Digitale SpieleWarum Kinder immer wieder Brawl Stars spielen wollen

Auf dem Heimweg im Bus, versteckt auf der Schultoilette oder noch kurz vorm Abendessen – eine Runde Brawl Stars ist schnell gespielt und gehört für viele Kinder zu ihrem digitalen Alltag. Das Handyspiel wurde 2018 veröffentlicht und zählt mit über 500 Millionen Downloads zu den erfolgreichsten Mobile Games weltweit. Bereits bei Grundschulkindern sind die angesagten Brawler oft Thema auf dem Pausenhof. klicksafe fasst die wichtigsten Aspekte, Risiken und Tipps zu Brawl Stars zusammen.

Das Mobile Game Brawl Stars begeistert seit vielen Jahren Millionen von Kindern und Jugendlichen weltweit. Besonders im Grundschul- und frühen Teenageralter ist das Spiel häufig Gesprächsthema auf dem Schulhof. In WhatsApp-Gruppen werden Termine zum gemeinsamen Spielen koordiniert und die neuesten Brawl-Stars-Trends begegnen Kindern auf YouTube oder TikTok. Doch warum übt das Spiel auf Kinder eine so große Anziehungskraft aus und welche Risiken sollten Eltern kennen? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Brawl Stars.

Was ist Brawl Stars?

Brawl Stars ist ein kurzweiliges Mobile Game des finnischen Spieleentwicklers Supercell. In einer bunten Cartoon-Spielumgebung können Spieler*innen in verschiedenen Modi gegeneinander antreten. Kämpfe sind alleine oder in Teams möglich. Angepasst an den Spieltitel, heißen die Spielfiguren „Brawler“ (zu Deutsch: Kämpfer oder Rabauke). Diese unterscheiden sich je nach Spielstand im Aussehen, in der Stärke und den Waffen.

Die verschiedenen Spielmodi müssen anfangs nach und nach freigeschaltet werden. In jedem Spielmodus haben die Spieler*innen eine andere Aufgabe. Das Ziel des zu Anfang freigeschalteten Modus „Solo Showdown“ ist zum Beispiel, als Letzter von 10 Spieler*innen zu überleben. Weitere Spielmodi sind unter anderem „Knockout“ und „Kopfgeldjagd“. Eine Spielrunde dauert unabhängig vom Modus immer nur wenige Minuten. Im Spiel können Nutzer*innen in Clubs oder Teamchats miteinander kommunizieren.

Brawl Stars ist als App für alle mobilen Endgeräte kostenfrei in den jeweiligen App Stores erhältlich. Die Altersfreigabe der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) lautet ab zwölf Jahre. Der pädagogische Spieleratgeber-NRW empfiehlt Brawl Stars ebenfalls ab zwölf Jahren. Laut den Nutzungsbedingungen des Herstellers Supercell müssen Eltern den AGB zustimmen, wenn Kinder noch nicht das „Mindestalter ihrer Region“ erreicht haben. Supercell überprüft das Alter der Spieler*innen nicht.

Was fasziniert Kinder an Brawl Stars?

  1. Schneller Einstieg und kurze Spielrunden
    Brawl Stars ist kostenlos verfügbar und leicht zugänglich. Die Spielrunden dauern meist nur wenige Minuten. Dadurch erleben Kinder schnell Erfolgserlebnisse und spielen mehrmals am Tag, unterwegs oder zwischendurch in kurzen Pausen „noch eine Runde“.
  2. Auffällige Figuren und starke Identifikation
    Die sogenannten „Brawler“ sind kreativ und humorvoll gestaltet. Viele Kinder entwickeln Lieblingsfiguren, sammeln Skins oder vergleichen seltene Charaktere mit Freund*innen. Neue Figuren, Animationen und Events sorgen regelmäßig für Abwechslung und Gesprächsstoff.
  3. Belohnungssysteme motivieren dauerhaft
    Das Spiel arbeitet mit vielen Anreizen: tägliche Belohnungen, Ranglisten, Trophäen, Freispiele oder zeitlich begrenzte Events. Gewinne schalten neue Inhalte frei und vermitteln das Gefühl von Fortschritt. Solche Mechanismen können Kinder stark motivieren, regelmäßig weiterzuspielen.
  4. Gemeinschaft und Teamerfolge
    Viele Kinder spielen Brawl Stars gemeinsam mit Freund*innen oder Klassenkamerad*innen. Verabredungen zum gemeinsamen Spielen gehören mittlerweile für viele Kinder dazu. Gemeinsame Teamerfolge stärken dabei das Zugehörigkeitsgefühl. Gleichzeitig entsteht sozialer Druck: Wer nicht mitspielt, kennt aktuelle Trends oder neue Figuren oft nicht und kann nicht mitreden.
  5. Präsenz auf YouTube, TikTok und Twitch
    Influencer*innen, Livestreams und Let’s-Play-Videos tragen zusätzlich zur Popularität des Spiels bei. Kinder sehen dort neue Strategien, seltene Figuren oder lustige Spielszenen und möchten diese oft selbst ausprobieren.
  6. Wettbewerb und Sammelspaß
    Ranglisten, seltene Skins und freischaltbare Inhalte sprechen den Sammel- und Wettbewerbsdrang vieler Kinder an.

Welche Risiken von Brawl Stars sollten Eltern kennen?

Exzessives Spielen

Die vielfältigen Anreize im Spiel (Belohnungen, Lootbox-Mechanismen, Ranglisten) können exzessives Spielverhalten begünstigen. Dabei kommen sogenannte Dark Patterns zum Einsatz, die unbewusst zum Weiterspielen verleiten. Kinder, die beim Spielen einen hohen Ehrgeiz entwickeln, sind besonders anfällig für suchtartiges Spielverhalten. Spielen Freunde im Team, können durch den sozialen Erfolgsdruck die Nutzungszeiten zusätzlich ansteigen.  

Kostenfallen durch In-App-Käufe

Um den Spielfluss voranzubringen, können Spielvorteile durch kostenpflichtige In-App-Käufe erworben werden (Pay-to-progress-Prinzip). Dies ist teilweise undurchsichtig, da die plattforminterne Währung (Juwelen) auf echtem Geld basiert. Laut den Nutzungsbedingungen von Supercell sind Eltern „für jede unerlaubte Nutzung des Dienstes durch Kinder voll verantwortlich. Sie sind für jede Nutzung Ihrer Kreditkarte oder eines anderen Zahlungssystems (wie PayPal) durch Kinder verantwortlich.“

Cybergrooming und Cybermobbing

In Brawl Stars können Spieler*innen online zusammenspielen, indem sie Clubs gründen oder Clubs beitreten und über Chats kommunizieren. Das Chatten steht beim Spiel nicht im Vordergrund, dennoch besteht durch die vorhandene Chat-Funktion das Risiko der Kontaktanbahnung durch fremde Spieler*innen (Cybergrooming). Im Rahmen der Chat-Kommunikation, besonders bei verlorenen Spielrunden, kann es zu Frust, Beschimpfungen oder Cybermobbing kommen.

Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest hat Brawl Stars neben weiteren beliebten Spiele-Apps als inakzeptabel für Kinder und Jugendliche eingestuft. Problematisch seien vor allem der hohe Spiel- und Kaufdruck und das Zulassen antisemitischer Nutzernamen (Stand Mai 2024).

Tipps für Eltern

Sie möchten Ihrem Kind Brawl Stars erlauben? Dann sollten Sie Folgendes beachten:

  • Begleiten Sie Ihr Kind aufmerksam im Alltag, um mögliche Anzeichen eines exzessiven Spielverhaltens rechtzeitig zu erkennen. Begrenzen Sie konsequent die Spielzeit an digitalen Geräten und fördern Sie kindgerechte Spielalternativen. Hilfreich kann ein Mediennutzungsvertrag sein, den die Familie aushandelt.
  • Legen Sie ein Nutzer*innenkonto für Ihr Kind an und achten Sie dabei auf die korrekte Angabe des Alters. Mit einem Kinderkonto können bestimmte Sicherheitseinstellungen getroffen werden, die andernfalls nicht möglich sind. Wie ein Kinderkonto angelegt werden kann, erfahren Sie auf www.medien-kindersicher.de.
  • Schalten Sie in den Geräteeinstellungen Push-Nachrichten aus, die Ihr Kind immer wieder ans Spiel erinnern.
  • Legen Sie fest, ob und in welchem Maße In-Game-Käufe vom Kind getätigt werden dürfen, mit welchen Zahlungsmethoden und mit welchen Obergrenzen (z.B. Taschengeld). Wenn Sie In-App-Käufe nicht erlauben möchten, können Sie diese in den Geräteeinstellungen verhindern.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind Regeln zur Online-Kommunikation. Sensibilisieren Sie hierbei für Kontaktrisiken wie z.B. ungewollte Kontaktaufnahme (Cybergrooming) oder unangemessenes Kommunikationsverhalten in Chats (Cybermobbing).
  • Zeigen Sie Ihrem Kind den Hilfebereich und die Meldemöglichkeiten für unangemessene Inhalte in der App.
  • Informieren Sie sich über altersgerechte und sichere Games beim pädagogischen Spieleratgeber NRW.