Schutz vor Cyber-Grooming

Der Themenabend im Ersten am 28.9. hat die Gefahren von Cyber-Grooming aufgezeigt. Welche Risiken und Maßnahmen sollten Sie mit Ihrem Kind besprechen? Welche Infoseiten, Materialien und Beratungsangebote bieten Ihnen und Ihrem Kind Hilfestellung?

Ob nun im herkömmlichen Chatportal, in Online-Spielen, Dating-Apps, Messengern oder Sozialen Netzwerken: Sexuelle Belästigung ist im anonymen Internet leider nie auszuschließen. Umso wichtiger ist es, dass Kinder genau darüber aufgeklärt werden, worauf sie bei der Kommunikation über digitale Dienste achten sollten und wie sie sich im Falle einer sexuellen Belästigung richtig verhalten.

Cyber-Grooming, zu Deutsch etwa das Heranmachen an Kinder im Internet, erfolgt in vielen Fällen nach dem Muster, dass Täter schrittweise Vertrauen zu ihren meist minderjährigen Opfern aufbauen, um diese – wenn das Vertrauen einmal hergestellt ist – sexuell zu belästigen. Andere Täter werden unmittelbar sehr direkt. Dabei verstecken sich die Täter häufig hinter einer fiktiven Identität und geben sich deutlich jünger aus. Die typischen Strategien der Täter und Handlungsmöglichkeiten werden im Interview mit Nina Lübbesmeyer, Leiterin des Referats Chats, Messenger und Communitys bei jugendschutz.net aufgezeigt.

Als Eltern sollten Sie auch im Internet die „Orte“, also die Dienste oder Portale, kennen, in denen sich Ihr Kind bewegt. Machen Sie es darauf aufmerksam, dass ein gesundes Misstrauen in der digitalen Welt notwendig ist: Der Chat-Partner ist nicht immer der, für den er sich ausgibt. Kontaktanfragen von Unbekannten im Instant Messenger oder Sozialen Netzwerk sollten generell nicht bestätigt werden. Bei Flirt- und Dating-Apps, die vor allem für ältere Jugendliche interessant sind, ist besondere Vorsicht geboten. Das Risiko für sexuelle Belästigung ist in solchen Portalen höher, v.a. auch wegen der fehlenden Moderation durch den Anbieter und oftmals unzureichenden Sicherheitseinstellungen. Unter anderem kann bei Dating-Apps der aktuelle Aufenthaltsort über die Umkreissuche gefunden bzw. eingegrenzt werden.

Wenn Ihr Kind belästigt wurde und sich vertrauensvoll an Sie wendet, ist Ihre erste Reaktion entscheidend. Die Medienpädagogin des juuuport-Beratungsportals Susanne Rödiger rät Eltern dazu, den Kindern die Scham zu nehmen. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie der richtige Ansprechpartner sind und ihm helfen werden. Hat Ihr Kind jedoch Angst davor, dass Sie es ausschimpfen oder Sie Ihrem Kind ggf. das Internet verbieten, versucht es eventuell die Probleme alleine zu lösen.

Mit Jugendlichen ins Gespräch kommen
Kinder und Jugendliche sollten über die Risiken der Online-Kommunikation präventiv aufgeklärt werden, um in einer Belästigungsituation richtig zu handeln. Weisen Sie Ihr Kind an, den Kontakt sofort abzubrechen, wenn die Fragen des Chat-Partners unangenehm werden oder es sich bedrängt fühlt. Im Falle einer sexuellen Belästigung sollte das Kind sofort die Eltern informieren und Screenshots zur Beweissicherung machen. Weisen Sie Ihr Kind auch frühzeitig darauf hin, sich niemals alleine mit einer Online-Bekanntschaft zu treffen. Im Elternbereich von klicksafe finden Sie weitere Tipps für die Nutzung von Chats, Sozialen Netzwerken und Messengern für Eltern von jüngeren Kindern (bis 10 Jahre) und älteren Kindern (ab 10 Jahre).  

Auch Videoclips können dabei helfen, das Thema Cyber-Grooming anzusprechen. Der Spot „Cybersex“ aus den Niederlanden verdeutlicht auf ironische Art und Weise, dass man oft nicht weiß, mit wem man gerade über das Internet "kommuniziert".

Für die Thematisierung im Schulunterricht eignet sich beispielsweise das Arbeitsblatt „Sexy Chat“ aus dem klicksafe-Modul „Let´s talk about Porno“.

Sicherheitsregeln vermitteln
Wenn Kinder und Jugendliche beim Chatten einige wichtige Regeln beachten, trägt dies erheblich zu ihrer eigenen Sicherheit bei. Ein wichtiger Aspekt dabei ist der Umgang mit persönlichen Daten und Informationen, v.a. Name, Adresse, Schule und Alter. Bei der Vereinbarung von Regeln zur Mediennutzung kann das Angebot www.mediennutzungsvertrag.de helfen. Sie sollten mit ihren Kindern die Regeln gemeinsam besprechen und sich regelmäßig über aktuelle, rechtliche Neuerungen der Online-Kommunikationsdienste informieren.

jugendschutz.net hat die wichtigsten Regeln für Kinder und Jugendliche auf dem Poster „Sicher chatten!“ zusammengefasst. Erläuterung zu den einzelnen Tipps und Regeln finden sich im Elternbereich der Website Chatten-ohne-Risiko.

Im Themen-Spezial „Cyber-Grooming – Sexuelle Belästigung in Chats“ des Jugendportals Handysektor erfahren Jugendliche, wie sie Cyber-Grooming erkennen und sich davor schützen können.

Infoseiten zum Thema

Materialien

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