehört Spotify sogar zu den wichtigsten Apps überhaupt. Eine relevante Rolle spielt dabei sicherlich, dass der Empfehlungsalgorithmus Musikvorschläge an den individuellen Musikgeschmack anpasst. Außerdem ermöglicht das Erstellen und Teilen von Playlists die Vernetzung mit anderen Spotify-Nutzer*innen.

Welche gefährlichen und illegalen Inhalte gibt es bei Spotify?

Der Empfehlungsalgorithmus von Spotify hat nicht nur Vorteile, sondern birgt für Kinder und Jugendliche auch erhebliche Risiken. Denn durch Vorschläge können sie mit problematischen oder sogar illegalen Inhalten in Kontakt kommen, selbst wenn sie gar nicht aktiv danach suchen.

So fand jugendschutz.net bei der Recherche auf Spotify zum Beispiel Lieder rechtsextremer Künstler*innen oder auch KI-generierte Musik mit demokratiefeindlichen Inhalten. In Nutzernamen und Playlists tauchen verbotene (Nazi-)Parolen, Gewaltaufrufe und Verherrlichung rechtsterroristischer Attentäter auf.

Darüber hinaus enthalten zahlreiche Lieder explizite Beschreibungen von Gewalt. Manche Playlistbilder zeigen fiktive Gewaltszenen. Über die Funktion, Liedtexte anzeigen zu lassen, sind diese gewaltverherrlichenden Inhalte auch als Texte abrufbar.

Auch Beschreibungen von sexueller Gewalt gegen Kinder konnte jugendschutz.net bei der Recherche auf Spotify finden. In einzelnen Liedtexten fanden sich explizite Beschreibungen von Missbrauchshandlungen, zudem fanden sich in Playlist- und Nutzer*innennamen Hinweise auf die Verherrlichung und Verharmlosung sexueller Gewalt gegen Kinder.

Neben extremistischen, gewalttätigen und sexualisierten Inhalten finden sich auf Spotify Playlists, die Suizid, Selbstverletzung, Drogenkonsum oder Essstörungen verherrlichen. Dies geschieht zum Beispiel durch von Nutzer*innen hochgeladene Bilder oder auch durch Liedtexte, die diese Themen glorifizieren.

Pornografische Bilder im Comic-Stil waren sowohl in Playlist- als auch in Profilbildern zu finden. Zudem wurde eine große Zahl erotischer Hörbücher sowie Albumcover mit Gewaltpornografie gefunden.

Welche Maßnahmen ergreift Spotify, um Kinder und Jugendliche zu schützen?

Laut den Allgemeinen Nutzungsbedingungen müssen Nutzer*innen für die Nutzung von Spotify mindestens 18 Jahre alt sein. Personen ab 16 Jahren dürfen Spotify nutzen, sofern das Einverständnis der Erziehungsberechtigten vorliegt. Eine Überprüfung des Alters oder eine Sichtung der Einverständniserklärung durch Spotify findet jedoch nicht statt.

Nach der Registrierung haben Nutzer*innen Zugriff auf alle verfügbaren Inhalte auf Spotify. Dazu gehören auch Inhalte, die durch „E“ oder „Explicit“ als potenziell unangemessen für Kinder und Jugendliche gekennzeichnet wurden. Über die Einstellungen können solche Inhalte zwar ausgeblendet oder bestimmte Künstler*innen blockiert werden, diese Filterfunktion bleibt jedoch eingeschränkt.

Zudem haben Eltern lediglich über das kostenpflichtige Premium-Abo die Möglichkeit unangemessene Lieder auszublenden oder einen Spotify Kids Account zu erstellen. Zum Zeitpunkt der Recherche lag der Preis für dieses Abo bei 17,99 Euro pro Monat. Dadurch sind Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen erheblich eingeschränkt und nur Personen vorbehalten, die über 200 Euro im Jahr ausgeben können.

Ein besonders schlechtes Bild gibt Spotify bei den Meldemöglichkeiten ab. So baut Spotify im Meldesystem unnötige Hürden ein, zum Beispiel durch das Abrufen eines Codes per E-Mail oder das Pausieren der Meldemöglichkeit nach drei Meldungen. Es entsteht der starke Eindruck, dass Spotify das Melden illegaler Inhalte absichtlich erschwert und den Meldenden Steine in den Weg legt, wie auch jugendschutz.net nach der Recherche feststellte.

Wenn eine Meldung erfolgreich abgeschlossen wurde, zeigt sich sofort das nächste Problem: Im Rahmen der Recherche hat jugendschutz.net 78 Verstöße (u. a. Volksverhetzung, Pornografie und offensichtlich schwere Jugendgefährdung) an Spotify gemeldet. Nach einer Woche hatte Spotify weniger als die Hälfte der Verstöße entfernt. Selbst nachdem sich jugendschutz.net offiziell als Meldestelle zu erkennen gegeben hatte, wurde lediglich ein weiterer Inhalt entfernt.

Welche Schutzmaßnahmen können helfen?

jugendschutz.net betont, dass ein besserer Schutz von Kindern und Jugendlichen auf Spotify für den Anbieter leicht umzusetzen wäre. Ein funktionierendes und leicht zu bedienendes Meldesystem wäre bereits ein erster Schritt. Zudem sollte es eine strengere Kennzeichnung expliziter Inhalte geben und die App sollte standardmäßig so voreingestellt sein, dass solche Inhalte ausgeblendet werden. Ideal wäre eine Klassifizierung aller Inhalte, um altersspezifische Beschränkungen zu ermöglichen.

Wie können Sie Ihr Kind bei einer sichereren Spotify-Nutzung unterstützen?

  • Bedenken Sie, dass Spotify laut den Allgemeinen Nutzungsbedingungen in Deutschland frühestens ab 16 Jahren genutzt werden darf.
  • Klären Sie Ihr Kind über mögliche Gefahren und Risiken auf.
  • Bleiben Sie im Austausch mit Ihrem Kind: Fragen Sie nach, welche Inhalte Ihrem Kind begegnen und seien Sie für Fragen ansprechbar.
  • Blenden Sie ggf. unangemessene Inhalte (Lieder mit Kennzeichnung „Explicit“ bzw. „E“) in den Einstellungen aus.
  • Überlegen Sie, ob ein kostenpflichtiges Spotify-Premium-Family-Abonnement für Sie und Ihre Familie in Frage kommt.
  • Melden Sie unangemessene Inhalte direkt bei Spotify oder über jugendschutz.net/verstoss-melden.

Alle Informationen und noch viele weitere Aspekte zum Thema Spotify finden Sie im vollständigen Report „Wie sicher ist Spotify? Konfrontationsrisiken für Kinder und Jugendliche“.