LooksmaxxingWie gefährlich kann Selbstoptimierung werden?

Looksmaxxing bezeichnet Maßnahmen, mit denen jemand sein äußeres Erscheinungsbild so weit wie möglich optimieren möchte. Das Ziel ist, das eigene „genetische Potenzial“ bestmöglich auszuschöpfen. Es handelt sich dabei um einen Social Media Trend, bei dem vor allem junge Männer ihr Aussehen systematisch „maximieren“. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Incel-Szene, ist aber inzwischen einem breiteren Publikum bekannt.
Incel
Der Begriff „Incel“ ist eine Abkürzung für involuntary celibates, also „unfreiwillig im Zölibat Lebende“. In Online-Communities tauschen sich diese Männer über ihre Probleme aus. Oft sehen sie sich selbst als unfähig, romantische oder sexuelle Beziehungen zu führen, und machen dafür beispielsweise ihr Aussehen, gesellschaftliche Umstände oder auch Frauen insgesamt verantwortlich.
Kann Looksmaxxing gefährlich sein?
Viele beginnen in dieser Szene mit harmlosen Tipps, beispielsweise zur Hautpflege, einer neuen Frisur oder einem Fitnessprogramm. Solche Optimierungsvorschläge werden als „Softmaxxing” bezeichnet.
Problematisch wird es beim sogenannten „Hardmaxxing”. Dazu gehören selbstverletzende Methoden wie „Bone Smashing”*, der Gebrauch von Steroiden oder risikoreiche Schönheitsoperationen wie Beinverlängerungen.
Nicht zu unterschätzen sind auch die möglichen psychischen Folgen der „Looksmaxxing-Ideologie”, wie Körperunzufriedenheit, Depressionen und Essstörungen.
Bone Smashing
Beim „Bone Smashing” werden Knochen, vor allem im Gesicht, durch Schläge oder Druck gereizt, in der Hoffnung, das Knochenwachstum anzuregen und markantere Gesichtszüge (wie eine stärkere Kieferlinie) zu erzielen.
Was hat die Blackpill-Theorie damit zu tun?
Die „Blackpill” ist ein aus Online-Foren stammendes Gedankenkonzept. Wer die metaphorische „schwarze Pille“ genommen hat, erkennt, dass sozialer und romantischer Erfolg fast ausschließlich vom Aussehen abhängen. Eigenschaften wie Persönlichkeit, Charakter oder Status werden als zweitrangig angesehen. Menschen, die dieser Ideologie folgen, glauben oft:
- „Wenn du nicht von Natur aus attraktiv bist, hast du verloren.“
- „Selbstverbesserung bringt wenig – die Genetik entscheidet.“
- „Frauen (oder auch Männer) sind oberflächlicher, als sie zugeben.“
In extremen Fällen wird sogar behauptet, dass sich gar nichts ändern lässt, selbst durch Looksmaxxing oder Selbstverbesserung. Blackpill-Communitys fördern Pessimismus, Selbsthass und Resignation. Extremformen können zu sozialer Isolation, Depressionen sowie zynischem oder frauenfeindlichem Denken führen. In vielen Looksmaxxing-Foren wird diese Theorie aufgegriffen und ein negatives Selbstbild verstärkt.
Welches Männlichkeitsideal herrscht in der Szene?
Den Inbegriff des männlichen Idealtyps, wie er in der Looksmaxxing-Szene bevorzugt wird, bezeichnet man als „Chad”. Er wird oft wie folgt dargestellt:
- über 1,80 Meter groß,
- ausgeprägte Kieferknochen,
- geringer Körperfettanteil,
- makellose Haut,
- markante Augenbrauen,
- kantiges Gesicht.
Warum Looksmaxxing-Foren oft frauenfeindlich werden
Viele Personen in der Looksmaxxing-Szene sind Männer, die in ihrem Leben immer wieder Ablehnung erfahren haben. Aus dieser Enttäuschung entsteht oft ein Gefühl von Ohnmacht und Wut. Das kann dazu führen, dass die Schuld nach außen verlagert wird und Ansichten vertreten werden wie:
- „Frauen wollen nur Chads“,
- „Frauen sind oberflächlich und falsch“,
- „Frauen sind Schuld daran, dass ich Ablehnung erfahren habe“
Tipp: ZDFinfo-Doku #looksmaxxing
Die 45-minütigen Dokumentation „#looksmaxxing – Junge Männer im Schoenheitswahn“ bietet Einblicke in die Looksmaxxing-Szene und die verschiedenen Ausprägungen von problematischen Körperbildern im Netz.
Wie können Eltern und Lehrkräfte mit diesem Thema umgehen?
Tipps für Eltern
- Sprechen Sie mit Ihren Kindern offen über Social-Media-Trends und Schönheitsideale.
- Fragen Sie, ob Ihr Kind Looksmaxxer-Accounts folgt oder ob es solche Tipps kennt.
- Stärken Sie das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein Ihres Kindes durch Anerkennung und Wertschätzung.
- Achten Sie auf Warnsignale wie plötzliche Diäten, exzessives Training oder abwertende Aussagen über Frauen.
- Holen Sie sich frühzeitig Hilfe und professionelle Unterstützung, wenn es Anzeichen für Depressionen oder Suizidabsichten gibt.
Tipps für Lehrkräfte
- Thematisieren Sie Looksmaxxing im Unterricht, um herauszufinden, ob die Schüler*innen diese Inhalte bereits kennen.
- Nutzen Sie, wenn möglich, altersgerechte Beispiele aus TikTok, Reddit oder Instagram und diskutiere sie diese mit den Schüler*innen.
- Zeigen Sie positive Alternativen auf: Body Positivity, Diversität, Selbstakzeptanz.
- Fördern Sie das kritische Hinterfragen von „Beauty Hacks” und Influencer-Vorbildern bei den Schüler*innen.
- Nutzen Sie unsere Lehrmaterialien zur kritischen Reflexion von Rollenbildern und Schönheitsidealen.
Unser Lehrmaterial „Let's Talk About Porno“ enthält den Baustein 2 zum Thema „Bin ich schön? Bin ich sexy? – Schönheitsideale in unserer Gesellschaft“.
Unser Lehrmaterial „Ethik macht klick – Werte-Navi fürs digitale Leben“ bietet in Baustein 3 Informationen rund um das Thema „Mediale Frauen- und Männerbilder“.





