Mehr Vielfalt im NetzWelche europäischen Alternativen zu großen Plattformen gibt es?

Für die meisten von uns gehören digitale Dienste ganz selbstverständlich zum Alltag. Wir bestellen beispielsweise Produkte bei Amazon, schreiben WhatsApp-Nachrichten, suchen mit Google im Internet oder streamen abends Filme und Serien über Netflix oder YouTube. Dabei wird oft gar nicht bewusst darüber nachgedacht, welche Unternehmen hinter den genutzten Diensten stehen oder ob es vielleicht Alternativen gibt. Die großen Plattformen sind so stark in unseren Alltag integriert, dass sie häufig einfach „mitgenutzt“ werden – oft, weil das gesamte soziale Umfeld sie ebenfalls verwendet.
Wenn über europäische Alternativen gesprochen wird, spielt das Thema Datenschutz meist eine zentrale Rolle. Dabei ist jedoch wichtig zu verstehen, dass auch große internationale Unternehmen ihre Dienste innerhalb der Europäischen Union nur unter Einhaltung der geltenden europäischen Gesetzgebung anbieten dürfen. So hat beispielsweise das Unternehmen Meta (betreibt Facebook, Instagram, WhatsApp, Threads und MetaAI) seinen europäischen Sitz in Irland und unterliegt damit grundsätzlich den europäischen Datenschutzregeln. Gleichzeitig zeigen Entscheidungen europäischer Datenschutzbehörden und verhängte Strafzahlungen in Millionenhöhe der letzten Jahre, dass es in der Praxis dennoch wiederholt zu Verstößen gekommen ist.
Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein differenzierter Blick auf europäische digitale Alternativen. Sie sind nicht automatisch „sicherer” oder „besser”, können aber in bestimmten Bereichen Vorteile bieten.
Welche Vorteile können europäische digitale Alternativen haben
Europäische Dienste sind nicht automatisch besser oder sicherer als internationale Anbieter. Dennoch können sie aus verschiedenen Gründen für Nutzer*innen interessant sein:
Geschäftsmodelle und Datennutzung
Viele europäische digitale Dienste unterscheiden sich in ihren Geschäftsmodellen von großen internationalen Plattformen, da sie stärker auf direkte Bezahlmodelle oder datensparsame Ansätze setzen. Für Nutzer*innen kann dies ein Vorteil sein, wenn Dienste transparenter mit der Nutzung von Daten umgehen oder weniger stark auf personalisierte Werbung und Tracking zurückgreifen. Gleichzeitig gilt jedoch: Welche Daten erhoben und wie sie verwendet werden, hängt immer vom jeweiligen Anbieter ab und sollte im Einzelfall geprüft werden.
Rechtliche Durchsetzbarkeit
Bei Problemen oder Datenschutzfragen befinden sich Ansprechpartner*innen und zuständige Behörden in der Regel innerhalb Europas. Das kann es erleichtern, eigene Rechte gegenüber Anbietern geltend zu machen – insbesondere im Vergleich zu Fällen außerhalb Europas.
Digitale Souveränität und Abhängigkeiten
Eine größere Vielfalt an Anbietern kann dazu beitragen, Abhängigkeiten von einzelnen globalen Plattformen zu reduzieren. Solche Abhängigkeiten können auch eine politische Dimension haben. Etwa wenn der Zugang zu digitalen Diensten als politisches Druckmittel genutzt und eine Einschränkung angedroht wird.
Marktvielfalt und Wettbewerb
Mehr Anbieter können die Marktvielfalt und den Wettbewerb fördern und somit Innovationen sowie nutzerfreundlichere Angebote begünstigen.
Nähe zu europäischen Standards und Strukturen
Europäische Anbieter sind stärker in regionale rechtliche und politische Rahmenbedingungen eingebunden, was die Transparenz und Kontrolle erleichtern kann.
Kund*innen-Support und Erreichbarkeit
Bei europäischen Anbietern können Support und Ansprechpartner*innen oft einfacher erreichbar sein. Zum Beispiel, weil sie sich im eigenen Land befinden oder Support zumindest in der Landessprache angeboten wird. Das kann die Kommunikation im Problemfall erleichtern.
Europäische digitale Alternativen im Überblick
Die folgende Übersicht stellt einige digitale Dienste und Anwendungen vor, die von europäischen Anbietern stammen oder in Europa entwickelt wurden. Die genannten Beispiele dienen ausschließlich der Orientierung und sollen einen Eindruck davon vermitteln, welche Alternativen im europäischen Raum existieren. Die Auflistung erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sie basiert nicht auf redaktionellen Tests der einzelnen Dienste. Die Nennung an dieser Stelle bedeutet deshalb auch keine inhaltliche oder qualitative Empfehlung. Welche Dienste im Einzelfall geeignet sind, hängt von den jeweiligen Anforderungen und der individuellen Nutzung ab. Zu beachten ist außerdem, dass die Dienste typische Risiken für Minderjährige enthalten können und daher nicht ohne vorherige Überprüfung für sie geeignet sind.
Chat und Instant Messaging
Für die direkte Kommunikation stehen verschiedene europäische Messenger zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem Threema und TeleGuard sowie Olvid und Skred, die auch ohne klassische SIM-Kartenbindung genutzt werden können. Ebenfalls aus Deutschland stammt ginlo Private.
E-Mail-Dienste
Für den E-Mail-Verkehr stehen verschiedene Anbieter mit europäischem Hintergrund zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem Posteo, Mailbox.org sowie WEB.DE und GMX. Auch Mail.de sowie der schweizerische Anbieter Proton Mail gehören zu den bekannten europäischen Diensten.
Suchmaschinen
Als europäische Alternativen zu den großen internationalen Suchmaschinen können unter anderem Ecosia, MetaGer und Qwant genutzt werden.
Soziale Netzwerke und Foto-Plattformen
Im Bereich Social Media gehört Mastodon zu den bekanntesten dezentralen Netzwerken. Ergänzend dazu gibt es Pixelfed für das Teilen von Fotos sowie BeReal. Weitere Projekte wie W Social aus Schweden und Eurosky aus den Niederlanden befinden sich in der Entwicklung.
Video-Plattformen
Als Alternativen zu großen Video-Plattformen stehen unter anderem alugha sowie PeerTube zur Verfügung. Beide ermöglichen das Bereitstellen und Teilen von Videoinhalten, wobei PeerTube als dezentrale Open-Source-Lösung entwickelt wurde.
Navigation und Karten
Für Navigation und digitale Orientierung können unter anderem Komoot, HERE WeGo sowie Magic Earth genutzt werden.
Teamkommunikation und Zusammenarbeit
Für die digitale Zusammenarbeit in Teams stehen verschiedene europäische Tools zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem Stackfield und Nextcloud sowie Infomaniak kDrive und Wire. Auch Nozbe und Mattermost werden in diesem Bereich genutzt.