Die salafistische Szene

In Deutschland entstand die salafistische Szene Mitte der 2000er Jahre. Inzwischen bewertet der Verfassungsschutz den Salafismus als die dynamischste Strömung innerhalb des islamistischen Spektrums. Salafisten und Salafistinnen vertreten ein dualistisches Weltbild, demzufolge ein weltweiter Krieg gegen Muslime geführt würde. Das eigene Weltbild wird als Gegenmodell zur demokratischen und pluralistischen Gesellschaft präsentiert. Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung, Meinungs- und Religionsfreiheit werden abgelehnt. Mit dem Begriff Taghut werden „unislamische“ politische Systeme verurteilt. 

  • Für politisch-missionarische Salafisten bedeutet dies, dass sie eine aktive Missionierung betreiben, etwa durch die Verteilung des Koran.
  • Die dschihadistischen Salafisten sehen Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele und in ihrem „Kampf gegen die Ungläubigen“. Als ungläubig kann jede bzw. jeder erklärt werden, die/der der Ideologie nicht zustimmt.

Online-Propaganda

Salafistische Inhalte finden sich vor allem in sozialen Medien und erreichen heute Hunderttausende. Zu den Zielgruppen zählen Jugendliche unterschiedlicher Herkunft. Bedient wird das Bedürfnis nach Gemeinschaft, Identität und Sinn ebenso wie der Wunsch nach Abenteuer und Unterhaltung. In Deutschland knüpft die salafistische Propaganda am Mediennutzungsverhalten der heutigen Generation an. Die Szene nutzt dabei nahezu alle jugendaffinen Plattformen im Internet, um ihre Inhalte schnell und einfach zu verbreiten. Insbesondere Anbieter mit großer Reichweite, wie Facebook, YouTube, Instagram und Twitter sind für die salafistische Propaganda von großer Bedeutung. 

Videos als zentrales Propagandainstrument

Ein Großteil der Clips ist speziell auf die Sehgewohnheiten jugendlicher Zielgruppen ausgerichtet: Sie sind professionell gestaltet und mit Spezialeffekten animiert. Erscheinungsform, Funktion und Thematik variieren dabei stark:

  • Rekrutierungsvideos für den bewaffneten Dschihad
  • Ansprachen von salafistischen Predigern
  • Folter und Hinrichtungsszenen aus Konfliktgebieten
  • Filme über fiktionale Alltagsgeschichten beim Islamischen Staat

Erlebnisangebote als Köder

Das können Fußballspiele, Grillfeste oder auch Benefizveran-staltungen sein. Oder man verteilt in Fußgängerzonen gratis Ausgaben des Korans. Ein wichtiger sozialer Effekt ist, gemeinsam etwas für den Glauben tun. Salafistische Erlebnisangebote finden offline statt. Beworben und vermarktet werden sie jedoch online. Mit einer eigenen App bzw. über soziale Medien wird dafür geworben und später berichtet: Bilder und Videos zeigen junge Menschen in Aktion. Die ideologischen Inhalte stehen dabei oft nicht im Vordergrund.

Emotionalisierung und Gräuelproganda

Bilder und Videos grausamer und schockierender Szenen werden von der salafistischer Internetpropaganda im Social Web via YouTube, Facebook, Twitter etc. eingesetzt, um bei dem Betrachtenden starke Emotionen hervorzurufen. Musliminnen und Muslime werden als Opfer besonders drastischer Gewalttaten oder als systematisch unterdrückt dargestellt. Häufig werden Bürgerkriege wie in Syrien oder Konflikte wie zwischen Israel und den Palästinensern instrumentalisiert. Auch verbreiten dschihadistische Organisationen vielfach Bildmaterial eigener Gräueltaten, wie zum Beispiel brutale Hinrichtungen.

Rollenbilder: Männer und Frauen

Der Salafismus vermittelt klare geschlechtsspezifische Rollen. Das zeigt sich in Symbolik und Sprache der Propaganda. Männlichkeit umfasst vor allem Aspekte religiöser Gelehrsamkeit und Ehre. Hinzu kommt bei militanten Gruppierungen auch die Betonung von Gewalt und Kriegertum. Die Propaganda richtet sich auch gezielt an junge Frauen, meist mit einer patriarchalischen Rollenverteilung: Der Mann kämpft, die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt. So sind Mädchen als potenzielle Mütter unverzichtbar für den Aufbau des Kalifats, sie gebären und ziehen Kinder „dschihadistisch“ groß. Allerdings nehmen direkte Aufforderungen an Frauen zu, sich auch an Gewalttaten zu beteiligen. Die Botschaft dabei ist: Auch Frauen können aktiv im Dschihad kämpfen. 

Interview mit Silke Baer: Mädchen sehen die Chance teilzuhaben 

Pop-Dschihadismus online

Um Jugendliche zu erreichen, greift der Salafismus gezielt auf Elemente der Popkultur zurück. Zitate und Verweise auf beliebte Serien, Filme und Marken sollen die Propaganda leichter konsumierbar machen, da Jugendliche sie kennen. Durch die Verknüpfung von Versatzstücken von Ideologie mit Popkultur wird versucht, mögliche Vorbehalte aufzuweichen. Bekannt sind die Verfremdungen der Logos von großen Sportmarken wie Nike oder Adidas, die mit dschihadistischen Aussagen versehen wurden.