Mehr Sicherheit oder neue Gefahren?WhatsApp ermöglicht Kontakte künftig auch ohne Telefonnummer

Der beliebte Messenger WhatsApp hat angekündigt, dass Nutzer*innen ab sofort Benutzernamen registrieren können. Bisher waren Accounts immer an eine Telefonnummer gebunden, die den anderen Kontakten auch angezeigt wurde. Auch zukünftig wird weiterhin zwingend eine Telefonnummer nötig sein, um einen WhatsApp-Account zu erstellen. Allerdings wird diese nicht mehr mit anderen Kontakten geteilt, insofern ein Benutzername eingetragen wurde. Wir erklären, warum dieses neue Funktion einerseits für mehr Sicherheit sorgt und andererseits zu neuen Problemen führen kann.

In anderen Messengern wie Signal oder Telegram ist es bereits seit vielen Jahren Standard, Benutzernamen anstelle von Telefonnummern zu verwenden. Nun zieht auch WhatsApp nach und bietet diese Funktion ebenfalls an. Warum dieses Feature gerade jetzt eingeführt wird, gibt der Anbieter Meta nicht bekannt. Eine mögliche Interpretation ist, dass der Konzern Meta Funktionen aus Konkurrenzprodukten übernimmt, um die eigenen Angebote aufzuwerten. Ein anderer Grund könnten die im vergangenen Jahr veröffentlichten Leitlinien der EU für Maßnahmen zur Gewährleistung eines hohen Maßes an Privatsphäre, Sicherheit und Schutz von Minderjährigen im Internet sein. Diese Leitlinien besagen unter anderem, dass Dienste dafür Sorge tragen müssen, dass „die persönlichen Kontaktdaten von Minderjährigen, einschließlich E-Mail-Adressen und Telefonnummern, niemals an andere Nutzer weitergegeben werden, es sei denn, die Minderjährigen haben dies ausdrücklich gestattet“.

Bisher war also die Telefonnummer die zentrale Voraussetzung, um mit jemandem über WhatsApp in Kontakt zu treten. Künftig können Nutzer*innen stattdessen einen Benutzernamen verwenden. Der Vorteil: Wer diese Funktion aktiviert, muss seine Telefonnummer bei einer ersten Kontaktaufnahme nicht mehr preisgeben. WhatsApp-Konten bleiben jedoch weiterhin an eine Telefonnummer gebunden. Wann genau die Änderung in Kraft tritt, ist noch unklar. Wie so oft bei neuen Funktionen in Meta-Produkten, macht der Konzert keine genauen Angaben zum Datum der Einführung und schreibt diesbezüglich, dass die Änderung in den „nächsten Monaten schrittweise eingeführt“ werde. Nutzer*innen können sich allerdings bereits jetzt ihren Benutzernamen reservieren. Gehen Sie dazu in die WhatsApp-Einstellungen, klicken Sie dort auf „Konto“ und dann auf „Benutzername“.

Folgenden Informationen gibt WhatsApp zu den Benutzernamen

  • Sie sind zwischen drei und 35 Zeichen lang.
  • Sie können jederzeit geändert oder gelöscht werden.
  • Sie sind nicht über ein öffentliches Verzeichnis auffindbar.
  • Eine Kontaktaufnahme ist nur möglich, wenn andere den exakten Benutzernamen kennen.
  • Zusätzlich lässt sich ein vierstelliger Code aktivieren, der für die erste Kontaktaufnahme benötigt wird.

Was bedeutet die Änderung für Kinder und Jugendliche?

Die neue Funktion kann für Kinder und Jugendliche sowohl Vor- als auch Nachteile haben. Einerseits müssen sie ihre Telefonnummer künftig weniger häufig mit fremden Personen teilen. Gleichzeitig kann ein leicht auffindbarer Benutzername neue Kontaktmöglichkeiten schaffen.

Besonders wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, einen sicheren Benutzernamen zu wählen. Sinnvoller als der echte Name, sind zum Beispiel Pseudonyme, die keinen Rückschluss auf die Identität des Kindes zulassen. Auch sollten Benutzernamen niemals das Geburtsjahr, Alter oder Hinweise auf den Wohnort enthalten.

Zu bedenken ist auch, dass ein Pseudonym Rückschlüsse auf die Identität zulassen kann, wenn es bei unterschiedlichen Diensten benutzt wird. Wer beispielsweise bei Instagram ein öffentliches Profil hat und dort viel von sich preisgibt, kann dann mit demselben Benutzernamen auch bei WhatsApp kontaktiert werden. Um zu verhindern, dass verschiedene Profile im Internet zusammengeführt werden, sollte also überall ein einzigartiges Pseudonym verwendet werden.

Bei Accounts von Kindern sollte unbedingt die Möglichkeit genutzt werden, einen sogenannten Benutzernamenschlüssel zu verwenden. Mit diesem vierstelligen Code schaffen Sie eine weitere Hürde, damit Fremde Ihr Kind nicht kontaktieren können. Denn wenn diese Sicherheitsfunktion aktiviert ist, können nur Personen, die den exakten Benutzernamen Ihres Kindes und den vierstelligen Benutzernamenschlüssel kennen, einen privaten Nachrichtenaustausch mit Ihrem Kind beginnen. 

Neben den Sicherheitsaspekten ist auch darauf zu achten, dass Benutzernamen nicht gegen die Gemeinschaftsstandards von WhatsApp verstoßen. Sie dürfen also zum Beispiel keine Schimpfwörter oder diskriminierenden Aussagen enthalten. Einige Begriffe sind von WhatsApp bereits von vornherein eingeschränkt. 

Darüber sollten Eltern mit ihren Kindern sprechen:

  • Welcher Benutzername verrät möglichst wenige persönliche Informationen?
  • Warum sollte man denselben Benutzernamen nicht überall im Internet verwenden?
  • Wann sollte der zusätzliche Benutzernamenschlüssel aktiviert werden?
  • Wie geht man mit Kontaktanfragen unbekannter Personen um?